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Sozialer Wandel und Kohäsionsforschung

TRES – Trialog bei Essstörungen. Entwicklung und Überprüfung eines innovativen Unterstützungsmodells

Autoren

Enikoe Schradi
Enikoe.Schradi@haw-landshut.de
Prof. Dr. Eva Wunderer
eva.wunderer@haw-landshut.de

Medien

Vortrag auf dem 26. Interdisziplinären Kongress für Suchtmedizin, München, Symposium „Essstörungen“.

Veröffentlichungsjahr

2026

Veröffentlichungsart

Konferenzbeitrag (peer reviewed)

Forschungsprojekt

TRES

Zitierung

Schradi, Enikoe; Wunderer, Eva (2026): TRES – Trialog bei Essstörungen. Entwicklung und Überprüfung eines innovativen Unterstützungsmodells. Vortrag auf dem 26. Interdisziplinären Kongress für Suchtmedizin, München, Symposium „Essstörungen“..

Peer Reviewed

Ja

Sozialer Wandel und Kohäsionsforschung

TRES – Trialog bei Essstörungen. Entwicklung und Überprüfung eines innovativen Unterstützungsmodells

Abstract

Hintergrund

Beim Trialog kommen Personen mit psychischen Erkrankungen, Angehörige und Fachkräfte in moderierten Gesprächsrunden auf Augenhöhe zusammen. Ziel ist, alle Perspektiven gleichberechtigt an einen Tisch zu bringen und durch den Austausch von Fach- und Erfahrungswissen die psychische Erkrankung und die Menschen, die damit konfrontiert sind, besser zu verstehen und zu unterstützen. Trialoge werden bereits erfolgreich u.a. im Bereich Psychose und Borderline-Persönlichkeitsstörung in der sozialpsychiatrischen Hilfelandschaft angeboten.

In Deutschland fehlte bisher eine etablierte und evaluierte Trialog-Praxis im Bereich der Essstörungen. Angesichts der weiten Verbreitung von Essstörungen, des großen Hilfebedarfs, gerade auch nach der COVID-19-Pandemie, der weitreichenden bio-psycho-sozialen Auswirkungen für Betroffene und Angehörige und der damit verbundenen Herausforderungen für professionell Helfende, erscheint der trialogische Ansatz jedoch auch in diesem Bereich naheliegend.

 

Zielsetzung und Methode

Im Rahmen des Projekts „TRES“ an der Hochschule Landshut wurde der Trialog bei Essstörungen in Zusammenarbeit mit fünf spezialisierten Facheinrichtungen während 20 Trialog-Abenden im Zeitraum von März bis Juni 2023 erprobt. Die Einrichtungen erhielten ein Handbuch zur Implementierung, die Moderierenden wurden durch Online-Schulungen vorbereitet. Das Projekt wurde vom Institut Sozialer Wandel und Kohäsionsforschung (IKON) der Hochschule Landshut finanziert.

In einem mehrdimensionalen Forschungsansatz wurden die Umsetzbarkeit, der Nutzen sowie die Grenzen des Trialog-Formats evaluiert. Dazu wurden 169 teilnehmende Personen mit Essstörungserfahrungen, Angehörige und Fachkräfte, 24 Moderierende und fünf Vertreterinnen der Kooperationseinrichtungen mithilfe eines Mixed-Methods-Designs befragt. Dieses schließt eine schriftliche Befragung (n=296), qualitative Interviews (n=26) und eine Follow-up Online-Befragungen (n=49) nach ca. sechs Monaten ein.

 

Resultate

Die Ergebnisse bestätigen, dass der trialogische Ansatz auch bei Essstörungen als sehr hilfreich empfunden wird und einen Lern- und Reflexionsprozess auf allen Seiten in Gang bringen kann. So geben mehr als 80 % der Teilnehmenden nach dem Trialog an, die Perspektive von Betroffenen und Angehörigen besser verstehen zu können; mehr als 70 % sagen, sie hätten ihr Wissen über die Erkrankung und den Umgang mit Betroffenen, Angehörigen und Fachkräften erweitert. Von den Befragten würden 92 % erneut am Trialog teilnehmen. Die beteiligten Facheinrichtungen bieten den Trialog bei Essstörungen allesamt weiterhin an.

 

Schlussfolgerung

Die Begleitstudie zeigt, dass der Trialog als ergänzendes Hilfeangebot auch im Bereich Essstörungen sehr gut angenommen wird. Die Ergebnisse liefern wichtige Erkenntnisse zum Nutzen eines solchen Angebots und den Rahmenbedingungen, die für eine dauerhafte Implementierung erforderlich sind. Der Trialog wird mittlerweile in weiteren deutschen Städten erfolgreich angeboten, das Konzept wurde als Praxishandbuch veröffentlicht (Schradi & Wunderer, 2025). Die Übertragbarkeit des trialogischen Ansatzes auf verschiedene Bereiche der Suchthilfe kann im Rahmen des Vortrags diskutiert werden.

 

Literaturverzeichnis

Schradi E, Wunderer E (2025): Praxishandbuch Trialog bei Essstörungen. Weinheim: BeltzJuventa.