Die Hochschule Landshut schafft neue, verlässliche Karrierewege für hochqualifizierte Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler. Mit einer hochschulweiten Leitlinie regelt sie künftig die Einrichtung und Ausgestaltung von W1-Nachwuchsprofessuren mit Tenure Track. Zum 1. Oktober 2026 wird das neue Verfahren erstmals konkret angewandt: Anika Loidl-Wunder, M.A., übernimmt die Nachwuchsprofessur für Interdisziplinäres Gebärdensprachdolmetschen an der Fakultät Gesundheit Kommunikation Mensch-Technik-Interaktion.
Neben planbaren Karrierewegen auch verbindliche Qualitätsstandards
Die am 3. Juni 2026 in Kraft getretene Leitlinie schafft transparente und planbare Rahmenbedingungen für den Weg von einer befristeten W1-Nachwuchsprofessur zu einer unbefristeten W2-Professur. Sie unterscheidet zwischen einem Promotions-Track und einem Praxis-Track. Beide Modelle richten sich an wissenschaftlich und pädagogisch qualifizierte Persönlichkeiten, denen für eine reguläre HAW-Professur entweder noch der Abschluss einer Promotion oder weitere außerhochschulische Berufspraxis fehlt.
Zu Beginn der Nachwuchsprofessur werden verbindliche Entwicklungsziele und Evaluationskriterien festgelegt. Ein Mentoring durch eine erfahrene Professorin oder einen erfahrenen Professor, eine Zwischenevaluation und eine abschließende Bewertung begleiten den Qualifizierungsweg. Bei erfolgreicher Abschlussevaluation erfolgt die Übernahme auf eine unbefristete W2-Professur. Die Tenure-Track-Phase erstreckt sich in der Regel über drei bis sechs Jahre.
„Mit der neuen Leitlinie schaffen wir einen transparenten und zugleich anspruchsvollen Rahmen für wissenschaftliche Karrierewege an unserer Hochschule. Wir möchten herausragenden Persönlichkeiten frühzeitig Verantwortung in Lehre, Forschung und Transfer übertragen und ihnen zugleich eine verlässliche berufliche Perspektive bieten“, betont Hochschulpräsidentin Prof. Dr. Michaela Wirtz.
Erfahrungen dauerhaft in der Hochschule verankern
Die Hochschule Landshut hat bereits im Rahmen des Projekts „LA-Proof“ umfangreiche Erfahrungen mit Nachwuchsprofessuren und unterschiedlichen Qualifizierungswegen gesammelt. In den vergangenen Jahren wurden dabei sechs Nachwuchsprofessuren in Promotions- und Praxismodellen besetzt. Die neue Leitlinie überführt diese Erfahrungen nun in ein dauerhaftes, hochschulweit einheitliches und qualitätsgesichertes Verfahren mit Tenure-Track.
„Die Gewinnung und frühzeitige Förderung des professoralen Nachwuchses ist eine zentrale Zukunftsaufgabe für Hochschulen für angewandte Wissenschaften“, erklärt Prof. Dr. Stefan Borrmann, Vizepräsident für Diversität und Berufungen. „Der Tenure Track verbindet frühe wissenschaftliche Selbstständigkeit mit klaren Entwicklungszielen, persönlicher Begleitung und nachvollziehbaren Qualitätsstandards. Damit werden akademische Karrierewege planbarer und die Hochschule gewinnt neue Möglichkeiten, hochqualifizierte Persönlichkeiten langfristig an sich zu binden.“
Erste Besetzung stärkt das Gebärdensprachdolmetschen
Mit Anika Loidl-Wunder gewinnt die Hochschule Landshut eine ausgewiesene Fachperson aus den eigenen Reihen. Sie absolvierte von 2016 bis 2020 den Bachelorstudiengang Gebärdensprachdolmetschen und anschließend den Masterstudiengang „Soziale Arbeit: Diversität gestalten“ an der Hochschule Landshut. Ihre Masterarbeit wurde 2023 mit dem Kulturpreis Bayern ausgezeichnet. Darin beschäftigte sie sich mit Machtverhältnissen im Gebärdensprachdolmetschen und entwickelte Grundlagen für eine Beschwerde- und Schlichtungsstelle, die gemeinsam mit dem Berufsverband der Gebärdensprachdolmetscher Bayern auf den Weg gebracht wurde.
Seit 2020 arbeitet Loidl-Wunder freiberuflich als Dolmetscherin für Deutsche Gebärdensprache. Von 2020 bis 2024 war sie zudem als Gebärdensprachdolmetscherin an der Hochschule Landshut tätig. Seit 2024 ist sie akademische Mitarbeiterin im Studiengang Gebärdensprachdolmetschen an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg und promoviert dort im Fach Gebärdensprachdolmetschen. Darüber hinaus ist sie Autorin mehrerer Fachpublikationen und engagiert sich in fachlichen Netzwerken.
„Die Hochschule Landshut hat meinen bisherigen akademischen und beruflichen Weg entscheidend geprägt. Deshalb freue ich mich besonders darauf, nun in einer neuen Rolle zurückzukehren, gemeinsam mit den Studierenden zu arbeiten und die Weiterentwicklung des Gebärdensprachdolmetschens in Lehre, Forschung und Praxis mitzugestalten“, sagt Loidl-Wunder.
Zu ihren künftigen Aufgaben gehören die Weiterentwicklung des Studiengangs Gebärdensprachdolmetschen, die Konzeption analoger und digitaler Lehr- und Lernangebote sowie die Betreuung von Projekt- und Abschlussarbeiten. In der Lehre wird sie unter anderem Dolmetschpraxis und Dolmetschtechniken, Berufskunde, angewandte Dolmetschtheorien und berufspraktische Kompetenzen vertreten. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der anwendungsorientierten Forschung, insbesondere zum Medien- und Ferndolmetschen.
Mit der ersten Besetzung einer W1-Nachwuchsprofessur mit Tenure Track setzt die Hochschule Landshut ein sichtbares Zeichen für die nachhaltige Förderung wissenschaftlicher Karrieren und stärkt zugleich das interdisziplinäre Profil ihrer Lehre und Forschung.
Fotos: Hochschule Landshut
(Frei zur Verwendung bei Angabe der Quelle)


