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Durch dezentralen CO2-Emissionshandel und Mobilitäts-App zur Klimaneutralität

Die Landshuter Energiegespräche stellen in diesem Semester Forschungsprojekte der Hochschule Landshut vor, die mit ihren Erkenntnissen zum Gelingen der Energiewende beitragen wollen. Eine Plattform für regionalen CO2-Emissionshandel sowie das Anwendungsbeispiel einer Mitfahrzentrale wurden beim Auftakt der Vortragsreihe am 23. März 2026 präsentiert. Der Titel des Vortrags, an dem rund 80 Personen (online und in Präsenz) teilnahmen, lautete „Digitale Werkzeuge zur Unterstützung des regionalen CO2-Emissionshandels - Projekt SuCCeCS“.

Die Projektbeteiligten v.l.n.r. Prof. Dr. Alexander Wallis, Prof. Dr. Diana Hehenberger-Risse und Jung-Woo Kim mit Prof. Dr. Tim Rödiger.
Die Projektbeteiligten v.l.n.r. Prof. Dr. Alexander Wallis, Prof. Dr. Diana Hehenberger-Risse und Jung-Woo Kim mit Prof. Dr. Tim Rödiger.

An der Hochschule Landshut mit dem Technologiezentrum Energie sowie dem Forschungsbereich Energie wollen zahlreiche Forschungsprojekte mit Ihren Erkenntnissen zum Gelingen zum Klimaschutz beitragen. Unter dem Motto „Forschung für eine erfolgreiche Energietransformation“ werden die Landshuter Energiegespräche in diesem Sommersemester ausgewählte Forschungsprojekte und ihre Ergebnisse einer breiten Öffentlichkeit präsentieren und damit den Schwerpunkt gezielt an die Schnittstelle zwischen Forschung und Transfer legen, wie Vizepräsident Prof. Dr. Marcus Jautze in seiner Begrüßung betonte. 
Er bedankte sich bei Prof. Dr. Josef Hofmann, dem langjährigen Sprecher des Forschungsbereichs Energie und Initiator der Landshuter Energiegespräche, für sein enormes Engagement. Diesem Dank schloss sich auch Prof. Dr. Tim Rödiger als neuer Sprecher des Forschungsbereichs an und betonte, dass Prof. Dr. Hofmann auch weiterhin bei den Energiegesprächen aktiv sein werde. Beim aktuellen Vortrag würden Erkenntnisse des Projekt SuCCeCS (Sustainable Carbon Certificates for Carpooling Solution) vorgestellt, dies von der Projektleiterin Prof. Dr. Diana Hehenberger-Risse, von Prof. Dr. Alexander Wallis (IT-seitige Projektkoordination).

Transparenz und Nachhaltigkeit durch regionalen CO2-Emissionshandel

Prof. Dr. Hehenberger-Risse betonte die Notwendigkeit, CO2-Einsparung jetzt umzusetzen und plädiert dafür, nicht auf Entscheidungen der Politik zu warten, sondern umzusetzen, was im Sinne der Klimaneutralitätsziele sei. In eine Treibhausgasbilanz laut dem Standard GHG-Protokoll (green-house-gase) seien einmal direkte Emissionen, z.B. die von Heizanlage emittiert werden und auch indirekte Emissionen, die z.B. bei der Erzeugung regenerativer Fernwärme oder Strom anfallen, sowie Emissionen durch Transport oder Pendelverkehr relevant. Die Hochschule habe sich Klimaneutralität zum Ziel gesetzt, einen großen Faktor bilde hier das Pendeln zur Hochschule, wodurch 80 Prozent der Emissionen entstehen.

Könne man CO2-Emissionen nicht vermeiden, kommen Kompensationen oder der CO2-Emissionshandel ins Spiel. Durch die Unterstützung Emissions- oder klimafreundlicher Projekte, könne man die CO2-Bilanz neutral gestalten. Gerade bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) fehlen oft Ressourcen, Kenntnisse oder Informationen für die Umsetzung. Auch Green-washing in Auslandsprojekten komme vor. Durch den im aktuell vorgestellten Projekt verfolgten Ansatz eines regionalen, nachhaltigen und digitalen Emissionshandels bleibe die Wertschöpfung in der Region, die Kompensation führe zu lokalem Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Missbrauch werde durch Transparenz verhindert und die Glaubwürdigkeit steige, was zu einem positiven Image der beteiligten Unternehmen beitrage.

Die regionale Plattform stelle für Unternehmen eine wertvolle Alternative zum verpflichtenden Emissionsmarkt dar, bei dem sie Emissionsrechte besitzen müsse, um Treibhausgase ausstoßen zu dürfen (EU- und Nationale Emissionshandelssysteme). Die regionale Plattform sei eine zusätzlicher, freiwilliger Emissionsmarkt ohne Verpflichtung. Mit dem freiwilligen Kauf von Emissionszertifikaten könne die Klimabilanz verbessert und eigene Emissionen z.B. durch Aufforstung, die Unterstützung eines regionalen Klimaschutzprojektes z.B. an einer Hochschule oder durch die im Projekt eingebundene Mobilitäts-App kompensiert werden. Dies führt über den regionalen Emissionshandel zu einer zertifizierten CO2-Reduktion und einem Nachhaltigkeitsimpact, die Emissionseinsparungen werden in der CO2-Bilanz des Unternehmens gutgeschrieben.

