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Geburtshilfe im Wandel: Gemeinsam die Zukunft gestalten

Netzwerktreffen Geburtshilfe an der Hochschule Landshut bringt Praxis, Wissenschaft und Lehre zusammen

Wie kann gute Geburtshilfe auch in Zukunft gesichert und weiterentwickelt werden? Dieser Frage widmete sich das erste Netzwerktreffen Geburtshilfe am 25. September an der Hochschule Landshut. Unter dem Titel „Geburtshilfe im Wandel – Zukunft gemeinsam gestalten“ kamen Hebammen, Ärztinnen und Ärzte, Vertreterinnen und Vertreter von Kliniken und Geschäftsführungen zusammen, um aktuelle Herausforderungen zu diskutieren, Perspektiven auszutauschen und neue Formen der Zusammenarbeit auszuloten. Moderiert wurde das neue Format von Prof. Dr.-Ing. Sven Roeren, Dekan der Fakultät Gesundheit Kommunikation Mensch-Technik-Interaktion.

„Gute Geburtshilfe lebt vom Zusammenspiel unterschiedlicher Perspektiven. Deshalb wollen wir heute Praxis, Wissenschaft und Lehre miteinander ins Gespräch bringen“, betonte Hochschulpräsidentin Prof. Dr. Michaela Wirtz bei der Begrüßung. Die Hochschule Landshut verstehe sich dabei als Partnerin der Region: „Unser Ziel ist es nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern auch einen Raum zu schaffen, in dem Erfahrungen geteilt, neue Ideen entwickelt und konkrete Kooperationen angestoßen werden.“

Zwischen Finanzierung, Ausbildung und Versorgung

Den Auftakt der fachlichen Beiträge bildete der Impulsvortrag von Mechthild Hofner, 1. Vorsitzende des Bayerischen Hebammen Landesverbands, zu den finanziellen Rahmenbedingungen der hochschulischen Hebammenausbildung. Anschließend stellte Prof. Dr. Aida Anetsberger, Vizepräsidentin für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs, den MedizinCampus Niederbayern (MCN) sowie das Institut für angewandte Gesundheitswissenschaften Landshut (IGLA) vor.

Die Hochschule Landshut ist wissenschaftliche Partnerin des MedizinCampus Niederbayern. Mit dem Anschluss an den MCN soll die Verzahnung von medizinischer Lehre, angewandter Forschung und klinischer Versorgung weiter intensiviert werden. Dabei werden auch interprofessionelle Formate weiterentwickelt.

Der MedizinCampus Niederbayern eröffnet neue Möglichkeiten, medizinische Lehre, Forschung und Versorgung noch enger miteinander zu verknüpfen“, erläuterte Prof. Dr. Aida Anetsberger. „Gerade für die Geburtshilfe sind die Bedingungen in Landshut ideal. Wir möchten gezielt interprofessionelle Trainings anbieten und wissenschaftliche Fragestellungen in enger Kooperation mit unseren Praxispartnern entwickeln.“

Akademische Hebammenausbildung und klinische Praxis

Im Anschluss standen drei Impulsvorträge im Mittelpunkt. Marion Schmidt, Hebamme M.Sc. und Ausbildungskoordinatorin der LA-Regio Kliniken, skizzierte die Entwicklung der Strukturen zur Umsetzung der akademischen Hebammenausbildung in der Praxis. Dr. med. Silvia Sabus, leitende Oberärztin der Geburtshilfe der LA-Regio Klinik Landshut-Achdorf, beleuchtete die Zukunft der Geburtshilfe aus klinischer Perspektive.

Prof. Dr. Judith Kluck, Studiengangsleitung des primärqualifizierenden Studiengangs Hebamme an der Hochschule Landshut, widmete sich dem Public-Health-Wert guter Geburtshilfe, aktuellen Entwicklungen der akademischen Hebammenausbildung sowie der perspektivischen Entwicklung der Hebammenwissenschaft als eigenständige Disziplin.

Dabei wurde deutlich: Die Weiterentwicklung des Hebammenberufs ist eng mit den Rahmenbedingungen in den Kliniken verbunden. Seit dem Wintersemester 2020 bietet die Hochschule Landshut ein weiterqualifizierendes Hebammenstudium an, seit 2023 auch den primärqualifizierenden Studiengang. Mittlerweile studieren rund 85 angehende Hebammen an der Hochschule.

Eine zentrale Herausforderung bleibt die Verfügbarkeit geeigneter Praxisplätze. Das duale Hebammenstudium umfasst neben der theoretischen Ausbildung mindestens 2.200 Stunden praktische Ausbildung in kooperierenden Einrichtungen inklusive der gesetzlich vorgeschriebenen Praxisanleitung. Damit sind die Kliniken und Kooperationspartner ein unverzichtbarer Bestandteil der Ausbildung, denn: ohne Praxisplätze kein Hebammenstudium.

„Jeder zusätzliche geeignete Praxisplatz kann dazu beitragen, einen weiteren Studienplatz zu ermöglichen – und damit perspektivisch eine zusätzliche qualifizierte Fachkraft für die Region auszubilden“, so Prof. Dr. Kluck.  

Erfahrung und Wissenschaft miteinander verbinden

Beim gemeinsamen Mittagessen bot sich anschließend Gelegenheit zum persönlichen Austausch. Im World Café am Nachmittag diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer schließlich die zentrale Frage des Treffens: Wie kann gute Geburtshilfe gemeinsam gesichert und weiterentwickelt werden?

Dabei trafen bewusst unterschiedliche Perspektiven aufeinander – aus Kreißsälen und Stationen, aus Kliniken und Geschäftsführungen sowie aus Wissenschaft und Lehre. Im Mittelpunkt standen Erfahrungen aus der Praxis, aktuelle Herausforderungen und mögliche Ansätze für zukünftige Kooperationen in der Region sowie die Skizzierung einer Zukunftsvision für eine gute geburtshilfliche Versorgung 2036.

Gerade mit Blick auf die demografische Entwicklung kommt dem Wissenstransfer zwischen den Generationen eine besondere Bedeutung zu. In den kommenden Jahren werden zahlreiche erfahrene Hebammen in den Ruhestand gehen. Gleichzeitig wächst die Zahl akademisch ausgebildeter Hebammen. Erfahrung und wissenschaftlich fundiertes Wissen miteinander zu verbinden, wird daher zu einer wichtigen Aufgabe für die kommenden Jahre.

Die Hochschule Landshut möchte auch künftig eine verlässliche Ansprechpartnerin für klinische Einrichtungen der Region sein und ihr gesundheitswissenschaftliches Profil weiter stärken.

Fotos: Hochschule Landshut
(Frei zur Verwendung bei Angabe der Quelle)