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02. Mai 2012

Leichtbau Cluster: innovative Lösungen auf HANNOVER MESSE

Der Leichtbau-Cluster der Hochschule Landshut und die Deutsche Messe AG bildeten auch in diesem Jahr auf der HANNOVER MESSE (23. – 27. April 2012) eine starke Partnerschaft. Zum einen präsentierte sich das Netzwerk für Leichtbautechnologien mit Partnerunternehmen und -Institutionen innerhalb eines Gemeinschaftsstandes, zum anderen war der Leichtbau-Cluster Impuls- und Ideengeber für die Solutions Area der Industrial Supply. Ergänzt wurde das Ganze durch das Werkstoff-Forum "Intelligenter Leichtbau meets Materials Café".

Zukunftsorientierte Zulieferlösungen in den Technologiebereichen des Leichtbaus und in der Materialeffizienz bilden die Grundlage für eine erfolgreiche Industrie. Die „Industrial Supply“, internationale Leitmesse für industrielle Zulieferlösungen und Leichtbau im Rahmen der HANNOVER MESSE bot in diesem Jahr einen weiter gewachsenen Marktplatz für nationale und internationale Kontakte: Vom Werkstoffleichtbau und dem konstruktiven Leichtbau bis hin zum Fertigungsleichtbau und den dazugehörigen Dienstleistungen. Alles im Umfeld angewandter und branchenübergreifender Leichtbauanwendungen.

Leichtbaulösungen haben den Vorteil, dass sie durch Gewichtsreduktion und Optimierung von Konstruktion Rohstoffe und Energie einsparen und in positiver Konsequenz die Gesamtkosten senken können. Eine aktuelle McKinsey-Studie prognostiziert, dass der Anteil von Leichtbaumaterialien im Automobilbau von heute 29 % bis zum Jahr 2030 auf gut zwei Drittel steigen wird.

"Auf der Solutions Area zum Thema Leichtbau" wurden auf der HANNOVER MESSE aktuelle und greifbare Leichtbau-Exponate und Anwendungen für unterschiedliche Zielmärkte in Form von Entwicklungen, Systemen und Produktlösungen vorgestellt", so Leichtbau-Cluster-Manager Marc Bicker. In diesem Jahr waren es rund 50 Aussteller auf einer Fläche von über 1.200m², die technische Lösungen aus den Kerndisziplinen des Leichtbaus anschaulich präsentierten. Den Fachbesuchern wurde damit die Möglichkeit gegeben, über ihren eigenen fachlichen Tellerrand hinaus zu blicken und sich von technischen Entwicklungen und Trends anderer Branchen inspirieren zu lassen. Publikumsnah verstärkten Live-Demonstrationen und Vorführungen den praxis- und anwendungsorientierten Bezug in der Umsetzung der Innovationen im Leichtbau.

Insbesondere in dynamisch belasteten Bauteilen aus Verbundwerkstoffen ist die Qualitätssicherung ein bedeutendes Thema. So wurden auf der Solutions Area auch Testverfahren zur Prüfung und Qualitätssicherung von Bauteilen aus Verbundwerkstoffen gezeigt: Die Fa. GMA Werkstofftechnik GmbH zeigte in Demonstrationen die Prüfung CFK-Strukturen mit der Phased Array Technologie, die Technische Universität Chemnitz die Strukturprüfung durch Sensoren innerhalb eines GFK-Bauteil im Betrieb.

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) präsentierte auf der Solutions Area eine Felge aus CFK mit einem Eigengewicht von nur 1,5 Kilogramm. Die Felge ist Grundlage einer Diplomarbeit. Gegenüber einer vergleichbaren Felge aus Aluminium bedeutet das eine Gewichtsersparnis von 2,5 Kilogramm. Auch der Fertigungsprozess der CFK-Felge wurde am KIT analysiert und optimiert. Durch Einsatz des Vacuum-Assisted-Resin-Transfer-Moulding-Prozesses (VARTM-Prozess) könne man gegenüber einem Pregpreg-/Autoklav-Verfahren die Materialkosten und die Fertigungszeit senken.

Wabenstrukturen aus CFK für Satellitenantennen, CCORE zeigt die Firma INVENT GmbH. Die Waben aus dem Kohlefaserverbundwerkstoff weisen ein geringes Raumgewicht, hohe Steifigkeit sowie Temperaturstabilität auf. Für die Fertigung dieser Waben wurde eine spezielle Fertigungstechnologie entwickelt, die es ermöglicht, die Wabenstruktur auf die erforderlichen Eigenschaften im Einsatz - hier zumeist in optischen Strukturen oder Reflektorantennen in der Raumfahrtindustrie - auszurichten.

