Verbesserung der Bildungschancen junger benachteiligter Menschen

Hintergrund

Aus vielen Untersuchungen ist bekannt, dass in Deutschland das Herkunftsmilieu des Elternhauses eine große Rolle dabei spielt, welche Bildungschancen und -wege Kindern offen stehen. Die Anteile Studierender sinken drastisch, wenn deren Eltern selbst keinen akademischen Abschluss besitzen (vgl. Publikationsreihe der „Sozialerhebungen“ des Deutschen Studentenwerks[1] oder die Studie „Große Vielfalt, weniger Chancen“ der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf in Zusammenarbeit mit der Mercator- und der Vodafone-Stiftung[2]). Die Statistiken zeigen auch, dass Migrationserfahrungen, soziale Benachteiligungen oder körperliche Beeinträchtigungen die Hürde, ein Studium zu beginnen, hoch erscheinen lassen.

Ziel

Ziel dieses Teilprojektes ist es, bestehende Barrieren und Hemmnisse abzubauen, die Menschen oft daran hindern, sich für ein Studium zu entscheiden, indem Angebote und Strukturen geschaffen und bekannt gemacht werden, die ein (berufsbegleitendes) Studium entsprechend erleichtern.

Umsetzung

Dafür wurde zunächst eine wissenschaftliche Studie darüber erstellt,

  • wo Bedarfe und Nachfrage bei den entsprechenden Zielgruppen an der Hochschule Landshut und im Einzugsgebiet selbiger liegen,
  • welche Informations- und Beratungsangebote vor und während des Studiums benötigt werden,
  • welche ergänzenden Angebote zur Vorbereitung, im Übergang und während des Studiums auf Interesse stoßen bzw. sinnvoll und empfehlenswert sind,
  • welche Möglichkeiten einer frühzeitigen Ansprache der Zielgruppe bereits während der Schulzeit, im Betrieb oder über private Vereine bestehen.

Dazu wurden zum einen im Einzugsgebiet der Hochschule Landshut 2.850 Schüler*innen an 38 Schulen mit (alternativen) Erwerbsmöglichkeiten einer Hochschulzugangsberechtigung zu Informationslage, Kompetenzen und Wünschen mit Blick auf den Hochschulzugang befragt.

Außerdem wurden im Zuge einer qualitativen Erhebung Interviews mit bereits Studierenden der Zielgruppe sowie Bildungsexpert*innen im Hochschulkontext geführt.

Auf Basis der Studienergebnisse und im Abgleich mit den bereits vorhandenen Angeboten wurden dann zur Ansprache der Zielgruppe zukünftiger Studierender entsprechende Informations- und Beratungsangebote konzipiert sowie Verbesserungsmaßnahmen erarbeitet.

Aktuell werden diese Angebote und Maßnahmen bereits probeweise umgesetzt:

So werden z. B. bereits Studierende der Zielgruppe zu sog. „Studienbotschafter*innen“ ausgebildet und für die niedrigschwellige informierende Beratung an Schulen, in Einrichtungen und Vereine gesandt.

Auf ähnliche Weise stehen „Studienmentor*innen“ als niedrigschwellige, hochschulinterne Informationsvermittler*innen und Berater*innen zur Verfügung (vgl. auch „Konzept BotschafterInnenMentorInnen“ unter „Projektergebnisse der 1. Phase“).

Vor diesen Einsätzen werden die Studienbotschafter*innen und -mentor*innen eingehend geschult und auf Fragen, Anliegen und Wünsche der Studieninteressierten und Studierenden vorbereitet. Auch das Einfließen der eigenen bildungs- und studienbezogenen Erfahrungen ist dabei erwünscht.

Des Weiteren wurde zur Verbesserung der Kommunikation unterstützender (Begleit-) Angebote eine entsprechende Übersicht erstellt und semesterweise aktualisiert. Diese Zusammenstellung soll für (Weiterbildungs-) Studieninteressierte und Studierende mit diversen soziodemographischen Hintergründen eine Unterstützung dabei sein, die passende Beratung oder auch Veranstaltung zu den vorhandenen Wünschen und Bedarfen zu finden. Sie ist gegliedert nach den unterschiedlichen Phasen eines Studienverlaufs: Interessensfindung, Vorbereitung, Begleitung und Unterstützung während des Studiums in den Bereichen Organisation, Softskills, Finanzielles, Internationales und Sprachprogramme sowie dem Übergang in das Berufsleben und Freizeitangebote (vgl. Datei „Begleitangebote“ unter „Projektergebnisse der 1. Phase“).

Außerdem werden die im Rahmen der Studie ermittelten Wünsche in die bereits zahlreich bestehenden Angebote der Hochschule integriert.

Neben den beschriebenen Projektbausteinen zur Information, Ansprache und Beratung von (Weiterbildungs-) Studieninteressierten und Studierenden wird auch an der Konzipierung und probeweisen Umsetzung von Vorbereitungs- und Begleitangeboten gearbeitet. Projektbestandteile sind u. a. Planspielangebote und ein Modulstudium (projektinterne Kooperationen) sowie ein Kompetenzcoaching „Deutsch als Wissenschaftssprache“.

Kooperation

Zur externen Zielgruppenansprache potenzieller (Weiterbildungs-) Studierender stehen wir in engem Kontakt mit zahlreichen Schulen, Vereinen und Servicestellen von Stadt und Landkreis Landshut sowie darüber hinaus. Feste Kooperationspartner*innen sind das deutsch-russische Begegnungszentrum Nachbarschaftstreff DOM e.V., das Bildungsnetzwerk zur Unterstützung von Menschen mit Migrationshintergrund TatBayern e.V., der Migrationsbeirat der Stadt Landshut und die Stadtteilarbeit Porschestraße. Außerdem gibt es viele Kontakte zu den unterschiedlichsten Einrichtungen, Verbänden und Stellen, wie z.B. der Initiative ArbeiterKind.de und dem Jugendmigrationsdienst Landshut.

Auch die Vernetzung mit relevanten Stellen innerhalb der Hochschule Landshut wie dem Institut für Weiterbildung, der Zentralen Studienberatung, der Studierendenvertretung oder den einzelnen Fakultäten ist ein wichtiger Bestandteil des Teilprojekts.

[1] Vgl. z.B.: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) (Hrsg.) (2012): Die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden in Deutschland 2012. 20. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks durchgeführt durch das HIS-Institut für Hochschulforschung. Druck: BWH GmbH Hannover.

[2] Vodafone Stiftung Deutschland (Hrsg.) (2012): Aufstiegsangst? Eine Studie zur sozialen Ungleichheit beim Hochschulzugang im historischen Zeitverlauf. Druck: Druckstudio GmbH Düsseldorf.