Handelsplattform basiert auf Blockchain-Technologie

Prof. Dr. Alexander Wallis stellte den technischen Hintergrund der regionalen CO2-Emissionshandels-Plattform vor. Eine Zentrale Lösung, die protokolliere, welche Zertifikate von wem verkauft oder erworben werden, wäre die einfachste Lösung. Eine zentrale Organisation habe aber auch Nachteile: So sei oft nicht ersichtlich, auf welcher Datengrundlage Zertifikate erstellt werden, die Nachverfolgbarkeit sei oft schwer und auch eine Doppelzählung von Zertifikaten sei nicht zu vermeiden, wenn Einsparungen bei zwei verschiedenen Behörden geltend gemacht werden. Transparenz und eine „Trusted Third Party“ seien deshalb wichtig.

In der regionalen Plattform werde Blockchain-Technologie als dezentrale Infrastruktur genutzt. Die grundlegende Idee sei dabei, dass kein zentraler Vermittler notwendig sei. Alle Handlungen werden aufgezeichnet und im ganzen Netzwerk verteilt (distributed Ledgers). Alle Teilnehmer haben Zugriff auf die Daten, jeder kann alle Transaktionen einsehen und überprüfen, wie er betonte. Jede Transaktion bilde einen Block, der mit andren Blöcken verkettet und kryptografisch gesichert sei und im Nachgang nicht geändert werden kann.

Unternehmen beteiligen sich mit ihrem eigenen Guthaben an Zertifikaten, mit Anteilen, z.B. Token für CO2-Emissionen. Diese sog. Tokenisierung – ein Zertifikat entspricht einem Token - sei notwendig, um Zertifikate digital handelbar zu machen. Je höher die CO2-Einsparung, desto mehr Token erhielte man, mit denen gehandelt werden kann. Die Regeln für Erstellung, Handel und Übertragung seien programmierbar, sog. „Smart Contracts“ ermöglichen eine automatisierte Ausführung von Transaktionen. Spare ein Unternehmen CO2 ein, werde diese Einsparung dokumentiert, automatisch Token generiert und auf der Plattform bereitgestellt, um damit handeln zu können. Alles werde in Blockchain gespeichert, der Verkauf über Smart Contracts automatisiert. Das System biete damit hohe Transparenz und es nachvollziehbar auf welcher Grundlage Zertifikate erstellt werden.

App für Mitarbeitermobilität als Anwendungsbeispiel integriert

Als anwendungsorientierter Partner unterstützt das Unternehmen CONNECT Mobility GmbH das Projekt mit der App uRyde, einer digitalen Plattform für Mitarbeitermobilität, der Validierung von innovativen Datentransfermodellen und Schnittstellen. uRyde verbindet Mobilität, macht Alternativen sichtbar und liefert die Grundlage für nachhaltige Veränderung, wie Prof. Dr. Hehenberger Risse erklärte. Darin können neben gemeinsamen PKW-Fahrten von Mitarbeitern, auch Werks- und Shuttle-Busse, normaler ÖPNV, sowie das Handling von Job-Tickets, Parkplatzmanagement und Mobilitätsbudgets gebündelt werden.

In der digitalen Plattform werden CO2-Emissionen bzw. die Einsparungen gebündelt, um Zertifikate erstellen und damit handeln zu können. Auch kann das Mobilitätsverhalten analysiert und das Angebot angepasst werden: Beispielsweise könnte so z.B. per Mitfahr-App die bisher oft langwierige Fahrt vom Bahnhof Landshut zur Hochschule schnell und flexibel erfolgen. Auch Pendlerroutinen können hinterlegt werden. Je mehr Menschen die App nutzen, desto mehr Angebote und Fahrten könnten angeboten und damit CO2 eingespart werden. Die Hochschule Landshut und die assoziierten Partner ebm-papst, Sparkasse Landshut, Flughafen München GmbH, und Silver Atena GmbH sind Startunternehmen, die die App nutzen werden, weitere Unternehmen seien natürlich erwünscht. Die App mache den Impact mess- und sichtbar und liefere auch die Datengrundlage für das Projekt.

Zum Beispiel könnte die Treibhausgas-Bilanz der Hochschule gerade im Bereich Mobilität deutlich verbessert werden. Wenn 15 Prozent der Hochschulangehörigen sich zu Fahrgemeinschaften zusammenschließen würden, könnten 230 Tonnen CO2 eingespart werden, wie die Referentin verdeutlicht. Um möglichst viele Personen zum Mitmachen zu bewegen, seien Anreize wie Getränkegutscheine, reservierte Parkplätze, der auch Tankgutscheine geplant. Zusätzlich könnten die beteiligten Partner eigene Anreize schaffen. Aktuell sollte allerdings auch der hohe Spritpreis als Motivation dienen.
 

Die Projektbeteiligten v.l.n.r. Prof. Dr. Alexander Wallis, Prof. Dr. Diana Hehenberger-Risse und Jung-Woo Kim mit Prof. Dr. Tim Rödiger.
Hochschul-Vizepräsident Prof. Dr. Marcus Jautze bei der Begrüßung der Teilnehmer.
Der neue Sprecher des Forschungsbereichs Energie, Prof. Dr. Tim Rödiger, stellte die Referenten/in vor.