Social Prescribing (oder „soziale Unterstützung auf Rezept“) ist ein innovativer Ansatz, der medizinische Angebote der Primärversorgung gezielt mit sozialen und gemeinschaftlichen Unterstützungsangeboten verbindet. Dem Konzept liegt die Erkenntnis zugrunde, dass viele gesundheitliche Probleme mit sozialen, emotionalen oder praktischen Belastungen zusammenhängen – etwa mit Einsamkeit, sozialer Isolation oder Problemen im Zusammenhang mit Schulden und Wohnsituation. Solche Herausforderungen können nicht allein durch medizinische Versorgung bewältigt werden. Eine zentrale Funktion übernehmen sogenannte „Link Worker“. Sie unterstützen Menschen dabei, passende Angebote in ihrem sozialen Umfeld zu finden und Zugänge zu entsprechenden Ressourcen und Netzwerken herzustellen. Diese Unterstützung kann dazu beitragen, Selbstvertrauen und Eigenverantwortung zu stärken, soziale Isolation zu verringern und Menschen zu befähigen, ihre Gesundheit aktiv mitzugestalten. Social-Prescribing wird aktuell europaweit entwickelt und vorangebracht (www.social-prescribing.eu)
In ihrem konzeptionellen Beitrag mit dem Titel „Link Worker im Social Prescribing: Potenziale der Sozialen Arbeit für die deutsche Versorgungslandschaft“ argumentiert Prof. Liel, dass insbesondere die gesundheitsbezogene Soziale Arbeit aufgrund ihres professionellen Selbstverständnisses und ihrer spezifischen Kompetenzen sehr gute Voraussetzungen für diese Aufgabe mitbringt. Ressourcenerschließung, Netzwerkarbeit und Beziehungsarbeit gehören ebenso zum professionellen Kern Sozialer Arbeit wie die Bearbeitung sozialer Ungleichheit, die Auseinandersetzung mit sozialer Vereinzelung und Einsamkeit, sowie die Förderung gesellschaftlicher Teilhabe. Darüber hinaus verfügt die Soziale Arbeit über einen ausgeprägten systemischen Blick auf soziale und institutionelle Zusammenhänge. Damit kann sie nicht nur individuelle Bedarfe in den Blick nehmen, sondern auch Schnittstellen zwischen unterschiedlichen Versorgungsbereichen und mögliche Zugangsbarrieren berücksichtigen.
Für eine erfolgreiche Umsetzung von Social Prescribing in Deutschland kommt es aus Sicht von Prof. Liel zugleich auf eine gute interprofessionelle Zusammenarbeit zwischen Medizin und Sozialer Arbeit an. Die weitere Entwicklung des Ansatzes bietet damit auch die Chance, medizinische Versorgung stärker mit den sozialen Lebenswelten der Menschen zu verknüpfen.
Die 3. Deutsche Social-Prescribing-Konferenz bringt Akteurinnen und Akteure aus Wissenschaft, Praxis und Gesundheitsversorgung zusammen und widmet sich der Weiterentwicklung von Social Prescribing in Deutschland. Die Charité in Berlin ist dabei der deutsche Projektstandort.
