Leichtbau ist ein Themengebiet, das Professor Dallmeier schon lange begleitet. Ebenso die Hochschule Landshut. Nach dem Maschinenbaustudium an der Hochschule Regensburg promovierte Dallmeier kooperativ an der Technischen Universität Bergakademie Freiberg. Parallel war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Kompetenzzentrum Leichtbau an der Hochschule Landshut tätig. Umfassende Praxiserfahrung machte er als Spezialist und Projektleiter bei der Siemens AG, zuletzt als Leiter der Produktentwicklung bei der Alzinger Maschinenbau GmbH. Den Bezug zur Lehre sowie zur Hochschule Landshut behielt Dallmeier immer bei, indem er als Dozent und Lehrbeauftragter der Fakultät Maschinenbau treu blieb. Dallmeier verbindet Konstruktion, Berechnung, Versuch und Digitalisierung entlang des gesamten Produktentstehungsprozesses. Diese Verbindung von wissenschaftlicher Tiefe und industrieller Praxis prägt auch sein Verständnis von Lehre im Maschinenbau.
Welche Themen treiben Sie in Forschung und Lehre besonders an?
Für mich steht die Frage im Mittelpunkt, wie wir technische Produkte schneller und digitaler entwickeln können, ohne dabei jedoch das physikalische Verständnis aus der Hand zu geben. Konstruktion, Simulation, Versuch und Produktdatenmanagement greifen dabei für mich unmittelbar ineinander. Ein Schwerpunkt ist die belastungsgerechte und wirtschaftliche Auslegung von Maschinen und Strukturen – von Leichtbaukomponenten über stationäre Tragstrukturen bis zu mobilen Arbeitsmaschinen. Gerade für die Lehre ist dieser Praxisbezug wichtig. Denn Maschinenelemente und Berechnungsverfahren werden erst dann voll verständlich, wenn ihre Wirkung am realen Produkt sichtbar wird.
Stellen Sie sich vor, Sie müssten Ihren Studiengang in einem Satz an eine Abitur- oder FOS-Abschlussklasse 2027„verkaufen“. Wie würde dieser Satz klingen?
Das ist ganz schnell formuliert: Meiner Ansicht nach ist Maschinenbau ideal für alle, die Technik spannend finden und später selbst Produkte entwickeln möchten, die unsere Zukunft prägen.
Wie sieht für Sie gute Lehre ganz konkret aus? Vielleicht können Sie uns passend dazu eine Situation aus Ihren Lehrveranstaltungen schildern.
Gute Lehre beginnt für mich mit einer klaren Frage: Was müssen Studierende verstanden haben, damit sie später selbstständig eine technische Entscheidung treffen können? Deshalb versuche ich, Theorie möglichst konsequent mit realen Bauteilen und Entwicklungsaufgaben zu verbinden.
Hier muss ich gerade an meine CAD-Veranstaltungen denken. So kann ich beispielsweise in der Theorie eine Modellierungsstrategie erklären. Entscheidend ist aber der Moment, in dem die Studierenden in die Umsetzungsphase kommen und beginnen, eigene Entscheidungen zu treffen: Welche Bezugselemente muss ich wählen? Wie kann ich das Modell (noch) robust(er) aufbauen? Was passiert, wenn ich ein Maß verändere? In der praktischen Umsetzung entsteht so Verständnis.
Gute Lehre besteht für mich aus drei Bestandteilen: Sie soll anspruchsvoll und zugleich anwendungs- sowie dialogorientiert sein. Dazu mit ausreichend Raum, Dinge selbst ausprobieren zu können.
Welche drei Aspekte machen für Sie den Reiz der Hochschule Landshut aus – antworten Sie gerne spontan aus dem Bauch heraus.
Hier stehen für mich zwei Aspekte im Vordergrund, die Hochschulen für angewandte Wissenschaften ausmachen. Zum einen die konsequente Praxisnähe und zum anderen die Verbindung von Lehre und angewandter Forschung. Und drittens kommt für mich ein persönlicher Aspekt hinzu. An der Hochschule Landshut habe ich bereits Jahre geforscht, gelehrt, Labore mit aufgebaut und meine Promotion fachlich vorbereitet. Dass ich jetzt meine Erfahrungen aus Forschung und Industrie als Hochschulprofessor weitergeben darf, fühlt sich für mich an wie eine persönliche Rückkehr. Und wie ein stimmiger Kreislauf, der sich nun geschlossen hat.
Wenn Sie nicht forschen oder lehren, was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit?
Handwerkliche Tätigkeiten sind für mich ein guter Ausgleich. Außerdem bin ich gerne draußen, zum Beispiel beim Bergwandern oder Skifahren. Reisen gehört ebenfalls dazu. Nach einem Arbeitstag, an dem vieles digital am Bildschirm entsteht, tut es ganz gut, bewusst etwas „Echtes“ zu bauen oder Kraft in der Natur zu tanken.
Wenn Sie einen Tag lang mit Ihrem 20-jährigen Ich sprechen könnten – was würden Sie ihm raten? Was würden Sie sich von ihm abschauen?
Den perfekten Zeitpunkt gibt es nie und es lohnt sich nicht, auf ihn zu warten. Darum würde ich meinem 20-jährigen Ich raten, die eigene Zeit bewusst und effizient zu nutzen. Gute Ideen sollte man nicht unnötig lang aufschieben. Es lohnt sich, Dinge auszuprobieren und weiterzuentwickeln.
Hand auf’s Herz: Gibt es ein Talent, das sie gerne hätten, obwohl es vollkommen nutzlos ist?
Ich würde gerne von jedem Land der Welt auf Anhieb die jeweiligen Nachbarländer nennen können. Das wäre im Alltag vermutlich nur selten wirklich nützlich, aber ich finde es wichtig, eine solche geografische Weltkarte im Kopf zu haben.
Welchen Tipp würden Sie Interessierten mitgeben, die über eine Hochschulprofessur nachdenken?
Ich würde allen Interessierten empfehlen, sich wirklich tief in ein Thema einzuarbeiten. Wer präzise, sorgfältig und mit Blick fürs Detail arbeitet, schafft eine gute Grundlage für wissenschaftliches Arbeiten und Lehre.
Herzlich willkommen an der Hochschule Landshut und vielen Dank für das spannende Interview, Herr Prof. Dr. Dallmeier!
Foto: Hochschule Landshut
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