Das Innovationsforum des Forschungsbereichs Medizintechnik 2026 zeigte die große Bandbreite aktueller Forschungs- und Entwicklungsarbeiten in der Medizintechnik. Im Mittelpunkt standen innovative Lösungen aus den Bereichen Künstliche Intelligenz, digitale Gesundheit, Virtual und Augmented Reality, Vital- und Sensordatenverarbeitung, Mensch-Technik-Interaktion sowie neue Konstruktions- und Fertigungsverfahren. Zugleich wurde deutlich: Viele dieser Arbeiten entstehen nicht isoliert an der Hochschule, sondern in engem Austausch mit Partnern aus Medizin, Industrie und Forschung. Wie breit und anwendungsnah diese Entwicklungen an der Hochschule Landshut vorangetrieben werden, zeigte eindrucksvoll das Innovationsforum.
Die Veranstaltung knüpfte an die erfolgreichen Innovationsforen und Postersymposien der vergangenen Jahre an und bot erneut einen praxisnahen Einblick in Projekte, die an der Hochschule in enger Verbindung von Lehre, Forschung und Transfer entstehen. Im Mittelpunkt standen wissenschaftliche Arbeiten von Studierenden aus den Bachelor- und Masterstudiengängen Biomedizinische Technik, Informatik, Elektrotechnik, Künstliche Intelligenz, Ingenieurpsychologie und Maschinenbau. Ergänzt wurden diese durch Beiträge von Doktorandinnen und Doktoranden aus aktuellen Forschungsprojekten.
Eröffnet wurde das Innovationsforum von Prof. Dr. Aida Anetsberger, Vizepräsidentin für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs der Hochschule Landshut. Anschließend gab Prof. Dr. Stefanie Remmele, Sprecherin des Forschungsbereichs Medizintechnik, zusammen mit ihren Kollegen/-innen einen Überblick über neue Entwicklungen und Projekte aus dem Forschungsbereich. Dabei wurde deutlich, wie interdisziplinär die Medizintechnik an der Hochschule Landshut ausgerichtet ist und wie eng technische Innovationen mit konkreten medizinischen, gesellschaftlichen und industriellen Fragestellungen verbunden sind.
Von kontaktloser Vitalparametererfassung bis digitale Hör-Rehabilitation
Ein Schwerpunkt des Programms lag auf zwei Expertenpanels, die aktuelle Forschungs- und Anwendungsthemen vertieften. Das erste Panel stand unter dem Titel „Vom Kabelsalat zur Kontaktlosigkeit – Neue Wege der Vitalparametererfassung im Schlaflabor“. Im Mittelpunkt standen Ansätze, mit denen Vitalparameter im Schlaflabor künftig kontaktlos und damit für Patientinnen und Patienten komfortabler erfasst werden können. Nachdem die medizinische Anwendung und Problematik von Dr. Dorit Aschmann-Mühlhans (La-Regio Kinderklinik St-Marien in Landshut) eindrücklich aufgezeigt wurde, stellte Matthias Jahn von der Hochschule Landshut Lösungsvorschläge aus entsprechenden Forschungsarbeiten vor, die unter Betreuung von Prof. Dr. Andreas Breidenassel und Prof. Dr. Eduard Kromer und in Partnerschaft mit Texas Instruments, Infineon sowie in Zusammenarbeit mit der der Kinderklinik entstehen.
Das zweite Expertenpanel widmete sich digitalen Lösungen in der Rehabilitation von Schwerhörigkeit. Gemeinsam mit dem Partner WSAudiology - Julien Robiliard gab eine Themeneiführung - wurden unterschiedliche Hardware- und Softwarelösungen (Hörgeräte, Anpassungssoftware, Smartphone-Applikationen) vorgestellt, die Menschen mit Schwerhörigkeit im Alltag unterstützen. Insbesondere wurde das Konzept der nutzerzentrierten Entwicklung in den Fokus gerückt. Auch bei einem hardwaregetriebenen Produkt wie den Hörgeräten muss der gesamte End-to-End-Kundennutzen verstanden werden, um digitale Lösungen zu entwickeln, die die tatsächlichen Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer adressieren. Anschließend präsentierte Tim Kreitmaier aktuelle Forschung zu mHealth-Anwendungen und zeigte Anwendungsbeispiele aus dem Projekt HörTrain, das von Prof. Dr. Nicole Trübswetter und Prof. Dr. Bettina Williger betreut wird. Im Fokus standen dabei die Gestaltung und Evaluation nutzerzentrierter Interface- und Interaktionskonzepte im Bereich digitaler Trainingsansätze sowie Fragen der praktischen Anwendung.
