Mehr Grün und Schatten, weniger Verkehr oder mehr Raum zum Verweilen: Über die künftige Gestaltung der Landshuter Neustadt wird intensiv diskutiert. Besonders aktuell ist die Frage, wie Begrünung und Bäume zum Hitzeschutz beitragen können und welcher Raum dafür in der Innenstadt zur Verfügung steht. Zugleich treffen in dem historischen Straßenzug unterschiedliche Interessen aufeinander.
Alina Festbaum, Marie Kuete und Claudia Lowitz nahmen diese Debatte zum Ausgangspunkt für ein transdisziplinäres Projekt im Masterstudiengang Nachhaltigkeit und Transformation. Gemeinsam mit dem Verkehrsclub Deutschland (VCD) Landshut untersuchten sie, wie die Menschen die gegenwärtige Situation wahrnehmen und welche Erwartungen sie an die weitere Entwicklung der Neustadt haben.
Sechs Wochen, mehr als 1.400 Rückmeldungen
Aus einer Fragestellung der Stadtgesellschaft entstand im Laufe des Sommersemesters ein vollständiges studentisches Forschungsprojekt. Die Studentinnen entwickelten einen teilstandardisierten Fragebogen, organisierten die Online-Befragung und begleiteten sie mit Öffentlichkeitsarbeit. Anschließend bereiteten sie die Antworten auf und ordneten die Ergebnisse wissenschaftlich ein.
Die Umfrage lief vom 15. Mai bis zum 26. Juni 2026. Ziel war es, nicht nur besonders laute Positionen abzubilden, sondern die Sichtweisen unterschiedlicher Gruppen systematisch zu erfassen. Befragt wurden Menschen, die in der Neustadt wohnen, dort arbeiten oder den Straßenzug besuchen. Mehr als 1.400 Personen beteiligten sich.
„Besonders spannend war für uns, dass wir nicht an einer theoretischen Fallstudie gearbeitet haben“, berichten die Studentinnen. „Die Neustadt betrifft viele Menschen direkt, und wir konnten erleben, wie unsere wissenschaftliche Arbeit Teil einer öffentlichen Diskussion wird.“
Wissenschaft und Stadtgesellschaft arbeiten zusammen
Begleitet wurde das Projekt von Prof. Dr. Elisabeth Berger. Im Master Nachhaltigkeit und Transformation lehrt sie unter anderem transdisziplinäres Arbeiten. Dabei arbeiten Studierende nicht nur über wissenschaftliche Fachgrenzen hinweg, sondern beziehen auch Wissen, Erfahrungen und Interessen aus der Praxis ein.
„Die Studierenden haben den gesamten Forschungsprozess begleitet: von der Entwicklung des Fragebogens über die Datenauswertung bis zur öffentlichen Präsentation“, erklärt Berger. „Gerade diese Verbindung von wissenschaftlichem Arbeiten und einer konkreten Fragestellung aus der Stadtgesellschaft macht transdisziplinäre Projekte aus.“
Die Kooperation eröffnete beiden Seiten neue Möglichkeiten. Der VCD brachte seine Kenntnisse der örtlichen Debatte und den Kontakt zu verschiedenen Gruppen ein. Die Hochschule ergänzte die wissenschaftliche Methodik und eine neutrale Auswertung der Rückmeldungen.
„Die Zusammenarbeit mit der Hochschule hat es ermöglicht, die unterschiedlichen Sichtweisen auf die Neustadt systematisch zu erfassen und wissenschaftlich auszuwerten“, betont Verena Putzo-Kistner aus dem Vorstand des VCD Landshut. „Damit liegt eine fundierte Grundlage für die weitere Diskussion vor.“
Was die Befragten unterscheidet und verbindet
Die Ergebnisse zeigen kein einheitliches Bild. Anwohnende, Gewerbetreibende sowie Besucherinnen und Besucher beurteilen einzelne Fragen unterschiedlich. Besonders deutlich wird das beim Blick auf die Verkehrsmittel: Während viele Besucherinnen und Besucher angaben, zu Fuß oder mit dem Fahrrad in die Neustadt zu kommen, schätzten Gewerbetreibende den Anteil der Kundschaft, die mit dem Auto anreist, wesentlich höher ein.
Gemeinsamkeiten fanden die Studentinnen unter anderem beim Parksuchverkehr, den Teilnehmende aus allen drei Gruppen als Belastung wahrnahmen. Viele Befragte sprachen sich außerdem für mehr Begrünung, weniger Autoverkehr, zusätzliche Sitzgelegenheiten und mehr Schatten aus. Die Umfrage ist nicht repräsentativ, bildet jedoch die Einschätzungen der Menschen ab, die sich daran beteiligt haben.
Für die Studentinnen bestand die Aufgabe deshalb nicht nur darin, Zahlen darzustellen. Sie mussten unterschiedliche Interessen herausarbeiten, Ergebnisse kritisch einordnen und erläutern, welche Aussagen die Untersuchung zulässt und wo ihre Grenzen liegen.
Ergebnisse öffentlich vorgestellt
Am 14. Juli präsentierten Festbaum, Kuete und Lowitz ihre Auswertung gemeinsam mit dem VCD vor rund 100 Interessierten im Pfarrsaal St. Martin. Die hohe Beteiligung zeigte, welche Bedeutung die Zukunft der Neustadt für viele Menschen in Landshut hat. Zugleich mussten die Studentinnen komplexe Daten so aufbereiten, dass sie auch ohne wissenschaftliche Vorkenntnisse verständlich wurden.
Mit der öffentlichen Präsentation endete das Projekt nicht an der Grenze des Seminarraums. Die Ergebnisse fließen nun in eine Debatte ein, an der Stadtgesellschaft, Politik, Verwaltung und Gewerbe beteiligt sind. Welche Maßnahmen daraus entstehen, bleibt Gegenstand des weiteren Austauschs. Die Studentinnen haben dafür eine wissenschaftlich aufbereitete Grundlage geliefert.
Fotos: Hochschule Landshut
(Frei zur Verwendung bei Angabe der Quelle)
Bild 1: Eine mögliche Zukunft der Landshuter Neustadt: Die Studierenden erstellten mithilfe künstlicher Intelligenz eine Visualisierung mit mehr Bäumen, Grünflächen und Raum zum Verweilen. Das Bild zeigt keine konkrete Planung, sondern dient als Impuls für die Diskussion.
Bild 2: Prof. Dr. Elisabeth Berger begleitete das transdisziplinäre Projekt. Gemeinsam mit den Studentinnen Claudia Lowitz, Marie Kuete und Alina Festbaum untersuchte sie, wie Anwohnende, Gewerbetreibende sowie Besucherinnen und Besucher die Zukunft der Landshuter Neustadt bewerten.

