Eine Woche lang waren fünfzehn Studierende des Studiengans „Soziale Arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe“ in Stockholm, der Hauptstadt Schwedens, im Rahmen einer Studienreise unterwegs. Kooperationspartner war die Fakultät Soziale Arbeit an der Universität Stockholm, das Programm hatte die Studiengangsleiterin, Prof. Dr. Mechthild Wolff, mit der Universität zusammengestellt. Auf dem Programm standen Vorträge an der Universität über die Strukturen des Kinder- und Jugendhilfesystems in Schweden und diverse Einrichtungsbesuche. Die Flug- und Unterbringungskosten wurden für die Studierenden von der Hochschule übernommen, weil Studienreisen mit einem vergleichenden Ansatz zum Bildungsangebot gehören.
Der erste Einrichtungsbesuch führte in der Sozialverwaltung von Järva, einem der größten Stadtteile in Stockholm mit einem hohen Anteil von sozial benachteiligten Familien. Hier wurde die Gruppe von fünf sozialpädagogischen Fachkräften in das breite Angebotsprofil des öffentlichen Trägers eingeführt. Gravierendste Unterschiede bestehen darin, dass die meisten Dienste für Kinder, Jugendliche und Familien in Trägerschaft des Stadtteils selbst angeboten werden, zudem gibt es keine stationären Einrichtungen mehr in Schweden.
Die Gruppe besuchte darüber hinaus die Stiftung „Fryshuset“, die national und international tätig ist, aber auch in Hammarby ein innovatives großes Zentrum mit Schulen und einer nachschulischen Betreuung anbietet. Der Standard der Skaterbahnen, der Musik-, Tanz-, Fotografie und Kreativangebote in dem riesigen Gebäude war überwältigend. In dem Hause arbeiten Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter eng mit den Schulen und Lehrerinnen und Lehrer zusammen.
Auch der Besuch in der genossenschaftlich organisierten Schule „Mangelungen“ für ca. 40 Schülerinnen und Schüler war wegweisend. In der Einrichtung wird ein anspruchsvolles methodisches Konzept für junge Menschen verfolgt, die aus unterschiedlichen Gründen der Schule fernbleiben. Kleine Schulklassen, Unterstützung und Beratung durch Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter sowie Psychologinnen und Psychologen, eine familiäre Atmosphäre, Rückzugs- und Kreativräume sowie Essensversorgung gehören zum Ansatz der Einrichtung. Beeindruckend war hier zu sehen, wie hoch das Investment in jedes einzelne Kind und jeden Jugendlichen ist, um einen Schulabschluss zu erreichen.
Auch die NGO „Maskrobarn“ war eine innovative Organisation, die inzwischen in mehreren Teilen Schwedens aktiv ist. Sie bietet offene Treffmöglichkeiten, Camps, Gruppentreffen, Beratungen für jungen Leute an, deren Eltern psychisch erkrankt, von Drogensucht betroffen sind oder denen Gewalt in der Familie widerfährt. Das Besondere an der Einrichtung ist, dass alle dort professionell Tätigen selbst Betroffene sind. Es arbeiten auch viele Ehrenamtliche mit. Spannend in allen Einrichtungen war, dass man am Eingang immer die Schuhe auszieht, was stets eine familiäre Atmosphäre schaffen soll. Spender von Maskrobarn stellen der Organisation neben Geld auch Kekse und diverse Süßigkeiten für Kinder und Jugendliche zur Verfügung.
Auf dem Programm stand zudem das innovative „Schul- und Aktivitätshaus“ in Vega, das im Rahmen eines Stadtentwicklungsprogramms partizipativ mit Bürgerinnen Bürger konzipiert und erbaut wurde. In dem neu entstandenen Stadtteil wird das Haus von Schulen genutzt: es steht für die Kinderbetreuung zur Verfügung, Vereine nutzen das Haus, es ist Jugendclub, Übungsraum für Bands, Bibliothek, Sportstätte und Treffpunkt für regionale Unternehmen zugleich. Die multifunktionale Nutzung des Hauses für alle jungen Menschen und ihre Familien im Stadtteil mitsamt den notwendigen Kooperationen, die hier eingegangen wurden, wären in Deutschland sicher auch möglich. Dafür müssten jedoch viele bürokratische Hürden genommen werden und alle Berufsgruppen müssen gemeinsam an der gleichen Vision für die Familien arbeiten. So war die Studienreise eine große Inspiration für die Studierenden, über den Tellerrand gängiger Konzepte und Strukturen zu schauen und Neues zu denken und auszuprobieren.


