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Dezentrale Wasserstofflösungen für mehr Autonomie und Resilienz im Energiesystem

Gerade lokal erzeugter und gespeicherter Wasserstoff könnte einen wichtigen Beitrag bei der Energiewende leisten, wie die Auftaktveranstaltung der Landshuter Energiegespräche im Wintersemester 2026/2027 zeigte.

Die Vorzüge von dezentralen Wasserstofflösungen erläuterte Dr. Markus Ostermeier (ostermeier H2ydrogen Solutions GmbH, Schweitenkirchen) in seinem Vortrag.
Die Vorzüge von dezentralen Wasserstofflösungen erläuterte Dr. Markus Ostermeier (ostermeier H2ydrogen Solutions GmbH, Schweitenkirchen) in seinem Vortrag.

Das Leitthema der Landshuter Energiegespräche der Hochschule Landshut im Wintersemester 2026/2027 lautet „Wasserstoff und Speichertechnik für ein resilientes Energiesystem“. In seinem   Auftaktvortrag „Dezentrale Wasserstofflösungen für eine unabhängige und CO2-neutrale Energieversorgung" am 12. Oktober 2026 erläuterte Dr. Markus Ostermeier (Geschäftsführer ostermeier H2ydrogen Solutions GmbH, Schweitenkirchen), wie sich Wasserstoff direkt vor Ort wirtschaftlich und klimafreundlich erzeugen, speichern und nutzen lässt.

Hochschulvizepräsident Prof. Dr. Marcus Jautze bezeichnete in seiner Begrüßung der rund 60 Teilnehmer/-innen (online & in Präsenz) Wasserstoff als wichtiges Zukunftsthema, dies für Bereiche wie E-Mobility, Energiespeicherung und viele Themenfelder, die sich noch herauskristallisieren werden. Die Bedeutung des Themas für die Hochschule zeige u.a. ihr Engagement beim Wasserstoff Kompetenzzentrum Pfeffenhausen, in dem besonders auch Prof. Dr. Tim Rödiger (Sprecher Forschungsschwerpunkt Energie) aktiv ist, der durch den Abend führte und die anschließende Diskussion moderierte.

Mit regionalen Systemen regenerative Energie systematisch nutzen

Auch für Dr. Markus Ostermeier ist Wasserstoff ein besonders relevantes Zukunftsthema. Strom sei die wertvollste Energieform, die wir haben und es seien alle Werkzeuge für die Nutzung Erneuerbarer Energien vorhanden, man müsse sie nur nutzen. Niemand habe eine Ölquelle im Garten, aber sehr wohl eine PV-Anlage auf dem Dach. Selbst Strom erzeugen zu können und dies auch im genossenschaftlichen Verbund, sei ein erster Schritt in die Unabhängigkeit. Wasserstoff könne dabei die Kohle der Zukunft werden, da sie das Problem der Langzeitspeicherung von Energie lösen könne und damit für Autonomie und Resilienz eine wichtige Rolle spiele. Dies besonders durch lokale Energiesysteme, die Photovoltaik, Batterie und Wasserstoff kombinieren. Und genau solche Systeme biete sein Unternehmen an, die bereits in 10 Ländern zum Einsatz kämen.

Dabei spricht er sich für Lösungen mit grünem Wasserstoff - lokal ohne CO2-Emission per Elektrolyse aus Wasser und regenerativer Energie erzeugt -  aus. Wegen des höheren Preises müssten Anlagen zwar lange im Markt gehalten werden, damit sie sich amortisieren, dies sei aber besser, als erst auf ebenfalls kostenintensive Zwischenlösungen zu setzen. Lokal zu produzieren und zu speichern vermeide ein Lieferkettenrisiko wie beim Transport von Öl durch Nadelöhre wie der Straße von Hormus. Er sieht Dezentralität als Lösung im Kampf zwischen Resilienz und Effizienz. Dies u.a. auch, weil der Wasserstoff-Transport über das existierende Gasnetz noch nicht möglich sei.

