Die Abschlussveranstaltung der Landshuter Energiegespräche im Sommersemester präsentierte zwei Projekte am TZE, die durch den Austausch und die Zusammenarbeit mit Unternehmen zum Gelingen der Energiewende beitragen wollen.
Der abschließende Vortrag der Landshuter Energiegespräche der Hochschule Landshut in diesem Semester (29. Juni 2026, Beginn 18.30 Uhr, TZ Energie ) stellte zwei Projekte vor, die den Transfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zum Ziel haben: Die Transfer-Projekte EnergieKreis und NAVI-BAT sollen zeigen, wie aus technischer Innovation in den Bereichen Speichertechnologie und Kreislaufwirtschaft Geschäftsmodelle entstehen können und so die Resilienz des Energiesystems gestärkt werden kann.
Das Thema der Veranstaltung lautete „Resilienz durch Innovation: Speichertechnologien und Kreislaufsysteme gemeinsam gestalten“. Gerade Speichertechnologien seien ein immens wichtiges Thema, wie Hochschul-Vizepräsident Prof. Dr. Marcus Jautze in seiner Begrüßung der über 60 online oder in Präsenz am TZ Energie in Ruhstorf a.d. Rott anwesenden Teilnehmerinnen und Teilnehmern erklärte. Bei der aktuellen Wetterlage sei viel Energie aus PV-Anlagen vorhanden, die man in kälteren Zeiten gut gebrauchen könnte. Langfristige Speichertechnologien und Kreislaufsysteme seien Themen, die hier einen Brückenschlag bringen können und müssen, wie er betonte.
Die beiden vorgestellten Projekte gehen über die bisher verfolgten Forschungserkenntnisse am TZE hinaus, wie dessen wissenschaftliche Leiterin, Prof. Dr. Christiane Toigo, erklärte. Bei den Projekten NAVI-BAT (Navigationshilfe durch die Batterie-Wertschöpfung – Wissenstransfer für KMU und Endanwender) und EnergieKreis gehe es um Austausch und Transfer, um aktives Übertragen von Forschungsergebnissen an KMUs und in die Entwicklung von Geschäftsmodellen.
Wissenschaftliche Erkenntnisse in die Anwendung überführen
Die Frage laute, wie bringt man Forschungserkenntnisse in die Praxis und in Unternehmen? Darauf wollen die beiden Projekte Antworten geben. NAVI-BAT sei ein Projekt der Hochschule Landshut, Energiekreis der Technische Hochschule Deggendorf, beide werden am TZE durchgeführt, gefördert werden sie durch die Europäische Union (Europäischen Sozialfonds Plus ESF+), bewilligt durch das Bayerische Wissenschaftsministerium, wie Dr. Maria Bieringer (Projektmitarbeiterin EnergieKreis) erklärte. Beim Wissens- und Technologietransfer zwischen Hochschule und Unternehmen sei es wichtig, nicht nur Insellösungen zu schaffen, sondern industrielle Anforderungen zu berücksichtigen, um gemeinsam Lösungen umsetzbar zu machen und so den Mehrwert von Transfer und Kooperation zu zeigen.
EnergieKreis und NAVI-BAT sind Transferplattformen, mit denen Forschung systematisch an die Praxis angebunden und Wissen in Nutzung überführt werden soll. Dies durch handlungsfähiges Know-how und durch die Unterstützung von Partnern, wo es Bedarf gebe, um gemeinsam Produkte, Prozesse und Arbeitsplätze zu generieren sowie die Energiewende zu unterstützen. Die gemeinsame Vision laute, Klimaschutz und Emissionsminderung, Energie- und Ressourcensouveränität, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit sowie die Resilienz durch regionale Wertschöpfung zu stärken. Dies u.a. durch die Einbindung lokaler Werkstoffe, die Nutzung von Rest- und Abfallstoffen, den Einsatz von Wasserstoff, Biomethan und moderner Speichertechnologie. Auch Synergien zwischen Unternehmen sollen genutzt werden, um zukunftsfähige Geschäftsmodelle entwickeln zu können.
Positive Ausgangslage nutzen
Im zweiten Teil der Veranstaltung stellte Robert Hahn (Projektmitarbeiter NAVI-BAT am TZE) die Frage, was Resilienz im Energiesystem bedeute. Grundsätzlich soll man Krisen widerstehen und sich schnell wieder erholen können. Dies sei mit Vorbereitung verbunden. Mit den erneuerbaren Energien sei man schon ein Stück auf den Weg zur Energiewende gegangen, doch müssten Energiespeicher und Energiesysteme diversifiziert, neben PV auch Windräder an guten Standorten gebaut sowie Biomasse und Wasserkraft im System gehalten werden. Es bedeute auch Szenarien durchzuspielen und in regionale Handlungsweisen umzusetzen. Wie verhält sich beispielsweise ein System bei Lieferengpass oder Stromausfall. Dazu müsse man natürlich auch wissen, wie der aktuelle Netzzustand sei, um reagieren zu können. Das Energiesystem könne nur resilienter und krisenfester gestaltet werden, wenn man vorbereitet sei, und Systeme automatisch reagieren, dies im Verbundnetz im europäischen System.
