Seit Oktober 2025 ist Prof. Thomas Ziegler an der Hochschule Landshut und verstärkt das Team an Professorinnen und Professoren der Fakultät Maschinen- und Bauwesen. Seine Lehrgebiete sind Verkehrswegebau, Baustoffkunde sowie Vermessungskunde. Darüber hinaus leitet er die zwei Labore Grund- und Straßenbau sowie Geodäsie und Bauphysik. Neben der Forschung und der Lehre freut er sich an der Hochschule besonders darauf, die Arbeit mit und für Menschen weiter vertiefen zu können.
Welchen Weg sind Sie vom Studium bis zur Professur gegangen – was war dabei besonders prägend?
Während meines Bauingenieur-Studiums an der OTH Regensburg entdeckte ich in einem Vertiefungskurs meine Leidenschaft für die Baustofftechnologie. So waren die entscheidenden Weichen für meinen Werdegang bis zur Berufung klar gestellt: Baustofftechnologie. Deshalb starteten auch frühzeitig meine ersten Lehrtätigkeiten in diesem Bereich.
Nach Abschluss meines Studiums war ich in der Kommunalplanung bei Zwick Ingenieure GmbH beschäftigt. Die Zeit danach war sowohl durch Lehre als auch durch Forschung geprägt – an der OTH Regensburg und am Institut Dr.-Ing. Gauer in Regenstauf. Hier war ich die letzten vier Jahre in der Geschäftsführung, konnte aber auch praxisorientierte Forschung betreiben und in verschiedenen Arbeitskreisen der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen mitwirken.
Am meisten geprägt hat mich sicherlich die Zusammenarbeit mit meinen Mitarbeitenden. Als Personalverantwortlicher lag mir immer ein Miteinander auf Augenhöhe am Herzen und das Ziel, meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu fördern und weiterzuentwickeln.
In meiner neuen Tätigkeit als Professor an der Hochschule Landshut fühle ich mich deshalb angekommen, weil ich hier meine drei zentralen Themen weiter vertiefen darf: Lehre, Forschung und – allem voran – die Arbeit mit und für Menschen.
Und welche Themen treiben Sie in Forschung und Lehre besonders an?
Nachhaltigkeit durch Dauerhaftigkeit. Nichts halte ich für so überflüssig wie vermeidbare Fehler bei der Umsetzung von Bauvorhaben. Um diese zu umgehen, gehört optimale Qualitätssicherung ebenso dazu wie die Verwendung des richtigen Baustoffs an der richtigen Stelle. Gerade im Straßenbau ist die Frage nach der perfekten Materialwahl aufgrund der vielseitigen Belastungs- und Witterungseinflüsse nicht immer einfach. In der Forschung verfolge ich das Ziel, genau zu diesem Thema praxisrelevante Erkenntnisse zu erlangen. Und in der Praxis möchte ich das Bewusstsein vermitteln, dass „der Standardfall“ in der Regel nur in den Lehrbüchern zuhause ist und die Umsetzung in der Praxis immer von individueller Betrachtung profitiert.
ie sieht für Sie gute Lehre ganz konkret aus? Vielleicht können Sie uns passend dazu eine Situation aus Ihren Lehrveranstaltungen schildern.
Gute Lehre profitiert von Teilhabe – von Interaktion zwischen den Studierenden ebenso wie zwischen Lernenden und Lehrenden. Je mehr Dynamik im Lernprozess entsteht, desto wahrscheinlicher ist es, dass alle Fragen gestellt, Details durchdacht, Ansichten beleuchtet und praxisrelevante Inhalte entlockt werden. Eine perfekte Gelegenheit, unsere Studierenden hierbei einzubinden, sind unsere vielen Praktika und anwendungsbezogenen Lehrinhalte. Doch auch (teils sehr umfangreiche) theoretische Inhalte gehören als notwendiger Bestandteil zum Unterricht. Ich gehe gerne unkonventionelle Wege und stelle auch mal unsinnige oder vermeintlich einfache Fragen – so entstehen Impulse, die Raum schaffen für Wissensvermittlung und persönliche Weiterentwicklung.
Verraten Sie uns, was Sie dazu bewogen hat, sich gerade für die Hochschule Landshut zu entscheiden – gab es etwas Konkretes an der Ausrichtung der Hochschule, Atmosphäre oder den Entwicklungsmöglichkeiten?
Ein so großer beruflicher Schritt wirft viele Fragen auf, die man – ehrlich gesagt – vor Antritt nicht komplett abschätzen oder beurteilen kann. Wichtiger Kompass ist für mich mein Bauchgefühl. Sehr positiv beeinflusst haben mich von Anfang an die Atmosphäre am Campus und die vielen persönlichen Begegnungen in der Hochschul-Familie.
Am Studiengang Bauingenieurwesen schätze ich die Möglichkeit, mit meinen neuen Kolleginnen und Kollegen gemeinsam vielfältig gestalten und den Studiengang vorantreiben zu können.
Wenn Sie nicht forschen oder lehren, was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit?
Hier stehen meine Familie, das Heimwerken und die Musik im Mittelpunkt. Ich bin leidenschaftlicher Musiker: Von Chor- über Wirtshausmusik bis Big-Band-Sound nutze ich jeden Takt, um die Seele baumeln zu lassen.
Wenn Sie einen Tag lang mit Ihrem 20-jährigen Ich sprechen könnten – was würden Sie ihm raten? Was würden Sie sich von ihm abschauen?
Ich würde meinem 20-järigen Ich raten, immer das zu wählen, was sich richtig anfühlt und das aufzugeben, was keinen Spaß macht. Nur so kann man an ein Ziel gelangen, das man auch wirklich erreichen will.
Richten wir zusammen einen Blick in die Zukunft auf Ihr Fachgebiet im Jahr 2125. Was glauben Sie, wird überraschend gleich sein?
Ganz klar, die Anforderung an die Baustofftechnologie im Straßenbau! Bitumen Bitumen, also Bindemittel im Asphalt, wird es dann nicht mehr geben. Aber es dürfte für den noch zu findenden Ersatzbaustoff, wie heute auch, sehr schwer werden, allen Anforderungen in allen Situationen einfach gerecht zu werden.
Mit welcher bekannten Persönlichkeit würden Sie gerne für eine Stunde im Fahrstuhl stecken bleiben – und worüber würden Sie sprechen?
Mit Neil Armstrong. Über seine Gedanken und Erfahrungen während der Mondlandung. Viel mehr würde mich jedoch sein Weg dorthin interessieren. Ich würde ihn fragen, welche wesentlichen Ereignisse in seinem Leben dazu geführt haben. Sowie seine Einschätzung, wie hoch er den Einfluss von Willen, Ehrgeiz und harter Arbeit darauf einschätzt. Und zuletzt die Frage, wie groß der Anteil an Unterstützern, Beziehungen und manchmal purem Zufall war.
Wir danken Ihnen sehr, dass Sie sich Zeit genommen und unsere Fragen beantwortet haben, Herr Ziegler. Herzlich willkommen in unserer Hochschul-Familie!
Foto: Hochschule Landshut
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