Er plädiert für kleine Anlagen, die schneller realisiert werden könnten und deren Kosten sich durch eine hohe Stückzahl deutlich senken ließen, wie dies auch bei den Batterien in der E-Mobilität der Fall gewesen sei. Die Regulatorik sei natürlich auch im Bereich Wasserstoff ein Thema, es gäbe viele Verordnungen und lokale Unterschiede, insgesamt sei die Lage aber gerade für kleine Anlagen überschaubar. Wertvolle Hilfestellung biete hierzu ein kostenfreier Leitfaden für Wasserstoffanlangen in der technischen Gebäudeausrüstung, kostenlos online verfügbar beim Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches e.V. (DVGW).

Viele weitere Wasserstoffanwendungen möglich

Wasserstoff werde in vielen Bereichen bereits als Energieträger genutzt, z.B. für industrielle Prozesse im Chemiebereich, als Kraftstoff für Züge, LKW, PKW oder auch Fahrräder. Auch für die Industrie und ihre Prozesse könne es deutlich günstiger sein, Wasserstoff selbst zu produzieren, als teure Flaschen zu beziehen. Ebenso kann man Wasserstoff an Tankstelle als Kraftstoff verfügbar machen. Hierzu gäbe es bereits erfolgreiche Anwendungsbeispiele, z.B. auch wasserstoffgetriebene Gabelstapler bei BMW. Zusätzlicher Nutzen entstehe durch den Einsatz von Brennstoffzellen, Wasserstoff könne aber auch direkt verbrannt werden. Doch besonders in der saisonalen Langzeit-Energiespeicherung, der Pufferung von im Sommer eingespeicherter Energie für den Winter, sieht er großes Potenzial für den Wasserstoff. Dabei sei es in Gebäuden sinnvoll, den Wasserstoff durch Batterie, Wärmespeicher und Wärmepumpe zu ergänzen. Die eigenen Systeme hätten alle Komponenten in einen Kubus integriert, verschiedene Anlagen seien möglich, man brauche nur noch PV-Strom und Wasser. Anstatt Anlagen immer neu zu gestalten, reiche es, die Konfiguration zu ändern, was zu einer Kostensenkung beitrage.

Das Unternehmen habe Kunden und Anwendungen in ganz unterschiedlichen Ländern von Deutschland, Österreich und der Schweiz, über Frankreich und Belgien, bis zur nördlichsten Anlage in Finnland und der südlichsten in Ghana. Die Anwendungsfelder seien sehr unterschiedlich, ein Edelstahlrohr-Produzent zeige, dass es rentabel sei, Wasserstoff durch Elektrolyse, Kompression und einem Managementmodul und angeschlossenem Speicher zu nutzen. Das Beispiel eines Gebäudes mit vielen Wohneinheiten mitten in der Stadt Zürich verdeutliche, dass das System auch im Gebäude-Bereich funktioniert. In einem Projekt in Ghana werde Wasserstoff auch als Notspeicherquelle eingesetzt und damit das Gesamtsystem günstiger. Ein Geschäftsmodell biete sich auch für Händler, die Energie mit Wasserstoff länger speichern können als mit Batterielösungen. Sie könnten die schwankenden Energiepreise nutzen - speichern, wenn Energie billig ist, und bei gestiegenen Preisen wieder verkaufen - um Gewinne zu erzielen.  

Wie Ostermeier in der anschließenden Diskussion erläuterte, liege der Wirkungsgrad nach Erzeugung des Wasserstoffs (durch Elektrolyse) und der späteren Rückverstromung „nur“ bei insgesamt 30 - 35 Prozent, die Alternative sei aber, Wind oder Solarkraft abzuschalten und damit frei verfügbare Energie gar nicht zu nutzen. Für netzdienliche Wasserstoff-Langzeitspeicher seien die bisher vom Unternehmen angebotenen Anlagen zwar zu klein, perspektivisch mache das aber auf alle Fälle Sinn.  

Die Vorzüge von dezentralen Wasserstofflösungen erläuterte Dr. Markus Ostermeier (ostermeier H2ydrogen Solutions GmbH, Schweitenkirchen) in seinem Vortrag.
Hochschulvizepräsident Prof. Dr. Marcus Jautze (links) bei der Begrüßung der rund 60 Teilnehmer/-innen.
Prof. Dr. Tim Rödiger (Sprecher Forschungsschwerpunkt Energie) moderierte die anschließende Diskussion.