Mit einem Fachtag sowie begleitenden Workshops hat die Hochschule Landshut im Dezember das zehnjährige Bestehen ihres Studiengangs Gebärdensprachdolmetschen gefeiert. Seit der Einrichtung 2015 ist der Studiengang ein Alleinstellungsmerkmal: Als einzige Hochschule in Bayern bildet die Hochschule Landshut qualifizierte Gebärdensprachdolmetscherinnen und -dolmetscher aus und leistet damit einen strukturellen Beitrag zur Umsetzung von Barrierefreiheit, Teilhabe und sprachlicher Gleichberechtigung tauber Menschen. Bundesweit gibt es nur acht vergleichbare Studienangebote.
Gebärdensprachdolmetscherinnen und -dolmetscher Tore zwischen Welten
Die Hochschulpräsidentin Prof. Dr. Michaela Wirtz würdigte den Studiengang in ihrem Grußwort als profilbildendes Element der Hochschule Landshut und dankte insbesondere den Initiatorinnen Prof. Dr. Sabine Fries und Prof. Dr. Uta Benner sowie allen beteiligten Lehrenden, Mitarbeitenden und Studierenden für ihr langjähriges Engagement. Der Dekan der Fakultät, Prof. Dr. Sven Roeren, unterstrich die besondere Stellung des Studiengangs innerhalb der Fakultät und verwies auf dessen Relevanz weit über den Hochschulkontext hinaus.
Oberbürgermeister Alexander Putz stellte sich mit: „Guten Tag, ich komme aus Österreich“ in Deutscher Gebärdensprache vor und unterstrich in seiner Rede die zentrale Rolle von Gebärdensprachdolmetscherinnen und -dolmetschern. Sie seien die Tore zwischen Welten. Damit verdeutlichte er die vermittelnde, aber auch verantwortungsvolle Rolle des Berufs im Spannungsfeld von Kommunikation, Macht und Teilhabe.
Rückblick mit Stimmen der ersten Absolventinnen und Absolventen
Ein fachlicher Höhepunkt des Vormittags war der Beitrag von Prof. Dr. Gabrielle Jones von der University of California San Diego. Ihr Vortrag in Amerikanischer Gebärdensprache, simultan in Deutsche Gebärdensprache und Lautsprache gedolmetscht, machte nicht nur die internationale Vernetzung des Studiengangs sichtbar, sondern betonte auch die Selbstverständlichkeit mehrsprachiger, multimodaler Wissenschaftskommunikation im Feld der Deaf Studies und des Dolmetschens.
Die anschließenden Impulse unter dem Themenschwerpunkt „Dolmetschen mit Hand, Herz und Haltung“ ermöglichten eine fachlich fundierte Rückschau und zugleich eine offene Reflexion. Beiträge zur Pionierarbeit der Anfangsjahre, Stimmen der ersten Absolventinnen und Absolventen sowie aktuelle Reflexionen zu Fragen von Repräsentation, Vertrauen und Vereinnahmung („Wer spricht für die Community?“) verdeutlichten die kontinuierliche Weiterentwicklung des Berufsbildes. Weitere Impulse thematisierten professionelle Resilienz, berufsethische Orientierung sowie den Wandel des Dolmetschens im Kontext gesellschaftlicher, politischer und technologischer Veränderungen.
Vorträge und interaktive Workshops zu den Themen Macht, Haltung und Technologie
Der Nachmittag widmete sich explizit dem Dolmetschen im Spannungsfeld von Haltung, Macht und technologischer Entwicklung. Vier Impulsvorträge beleuchteten emotionale, politische und fachliche Dimensionen des Berufs. Auch die Frage nach dem Einsatz von Avataren und künstlicher Intelligenz wurde kritisch als ethische und professionsbezogene Fragestellung eingeordnet.
In den anschließenden interaktiven Mini-Workshops wurde dieser Diskurs vertieft. In kurzen, aktivierenden Formaten setzten sich die Teilnehmenden mit politischen, ethischen und fachpraktischen Fragen auseinander. Besonders wertvoll und ein Kernanliegen des Studiengangs war hierbei die konsequente Einbindung tauber Perspektiven auf Qualität, Macht und Zukunft des Dolmetschens.
Gebärdensprachdolmetschen an der Hochschule Landshut weit mehr als ein Studienangebot
Der festliche Abschluss in der neuen Mensa bot schließlich Raum für Begegnung, Austausch und gemeinsames Feiern. Dabei wurde nicht nur auf zehn Jahre Aufbauarbeit, Professionalisierung und Profilbildung zurückgeblickt, sondern auch ein Ausblick auf die kommenden Herausforderungen und Entwicklungslinien des Studiengangs gewagt.
Aus Sicht des Teams des Studiengangs zeigte das Jubiläum, dass Gebärdensprachdolmetschen an der Hochschule Landshut weit mehr ist als ein Studienangebot: Es ist ein Ort fachlicher Reflexion, professionsethischer Auseinandersetzung und gelebter Verantwortung gegenüber einer inklusiven, sprachlich diversen Gesellschaft.
Fotos: Hochschule Landshut
(Frei zur Verwendung bei Angabe der Quelle)
Foto 1: Ein fachlicher Höhepunkt der Jubiläumsfeier war der Beitrag von Prof. Dr. Gabrielle Jones von der University of California San Diego (rechts) in Amerikanischer Gebärdensprache, simultan von Dawei Ni (links) in Deutsche Gebärdensprache sowie von Gebärdensprachdolmetschern in Lautsprache gedolmetscht.
Foto 2: Die Hochschulpräsidentin Prof. Dr. Michaela Wirtz würdigte den Studiengang als profilbildendes Element der Hochschule Landshut.
Foto 3: Oberbürgermeister Alexander Putz unterstrich die zentrale Rolle von Gebärdensprachdolmetscherinnen und -dolmetschern als Tore zwischen Welten.
Foto 4: Der Dekan der Fakultät, Prof. Dr. Sven Roeren, unterstrich die besondere Stellung des Studiengangs innerhalb der Fakultät.
Foto 5: Prof. Dr. Sabine Fries, eine der Initiatorinnen des Studiengangs Gebärdensprachdolmetschen an der Hochschule Landshut, begrüßte die Gäste.
Foto 6: Prof Dr. Uta Benner (links) und Prof. Dr. Sabine Fries initiierten den Studiengang, der nun sein 10-jähriges Jubiläum feierte.
Foto 7: Es wurde auf zehn Jahre Aufbauarbeit, Professionalisierung und Profilbildung zurückgeblickt.
Foto 8: In Impulsvorträgen und Mini-Workshops wurde der Diskurs über das Dolmetschen im Spannungsfeld von Haltung, Macht und technologischer Entwicklung vertieft.
Foto 9: Der Studiengang Gebärdensprachdolmetschen ist ein Ort fachlicher Reflexion, professionsethischer Auseinandersetzung und gelebter Verantwortung gegenüber einer inklusiven, sprachlich diversen Gesellschaft.








