Wie können Unternehmen und soziale Organisationen Nachhaltigkeitsberichte aufbauen? Wie lassen sich Wärmenetze so planen, dass erneuerbarer Strom sinnvoll genutzt wird? Und wie können Beteiligungsformate Menschen für Fragen der Daseinsvorsorge sensibilisieren? Mit solchen Themen haben sich die ersten Absolventinnen und Absolventen des Masters Nachhaltigkeit und Transformation an der Hochschule Landshut beschäftigt. In den ersten Wochen des Sommersemesters 2026 schlossen die ersten sieben Studierenden ihr Studium ab.
Der Studiengang ist an der Fakultät Elektrotechnik und Wirtschaftsingenieurwesen angesiedelt. Inhaltlich ist er bewusst breit angelegt: Nachhaltigkeit wird nicht nur als technische, wirtschaftliche oder gesellschaftliche Frage verstanden, sondern als Aufgabe, bei der verschiedene Perspektiven zusammengeführt werden müssen. Der Abschluss als Master of Science ist dabei ein besonderes Profilmerkmal des Studiengangs.
Große Resonanz zum Start
Bereits im ersten Semester starteten mehr als 40 Studierende. Für einen neuen Masterstudiengang war das ein deutliches Signal. Aus Sicht von Studiengangsleiter Prof. Dr. Markus Schmitt hat sich der Ansatz auch in der Zusammensetzung der Gruppe bestätigt. Die Studierenden kamen aus unterschiedlichen akademischen Disziplinen der Natur-, Gesellschafts-, Technik- und Geisteswissenschaften.
„Der erste Abschlussjahrgang bestätigt den Ansatz des Studiengangs“, sagt Schmitt. „Die Studierenden bringen sehr unterschiedliche fachliche Perspektiven mit. Gerade daraus entsteht die Dynamik, die für Transformationsprozesse notwendig ist: ein Lernen voneinander und miteinander.“
Der Studiengang wurde nicht nur im Rahmen der Akkreditierung als stimmig bewertet. Auch die Erfahrungen des ersten Jahrgangs bestätigen das Konzept. Studierende arbeiten über Fachgrenzen hinweg, verbinden wissenschaftliche Grundlagen mit praktischen Fragestellungen und setzen sich damit auseinander, wie Veränderung in Unternehmen, Kommunen und Organisationen gestaltet werden kann.
Unterschiedliche Wege in den Master
Wie verschieden die Wege in den Studiengang sein können, zeigen die Beispiele von Laura Schauf, Thomas Bauer und Felix Linner. Bauer wollte nach seinem Bachelor den Blick über technische und wirtschaftliche Fragestellungen hinaus erweitern. Auf den Master wurde er unter anderem durch das Studium Generale und den Kontakt zu Prof. Schmitt aufmerksam. Dass sich das Studium gut mit der Arbeit verbinden ließ und er in Landshut bleiben konnte, waren für ihn weitere Gründe.
Eine zentrale Erfahrung aus dem Studium war für Bauer der fachübergreifende Austausch. „Wenn Menschen aus Ingenieurwesen, Wirtschaft, Wissenschaft und sozialen Studiengängen zusammenarbeiten, ist das nicht immer einfach“, sagt er. „Aber man lernt, auf andere Perspektiven einzugehen und ein Thema ganzheitlich zu betrachten.“
Schauf kam über ihre Erfahrungen in einer Unternehmensberatung zum Thema Nachhaltigkeit. Während eines Praxissemesters kam sie intensiv mit Nachhaltigkeitsthemen in Berührung. Als das Unternehmen seine Strategie stärker auf Nachhaltigkeit ausrichtete, wuchs ihr Interesse an dem Thema. Daraus entstand der Wunsch, sich im Master vertieft mit nachhaltiger Entwicklung auseinanderzusetzen.
Besonders wichtig war für Schauf die inhaltliche Breite des Studiums. Dazu zählten für sie ökonomische Modelle, soziale Gerechtigkeit sowie Grundlagen zum Erdsystem und zu ökologischer Tragfähigkeit. „Die Module greifen soziale, ökologische und ökonomische Perspektiven auf“, sagt Schauf. „Das passt besonders gut für Studierende, die sich für Nachhaltigkeit interessieren und noch herausfinden möchten, in welche berufliche Richtung sie sich spezialisieren wollen.“
Linner hatte zuvor Soziale Arbeit an der Hochschule München studiert. Bereits während seines Bachelorstudiums beschäftigte er sich mit sozial-ökologischer Gerechtigkeit und mit der Frage, welche Rolle soziale Berufe in einer vom Klimawandel geprägten Welt übernehmen können. Für ihn war die Verbindung sozialer und ökologischer Themen ausschlaggebend für die Entscheidung, den Master in Landshut zu absolvieren.
Praxisprojekte mit externen Partnern
Ein wichtiger Bestandteil des Masters ist die Projektarbeit mit externen Partnern. Bereits im ersten Durchgang arbeiteten Studierende mit Kommunen, Unternehmen und weiteren Institutionen zusammen. Dabei ging es unter anderem um Nachhaltigkeitsstrategien, Bürgerbeteiligung, nachhaltige Stadtentwicklung, Hitzeanpassung und kommunale Klimaschutzarbeit.
