Etwa 90 Prozent aller Innovationen in modernen Fahrzeugen gehen auf das Konto der Elektronik. Rund 220 Automobiltechnikexperten tauschten sich am 21. und 22. September an der Hochschule Landshut über neueste Entwicklungen im Bereich der automobilelektronischen Systeme aus – Rahmen waren die beiden parallel stattfindenden Veranstaltungen „Bordnetz Kongress“ und „Automotive Software Kongress“, veranstaltet vom Fachmedium „
Elektronik automotive“. Hochschulpräsident Prof. Dr. Karl Stoffel betonte in seiner Begrüßung, „dass unsere Hochschule für das Thema Automotive steht.“ Man befasse sich in den Forschungsschwerpunkten mit relevanten Themen wie Leichtbau, Energie aber auch Elektronik und Systemintegration – und biete mit dem
Bachelor Automobilinformatik und dem
Master Bordnetzentwicklung zwei wegweisende Studiengänge in diesem Bereich an.
Elektronik und Software: Kernkompetenzen der Automobilindustrie
Moderne Fahrzeuge sind Computer auf vier Rädern: Die Mehrzahl aller neuen Funktionen im Auto wird von Software definiert. „Software ist die Kernkompetenz der Zukunft für Automobilhersteller“, wie Prof. Dr. Manfred Broy von der TU München hervorhob. Hier müsse der Entwicklungsprozess deutlich verbessert werden: Obwohl von einer Fahrzeuggeneration zur nächsten nur zehn Prozent mehr Funktionen entstehen, werden 90 Prozent der Software neu entwickelt. Ob es um fortschrittliche Fahrerassistenzsysteme, die Vernetzung des Fahrzeugs mit Umgebung und Cloud, die Ansteuerung klassischer Verbrennungs-, Hybrid- und Elektroantriebe, die zahlreichen aktiven Sicherheitsfunktionen geht, die Elektronik bildet die Basis. Gerade autonomes Fahren erhöhe die Komplexität enorm, wie Christian Schäfer von Delphi erklärte. Er stellte mit Joachim Düsediekerbäumer von Volkswagen ein gemeinsames Projekt vor, in dem eine Referenzarchitektur für ein robustes Bordnetz entwickelt wurde. In einem modernen Fahrzeug sind heute zwischen 50 und 100 elektronische Steuergeräte verbaut, die zuverlässig mit Energie beliefert werden und Daten austauschen müssen. „Das Bordnetz ist eines der komplexesten Komponenten im Auto“, fasste Prof. Dr. Mathias Rausch von der Hochschule zusammen. Unterschiedliche Spannungen und Materialien, Kabelbäume, Stecker, Steuergeräte, Kommunikation über verschiedene Komponenten und Systeme hinweg sowie zahlreiche Varianten seien große Herausforderungen – und für deren Umsetzung sei Wissen aus vielen Bereichen notwendig.
Masterstudiengang Bordnetzentwicklung einzigartig in Deutschland
Prof. Rausch stellte den deutschlandweit einmaligen Masterstudiengang Bordnetzentwicklung der Hochschule Landshut vor. Er vereint Themen der Elektrotechnik wie Automobilelektronik und Bordnetzarchitektur, aus Maschinenbau, der Produktions- und Fertigungstechnik mit Logistik, Managements und Betriebswirtschaft. Verschiedene Unternehmen unterstützen den Studiengang: BMW, Dräxlmeier, Leoni, Kromberg & Schubert, Nexans und Yazaki. Interessenten können sich für das kommende Wintersemester, das im Oktober startet, immer noch bewerben. Bei den Kongressen lauteten weitere Themen: E/E-Architektur und Bordnetztopologien, Vernetzung des Fahrzeugs intern und extern, Bordnetzkomponenten, -materialien und -prozesse bei der Entwicklung von Kabelbäumen und elektrischen Fahrzeugsystemen, Software-Entwicklung für Steuergerate (Autosar, Virtualisierung, Multicore), Software-Test und -Verifikation sowie Software-Sicherheit (Funktionale Sicherheit und Datensicherheit). In der begleitenden Fachausstellung konnten sich die Teilnehmer bei knapp 30 Unternehmen über neueste Entwicklungen informieren. Am zweiten Tag wurden Workshops zur Dimensionierung von Bordnetz-Komponenten sowie zum Thema „Automotive Embedded Software agil“ entwickeln angeboten.
Hier finden Sie die Pressemitteilung als pdf