Aktuell befinde man sich im Bereich der Energiewende eigentlich in einer guten Situation: Die Preise für PV-Module seien enorm gesunken und hätten den Weg in jeden Baumarkt gefunden. Schade sei, dass die deutsche Heimatwirtschaft dabei vergessen worden sei, obwohl Deutschland in der PV-Entwicklung immer noch mit führend sei. Ein Ziel des Transferprojektes NAVI-BAT laute, zusammen mit Unternehmen Lösungen und Geschäftsmodelle zu entwickeln, um die Wertschöpfung in der Region und auch in Bayern halten zu können. Hierzu sieht er vielfältiges Potenzial.
Die Stromgestehungskosten für EE-Stromerzeugung seien im Vergleich zu fossilen Brennstoffen oder Kernkraft oft besonders günstig und auch Batteriespeicher seien unter 100 Dollar pro kWh gefallen. Kosten von 12 Cent für Produktion von 1 kWh Strom inkl. Speicherung für 24 Stunden seien machbar. Dies mache sich auch im Ausbau bemerkbar, teilweise werde gerade in Niederbayern tagsüber in der Mittagsspitze zehnmal so viel Strom erzeugt wie benötigt, vornehmlich aus Solarenergie. Übers Jahr gesehen, sei es allerdings notwendig, Lücken z.B. in den Monaten November bis Januar oder März zu schließen. Für diese Winterlücke wäre z.B. Windkraft günstig oder man müsse auf die Wasserstoff-Wirtschaft setzen, um Strom-Überschüsse des Sommers in Wasserstoff oder Methan zu speichern um sie in sonnenarmen Zeiten Rückverstromen zu können.
Nicht nur Stromerzeugungskosten betrachten
Die in Peakzeiten zu viel vorhandene erneuerbare Energie habe zu einer steigenden Anzahl an Stunden mit negativen Strompreisen geführt. 2025 habe es um die Mittagszeit 100 Stunden negative Preise gegeben. Dabei sei zu bedenken, dass nur der Preis der eigentlichen Stromerzeugung negativ wird. Netzentgelte, Steuern, und Abgaben bleiben in der gewohnten Höhe bestehen. Dies müsse man z. B. von den Preisen und Kapazitäten des Strom-Transports unterscheiden. Der Arbeitspreis sei in ganz Deutschland gleich, auch Netzentgelt-Bestandteile liefern kein regionales dynamisches Preissignal. Dies führe beispielsweise dazu, dass man bei einem günstigen Strompreis in Niederbayern auf Energie zugreifen kann, egal, ob er übers Netz geliefert werden könne oder nicht. Die Folge könne sein, dass für Windkraft, welche im Norden abgeregelt wird, im Süden Anlagen zur Stromproduktion anlaufen müssen.
Eine Chance würden hier variable Netzentgelte bieten, in denen man Strom bei freien Kapazitäten zu geringeren Preisen transportieren kann. Bisher sei das nur nachts möglich, dies korreliere allerdings schlecht mit PV-erzeugtem Strom, biete aber für die Windkraft Chancen, dessen Nutzung auch für das gesamte Energiesystem Nutzen bringen würde. Weiterhin wäre es beispielsweise im Bayernwerk-Netzgebiet im Jahr 2026 in den Quartalen 2 und 3 sinnvoll gewesen, Energie zwischen 10 und 15 Uhr zu entnehmen. Wegen eines hohen Angebots seien die Preise günstig gewesen, wenn man hier auch freie und günstige Transportkapazitäten nutzen und abrechnen könnte, wäre es möglich, wirklich zu profitieren und günstig Energie zu beziehen.