Felix Linner blieb besonders ein transdisziplinäres Projekt in Kooperation mit dem Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz in Erinnerung. Gemeinsam mit Kommilitoninnen und Kommilitonen sowie Mitarbeitenden des Ministeriums führte er Interviews durch und wertete diese aus. Ziel war es, einen Bildungsprototyp für nachhaltige Entwicklung zu entwerfen.
Die Ergebnisse blieben nicht im Seminarraum. Aus den Projekten entstanden unter anderem öffentliche Veranstaltungen, Beiträge bei einer internationalen Fachtagung und eine Zusammenarbeit, die von einem Landshuter Unternehmen mit 20.000 Euro prämiert wurde. Die Praxisprojekte machen deutlich, wie der Studiengang angelegt ist: wissenschaftlich fundiert, aber auf konkrete Transformationsprozesse bezogen.
Prof. Dr. Elisabeth Berger, Lehrende im Studiengang, sieht darin einen zentralen Lerneffekt. „Transformation findet dort statt, wo unterschiedliche Interessen, Daten und Erfahrungen zusammenkommen“, sagt Berger. „Deshalb ist es wichtig, dass Studierende wissenschaftlich arbeiten und zugleich lernen, mit Praxispartnern und Beteiligten ins Gespräch zu kommen.“
Masterarbeiten mit konkretem Bezug
Auch die ersten Masterarbeiten decken ein breites Spektrum ab. Felix Linner beschäftigte sich mit Nachhaltigkeitsberichterstattung in sozialen Organisationen am Beispiel eines Wohlfahrtsverbandes. Dabei untersuchte er, vor welchen Herausforderungen diese Organisationen bei der Einführung von Nachhaltigkeitsberichten stehen, um daraus Handlungsempfehlungen abzuleiten.
Laura Schauf untersuchte Beteiligungsformate als Instrument der Wissenschaftskommunikation am Beispiel des River Recreation Thinkathons. Dabei analysierte sie Workshops mit Bürgerinnen und Bürgern in Regensburg, Halle an der Saale und Potsdam zur Wasserqualität. Ziel war es, herauszuarbeiten, wie solche Formate Menschen für nachhaltiges Verhalten im Umgang mit Gewässern sensibilisieren können.
Thomas Bauer beschäftigte sich mit der nachhaltigen Nutzung von Grundwasser angesichts sinkender Pegelstände in Deutschland. Anhand von Fallbeispielen aus Industrie, Energieversorgung, Landwirtschaft und Schifffahrt analysierte er Zielkonflikte, Schutzstrategien und Handlungsmöglichkeiten. Daraus leitete er Empfehlungen für Unternehmen und Governance ab.
Weitere Arbeiten befassten sich unter anderem mit nachhaltigen Investitionsentscheidungen, Umweltmanagement in mittelständischen Unternehmen, nachhaltigen Festivalstrukturen, Stadtentwicklung, Klimakommunikation, Quartierswärmepumpen, internen CO₂-Preisen, Nachhaltigkeitsbildung und -ratings. Die Themen machen deutlich, dass Nachhaltigkeit im Studiengang nicht auf ein einzelnes Handlungsfeld reduziert wird. Sie betrifft Energie ebenso wie Mobilität, Industrie, Städte und Land, Ressourcen und Ernährung.
Perspektiven nach dem Abschluss
Auch nach dem Abschluss zeigen sich unterschiedliche Wege. Schauf arbeitet heute in einer Akademie, die künftige Energieberaterinnen und Energieberater ausbildet. Damit knüpft sie an zentrale Themen des Studiums an: Klimaschutz, Energie, Sanierung und die Frage, wie Wissen in die Praxis übertragen werden kann.
Bauer bringt die im Master erworbenen Kompetenzen in seinen beruflichen Kontext ein. Besonders hilfreich ist für ihn die ganzheitliche Betrachtung von Problemstellungen. Linner sieht vor allem die inter- und transdisziplinäre Ausrichtung des Studiums als wichtige Grundlage für künftige Projekte und die berufliche Praxis.
Für Schmitt ist diese Breite ein wesentliches Ergebnis des ersten Abschlussjahrgangs. „Der Studiengang wurde mit dem Ziel entwickelt, nachhaltige Entwicklung nicht verengt zu betrachten, sondern mit technologischen, ökonomischen, politischen und kulturellen Interventionen“, sagt er. „Die Arbeiten und Projekte des ersten Jahrgangs bestätigen, dass dieser Ansatz tragfähig ist und von den Studierenden wirkungsvoll mit Leben gefüllt wird.“
Bildquellen: Laura Schauf (Foto 1) und Felix Linner (Foto 2), Thomas Bauer (Foto 3)
Foto 1: Laura Schauf (Mitte) mit Kommilitoninnen bei einer Präsentation zur nachhaltigen Quartiersplanung im Modul „Städte und Land“ des Masters Nachhaltigkeit und Transformation
Foto 2: Felix Linner beschäftigte sich in seiner Masterarbeit mit Nachhaltigkeitsberichterstattung in sozialen Organisationen.
Foto 3: Thomas Bauer untersuchte in seiner Masterarbeit die nachhaltige Nutzung von Grundwasser angesichts sinkender Pegelstände in Deutschland.


