Wo entstehen Verzögerungen in der Produktion? Welche Veränderungen führen tatsächlich zu einer Verbesserung und welche verschieben Probleme lediglich an andere Stellen im Ablauf? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das Forschungsprojekt „KIProWERT – Künstliche Intelligenz basiertes Process Simulation Mining zur Wertstromoptimierung“. Das Verbundvorhaben der Hochschule Landshut und der SimPlan AG ist am 1. September 2026 gestartet und läuft bis zum 31. August 2029.
Produktionsprozesse besser verstehen
Unternehmen müssen ihre Produktions- und Logistikabläufe heute immer schneller an neue Anforderungen anpassen. Gleichzeitig fallen dabei große Mengen an Daten an, die bislang oft nur teilweise genutzt werden.
Genau hier setzt KIProWERT an. Das Projekt entwickelt Verfahren, mit denen vorhandene Prozessdaten automatisch ausgewertet werden können. Dadurch lassen sich tatsächliche Abläufe sichtbar machen, Engpässe erkennen und Verbesserungspotenziale systematisch identifizieren.
Die gewonnenen Erkenntnisse werden anschließend in digitalen Simulationsmodellen genutzt. So können Unternehmen untersuchen, welche Auswirkungen mögliche Veränderungen auf den gesamten Produktionsprozess hätten.
Verbesserungen zuerst virtuell erproben
Bevor Maßnahmen in der realen Produktion umgesetzt werden, können verschiedene Szenarien zunächst am Computer erprobt werden. Beispielsweise lässt sich untersuchen, wie sich zusätzliche Kapazitäten, geänderte Materialflüsse oder angepasste Bestände auf Durchlaufzeiten und Auslastungen auswirken würden.
Dadurch können Unternehmen mögliche Verbesserungen vergleichen und fundierter entscheiden. Verfahren der Künstlichen Intelligenz sollen dabei helfen, wiederkehrende Muster zu erkennen und aus bisherigen Erfahrungen geeignete Handlungsempfehlungen abzuleiten.
Wissen aus Daten verständlich nutzbar machen
Ein weiteres Ziel des Projekts besteht darin, Informationen aus unterschiedlichen Datenquellen zusammenzuführen und verständlich aufzubereiten. So sollen Zusammenhänge zwischen Prozessen, Ressourcen, Kennzahlen und möglichen Verbesserungsmaßnahmen leichter erkennbar werden.
Die entwickelten Systeme sollen Anwenderinnen und Anwender dabei unterstützen, Fragen zu ihren Prozessen in verständlicher Form zu beantworten. Beispielsweise könnte untersucht werden, wodurch Verzögerungen entstehen oder welche Maßnahmen voraussichtlich die größte Verbesserung bewirken würden.
Der Mensch behält die Entscheidungshoheit
Trotz des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz bleibt der Mensch zentraler Bestandteil des Entscheidungsprozesses. Die entwickelten Systeme liefern Analysen und Vorschläge, die von Fachkräften geprüft, bewertet und bei Bedarf korrigiert werden können.
Die Rückmeldungen der Anwenderinnen und Anwender fließen wiederum in die Weiterentwicklung der Verfahren ein. Dadurch sollen die Ergebnisse nachvollziehbar bleiben und das Fachwissen der Beschäftigten gezielt einbezogen werden.
Forschung mit klarem Nutzen für kleine und mittlere Unternehmen
KIProWERT soll insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen den Zugang zu datenbasierten Analyse- und Simulationsverfahren erleichtern. Ziel ist es, Verbesserungsmöglichkeiten schneller zu erkennen und Entscheidungen auf einer fundierten Informationsbasis treffen zu können, ohne dafür umfangreiche Spezialkenntnisse aufbauen zu müssen.
Die entwickelten Komponenten werden in einem Demonstrator zusammengeführt und in der Lern- und Innovationsfabrik des TZ PULS sowie anhand realer Anwendungsszenarien der SimPlan AG erprobt.
SimPlan bringt seine Erfahrung in den Bereichen Prozesssimulation, digitale Wertstromanalyse und industrielle Softwareentwicklung in das Projekt ein. Die Hochschule Landshut erforscht die wissenschaftlichen Grundlagen der Verfahren zur Prozessanalyse, Simulation und KI-gestützten Entscheidungsunterstützung. Ausgewählte Ergebnisse sollen anschließend in das Werkzeug SimVSM einfließen.
Förderhinweis
Das Vorhaben „KMUi38: Künstliche Intelligenz basiertes Process Simulation Mining zur Wertstromoptimierung (KIProWERT)“ wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt im Rahmen der Fördermaßnahme „KMU-innovativ: IKT – Software Engineering“ unter dem Förderkennzeichen 16IS26033B gefördert. Die Projektlaufzeit reicht vom 1. September 2026 bis zum 31. August 2029. Projektträger ist die VDI/VDE Innovation + Technik GmbH.
Foto: Kick-Off-Meeting - SimPlan AG / TZ PULS