Die dezentrale Energieversorgung biete ebenfalls großes Potenzial für eine digitalisierte und nachhaltige Energieversorgung und neue Geschäftsmodelle. In der Energiewende werde man viele dezentrale Entwicklungen sehen, ist Hahn überzeugt. Wichtig sei dabei aber die Digitalisierung. Denn nur wenn Daten erfasst werden, zur Verfügung stehen und für das Netzmanagement etc. genutzt werden können, wäre eine Monetarisierung möglich. Notwendig wäre hier, dass Netzwerkbetreiber trotz Bedenken wegen der kritischen Infrastruktur Daten erheben und teilen. Dies natürlich unter Berücksichtigung des Datenschutzes und insbesondere auch der Cybersicherheit. Es sollten deshalb nur notwendige Daten erhoben werden, die in Prozesse und Systemsteuerung einfließen können und so intelligente und dezentrale Systeme entstehen lassen.
Digitalisierung schafft Potenzial
Eine Grundvoraussetzung für diese Systemsteuerung liegt in der Digitalisierung des Stromnetzes und dem in geeigneter Form zur Verfügung stellen der erhobenen Daten für einzelne Nutzergruppen. Systemvoraussetzungen sei hier der Einsatz von Smart-Metern, die Werte und Daten im Viertelstunden-Takt liefern. Für Smart Meter gäbe es in Deutschland gesetzliche Anbieter, doch sei auch bereits die Gesetzesgrundlage für private Anbieter geschaffen. Um Handlungsstränge in die Hand zu bekommen, brauche man adaptierbare Systeme, da sich auch die Regulatorik ändere, Intelligenz müsse aus Prognosen und Berechnungen kommen, um gewinnbringend zu sein, aber auch die Sicherheit des Netzes beachten.
Wenn ein möglichst intelligentes Energiemanagement-System vorhanden sei, bieten sich viele Optionen. Beispielsweise könnten Überschüssen aus PV-Energie flexibel gespeichert werden, bisher seien die Heim-Speicher oft bereits um 11 Uhr voll. Im Sinne eines netzdienlichen Systems sollten gerade im Sommer mittags Netzspitzen weggeschnitten und durch Sektorenkopplung Lasten zugeschaltet werden, ein Beispiel sei bidirektionales Laden von E-Autos. Prognosetools könnten eine wichtige Rolle spielen, um die Speicherung und Nutzung von Energie zu optimieren. Durch einen Wintermodus für Heimspeicher könnte man günstige Preise und Transportgebühren flexibel nutzen, um auch im Winter kostengünstig laden zu können. Dies sei aktuell bei Bestandsspeichern nicht möglich.
Möglichkeiten nutzen, um die Energiewende voranzubringen
Auch wenn man nicht über eine eigene PV-Anlage und Speicher verfüge, böten sich Möglichkeiten, zur Energiewende beizutragen und Geschäftsmodelle zu entwickeln. Dies z.B. durch das gemeinsame Betreiben und Nutzen von erneuerbaren Energieanlagen (Energy Sharing), ohne selbst eine Anlage vor Ort zu haben. Es sei jetzt auch möglich, aus zwei verschiedenen Quellen Strom zu beziehen, ein Stromvertrag nutzt den gemeinschaftlich erzeugten Strom, notwendiger Reststrom kann über einen grundständigen Lieferanten bezogen werden. Weiterhin bieten Energiegemeinschaften ein erfolgversprechendes Modell, z.B. die Regionalwerke Passauer Land (ein gemeinsames Kommunalunternehmen), um erneuerbare Energieanlagen zu finanzieren und zu betreiben. Dies auch, indem PV-Strom von Dächern in Unternehmen oder Kommunen genutzt werden, die von diesen nicht selbst betrieben werden.
Weiterhin seien gemeinschaftliche Gebäudeversorgung und Mieterstrom, Quartierspeicher, Bürgerenergieanlagen oder sog. PPAs (Power Purchase Agreements) möglich. Dabei werden langfristige Stromkaufvereinbarung zwischen einem lokalen Stromerzeuger (z.B. Betreiber eines Windparks) und einem Abnehmer wie z.B. Unternehmen getroffen, um Strom direkt und zu einem festen Preis zu beziehen.
Die Energiewende brauche mehr als Technologie, es gehe auch um ein Systemverständnis, wie Dinge auf mehreren Ebenen ineinandergreifen. Nicht einzelne Produkte seien entscheidend, sondern das Zusammenspiel vieler Systemkomponenten, um gemeinsam erfolgreich sein zu können. Hierzu wolle das TZE und die beiden Transferforschungsprojekte in Zusammenarbeit mit Partnern aus der Wirtschaft beitragen. Dabei sei Transfer keine Einbahnstraße, man lerne viel von Unternehmen und wolle diese Erkenntnisse weitergeben, dies z.B. in Transfer- und Weiterbildungsveranstaltungen. Er ruft die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dazu auf, sich bei Fragen, Ideen oder Anregungen gerne an das TZE zu wenden.
Weitere Informationen unter: www.tz-energie.de /





