Neben den vielen bekannten Einsatzbereichen von Lithium-Ionen-Batterien, bieten Redox Flow-Batterien gerade im sicherheitsrelevanten Umfeld eine praxistaugliche Lösung und eine wertvolle Option zur Stärkung der Netzstabilität. Dies erläuterte Axel E. Kahl (Leiter Business Development, Jena Flow Batteries GmbH) in seinem Vortrag „Sicher speichern ohne Lithium: Redox-Flow für sensible Standorte” am 19. Januar 2026 am Technologiezentrum Energie TZE in Ruhstorf.
Der online zugeschaltete Vizepräsident der Hochschule Landshut, Prof. Dr. Marcus Jautze, begrüßte die rund 150 Teilnehmer/-innen, die entweder den Weg ans Technologiezentrum Energie in Ruhstorf oder eine online-Teilnahme gewählt hatten. Das TZE, das sich mit Speichertechnologie befasse, sei für den Vortrag im Rahmen der Landshuter Energiegespräche, die in diesem Semester unter dem Leitthema „E-Power für die Energieende“ stehe, der optimale Austragungsort. Mit Redox Flow-Speichern werde eine spezielle Batterieform beleuchtet, in die das Jenaer Unternehmen viel Entwicklungsarbeit gesteckt habe, wie Prof. Dr. Christin Toigo, wissenschaftliche Leiterin des TZE ergänzte.
Flüssigkeitsbasierte Energiespeicher für sicherheitsrelevante Standorte
Bei den von Kahl vorgestellten und bei der Jena Flow Batteries GmbH weiterentwickelten Redox Flow-Batterien enthalten zwei Tanks eine Salzlösung mit unterschiedlichen organischen (metallfreien) Speicherstoffen. Für das Laden und Entladen wird die Lösung durch eine Zelle gepumpt, so werden die Elektronen gebunden und wieder abgegeben, es wird Strom gespeichert. Die Menge des Elektrolyten und die Anzahl der Zellen, die unabhängig voneinander skalierbar sind, entscheiden über Kapazität und Leistung dieser Flussbatterie.
Derzeit laufen Vorbereitungen zur Markteinführung eines weiteren kostengünstigen Elektrolyten, welcher mit einem Partner zusammen entwickelt wurde. Damit besteht die Flexibilität – je nach Standortbedingungen und Anwendungsanforderungen die technisch und wirtschaftlich optimale Konfiguration des Systems auszulegen.
Die flüssigkeitsbasierten Redox Flow-Speicher böten eine Option besonders für Standorte, bei denen ein möglicher Brand von Lithium-Systemen als sicherheitskritisch gelte. So seien in Stadtlagen oftmals Sicherheitsabstände vorgeschrieben oder Lithium-Speicher gar nicht erlaubt. Dies gelte beispielsweise auch für kritische Infrastruktur, Flughäfen, Raffinerien, (Chemie-)Industrieparks, Militär, große KI-Rechenzentren oder Schnelllademöglichkeiten in Parkhäusern. Gegenüber Lithium-Systemen, die nur eine Speicherdauer von bis zu 4 Stunden böten, hätten Redox Flow-Speicher mit einer Speicherdauer von 4 bis 24+ Stunden weitere Vorteile. So könne beispielsweise in Windparks – die häufig abgeregelt werden müssen - viel länger Energie aufgenommen und dann wieder abgegeben werden.
Netzdienlicher Einsatz von Redox Flow-Systemen
In China werde die Speichertechnologie auch zur Stabilisierung des Stromnetzes eingesetzt: dies einmal zur Aufrechterhaltung der dafür erforderlichen 50 Hertz-Frequenz. Weiterhin sei die Redox Flow-Technologie Zyklen unabhängig, man könne die Systeme schnell hoch- und runterfahren, im Hot-Standby-Verfahren sei ein Start im Bereich von Millisekunden möglich, dies könne zur Stärkung der Netzstabilität beitragen. Ein weiterer Vorteil der Redox Flow-Systeme liege in der hohen Betriebsdauer von über 20 Jahren. Die Degradation der Elektrolyten betrage deutlich unter 1 Prozent pro Jahr und man könne sie in den Tanks einfach austauschen. Auch wenn ein Stack defekt sei, werde das einzelne Teil und nicht das gesamte System ausgetauscht. Dies böte trotz der höheren Anschaffungskosten Kostenvorteile.
Nachteil der Redox Flow-Technologie sei der große Platzbedarf. Durch die geringere Energiedichte bräuchte man mehr Raum. Die Anlagen würden in zwei 40-Fuß-Standard-Containern ausgeliefert, was den Transport erleichtere, aber die Kapazität beschränke. Eine Basiseinheit biete eine Kapazität von 250 kW/1 MWh, werde eine höhere Kapazität gewünscht, müsse der Platz für mehr Container vorhanden sein.
Ursprünglich wurde die Technologie bei einer Ausgründung der Universität Jena entwickelt, Mittlerweile gehört die Jena Flow Batteries GmbH zu einem chinesischen Technologiekonzern. Erste Redox Flow-Systeme seien bereits ausgeliefert worden, dazu gehört das größte organische Speichersystem der Welt, welches in Nordchina im Sommer 2025 ans Netz gebracht wurde. Diese Batterie steht an einer Co-Location in systemischer Verbindung mit einem großen Solarpark und Lithium-Ionen-Akkus. Jetzt laute die Aufgabe, die Speichertechnologie für Deutschland und Europa voranzubringen. Dabei sei man auf einem guten Weg, ein Pilotprojekt werde aktuell mit einem großen Energieversorger in Nordrhein-Westfalen geplant.
Weitere Infos und aktuelle Termine zu den Landshuter Energiegesprächen finden Sie auf der Veranstaltungs-Homepage.