Gerade die beiden Panels zeigten, welchen Mehrwert die Zusammenarbeit mit externen Partnern für die Medizintechnikforschung bietet: Forschungsideen werden früh an realen Bedarfen gespiegelt, Anwendungen gemeinsam weiterentwickelt und Ergebnisse in einen praxisnahen Kontext gebracht. Für Partner aus Medizin und Industrie bot das Innovationsforum damit zugleich eine Bühne, um gemeinsame Projekte sichtbar zu machen und neue Impulse für künftige Kooperationen zu setzen.
Poster zeigen Innovationskraft aus Lehre, Forschung und Transfer
Ein zentrales Element des Innovationsforums bildeten die beiden Postersessions, in denen die Autoren ihre Forschungsarbeiten präsentierten. Viele der Poster entstanden in enger Zusammenarbeit mit Partnern aus Industrie, Medizin und Forschung. Entsprechend groß war auch das Interesse der Praxispartner: Zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus unterschiedlichen Anwendungsfeldern nutzten die Postersessions, um mit Studierenden, Promovierenden und Forschenden des Forschungsbereichs Medizintechnik ins Gespräch zu kommen, technische Ansätze zu diskutieren und Anknüpfungspunkte für weitere gemeinsame Projekte auszuloten.
Vorgestellt wurden unter anderem ein Gelenkfuß für Gehhilfen, eine Testvorrichtung zur Haftung transdermaler Pflaster auf menschlicher Haut, Virtual-Reality-Anwendungen im Ganglabor, Planungsansätze für Lebertumorresektionen in Virtual Reality sowie KI-gestützte Verfahren zur Erzeugung synthetischer medizinischer Bilddaten. Weitere Beiträge beschäftigten sich mit der FPGA-basierten Videoaufbereitung für die Endoskopie, Qualitätssicherung in der MRT-Bildgebung, Muskelkraftmessung mittels Sensorhandschuh, EMG-Armprothesen mit Machine-Learning-Mustererkennung sowie Domain Shifts in medizinischen Bilddaten.
Auch in der zweiten Postersession wurde die Vielfalt der Forschungs- und Entwicklungsarbeiten deutlich. Themen waren unter anderem radarbasiertes Monitoring von Vitalparametern im Schlaflabor, Augmented-Reality-Anwendungen für die offene Leberchirurgie, automatisierte Schlafphasenerkennung mit Machine Learning, nutzerzentriertes UX/UI-Design für HörTrain, die Entwicklung eines fNIRS-Systems zur Messung kognitiver Aktivitäten, additiv herstellbare individuelle Fingerprothesen sowie Lerneffekte am Motorradsimulator.
Plattform für Austausch, Sichtbarkeit, Jobbörse und neue Kooperationen
Neben der Präsentation aktueller Forschungsergebnisse bot das Innovationsforum vor allem Raum für Austausch und Vernetzung. Studierende, Forschende, Praxispartner aus Medizin und Industrie sowie interessierte Gäste kamen miteinander ins Gespräch, diskutierten technische Ansätze und mögliche Anwendungen und knüpften Kontakte für künftige Projekte. Dem Engagement der VDE-Hochschulgruppe ist es zu verdanken, dass auch dieses Jahr wieder ein Jobboard den akademischen Nachwuchs mit den externen Besuchern über Berufsbilder und aktuelle Stellenausschreibungen ins Gespräch brachte. Eine Initiative, die in angesichts des angespannten Arbeitsmarktes hohe Nachfrage fand.
Dabei zeigte sich, dass Veranstaltungen wie das Innovationsforum nicht nur Forschungsergebnisse sichtbar machen, sondern auch neue Kooperationen ermöglichen. Für die beteiligten Partner bot sich die Gelegenheit, mit dem Team des Forschungsschwerpunkt Medizintechnik in einen intensiven fachlichen Austausch zu treten, bestehende Kontakte zu vertiefen und neue Verbindungen aufzubauen. Aus den Gesprächen entstanden zahlreiche wertvolle Impulse für zukünftige gemeinsame Vorhaben.
Die Veranstaltung machte eindrucksvoll sichtbar, wie praxisnah Forschung und Lehre an der Hochschule Landshut miteinander verbunden sind. Viele der vorgestellten Arbeiten griffen konkrete medizinische oder gesellschaftliche Herausforderungen auf und entwickelten daraus technische Lösungsansätze. Gerade die Kombination aus interdisziplinärer Zusammenarbeit, wissenschaftlicher Expertise und engem Bezug zur Anwendung macht den Forschungsbereich Medizintechnik zu einem wichtigen Impulsgeber für Innovationen im Gesundheitsbereich.
Beim abschließenden Get-together unter dem Motto „Time to connect“ nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit, Gespräche zu vertiefen und neue Kontakte zu knüpfen. Das Innovationsforum 2026 zeigte damit: Die Medizintechnik an der Hochschule Landshut lebt von kreativen Ideen, engagierten Studierenden und Forschenden sowie starken Partnern aus Medizin, Industrie und Forschung.
Aktuelle Informationen zur Vernstaltungsreihe unter www.haw-landshut.de/ps-medtech.