Über einen Besuch der Solutions Area hinaus bot das "Werkstoff-Forum Intelligenter Leichtbau" eine ideale Ergänzung zum Austausch und bildete mit dem "Materials Café" eine Einheit. In hochkarätigen Fachvorträgen stellten Experten aus Wissenschaft und Unternehmen zukunftsweisende Werkstoffneuentwicklungen vor. Im "Materials Café" trafen Designer und Forschungsinitivativen auf Materialhersteller und -anwender. In einer Lounge-Atmosphäre erfolgte der kreative Austausch für neue Anwendungen. Die Themen reichten von intelligenten Oberflächen über Nanotechnologien bis hin zu Smart Materials sowie den Leichtbau- und Verbundwerkstoffen.

Weitere Informationen beim Leichtbau-Cluster.


30. April 2012

Verstärkte Zusammenarbeit mit BMW Werk Landshut

Gemeinsam mit seinem Leitungskreis und Vertretern der Fakultät Maschinenbau war der Präsident der Hochschule Landshut, Professor Dr. Karl Stoffel, am vergangenen Freitag zu Gast im BMW Werk Landshut. Im Fokus des Informationsbesuchs stand die Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen der Hochschule und dem BMW Werk.

Zwischen dem BMW Standortleiter Murat Aksel, der BMW Group Vertreterin im Hochschulrat, Barbara Bergmeier, dem Betriebsratsvorsitzenden Willibald Löw, dem gesamten Leitungskreis des BMW Werkes und den Vertretern der Hochschule Landshut fand ein reger Gedankenaustausch statt. Gemeinsame Forschungsaktivitäten sowie mögliche Kooperationsfelder, unter anderem im Bereich von Leichtbau-Technologien, standen im Mittelpunkt des Informationsbesuchs.

Verstärkte Zusammenarbeit im Leichtbau und weiteren Kompetenzfeldern 

Hochschulpräsident Professor Dr. Karl Stoffel betonte: „Basis für den Aufbau des Forschungsschwerpunktes Leichtbau an der Hochschule Landshut bildete eine Stiftungsprofessur für Leichtbau durch die BMW AG.“ Leichtbau-Kompetenzen von Verbundwerkstoffen, Leichtbaumechanik und -konstruktion sowie Klebtechnik bis zum Systemleichtbau und der Simulation könnten in einer Kooperation mit der BMW Group für beide Seiten deutliche Vorteile bringen. Weitere Anknüpfungspunkte sieht Stoffel beispielsweise in (Elektro-)Antriebs-, Fahrwerkskonzepten und -regelsystemen, aber auch im Bereich der Logistik und der Produktionssysteme. Für ausgewählte Mitarbeiter der BMW Group bietet die Hochschule bereits eine Logistik-Weiterbildung an.

„Die BMW Group zog aus dem Schwerpunkt Leichtbau der Hochschule Landshut bereits in der Vergangenheit einen deutlichen Nutzen“, so Murat Aksel, der Leiter des BMW Standorts Landshut. „Der gesamte Leitungskreis des BMW Werks ist sich deshalb darin einig, dass es Sinn macht, die zukünftige Zusammenarbeit noch deutlich zu intensivieren.“ So seien ehemalige Absolventen der Hochschule Landshut, die mittlerweile bei der BMW Group arbeiten, optimal auf das spätere Berufsleben in der Automobilindustrie vorbereitet.

Beispielhaft führte der Standortleiter die Zukunftstechnologie Carbon an. Konkret vereinbarten die Vertreter des BMW Werks und der Hochschule einen gemeinsamen Workshop auf Fachexpertenebene, in dem potenzielle neue Kooperationsfelder definiert werden sollen. Dabei gab es bereits erste konkrete Ideen wie etwa eine Zusammenarbeit im Bereich der Werkstoff- und Prozesstechnik, der Fügetechnik oder bei der Simulation und Prüftechnik.

Kooperation zum Nutzen der gesamten Region.
Gerade in den Regionen wie Niederbayern habe sich die enge Verzahnung von Wirtschaft und Wissenschaft in den letzten Jahren zu einem echten Standortvorteil entwickelt, darin waren sich die Vertreter beider Seiten absolut einig. „Eine Hochschule kann sich in der Kooperation mit den Unternehmen vor Ort zu einem zugkräftigen Innovationsmotor entwickeln“, sagte Aksel. Basis dafür sei ein schneller Wissenstransfer von der Hochschule in die Praxis – und umgekehrt.

Ferner stellte der BMW Standortleiter die Rolle des BMW Werks Landshut als wichtiger Wirtschaftsfaktor in der Region heraus. So profitierten auch Unternehmen und andere Institutionen aus der Region von der seit mehr als zehn Jahren bestehenden Leichtbaukompetenz des Werkes. Aksel betonte die seit vielen Jahren bestehende, sehr gute Zusammenarbeit mit der Hochschule Landshut, mit der Industrie- und Handelskammer für Niederbayern, der Agentur für Arbeit sowie der örtlichen Berufsschule. "Unser gemeinsames Ziel ist es, die Region Landshut als Kompetenzzentrum für die Faserverbundtechnologie zu etablieren", so Aksel. "Denn die Verarbeitung von innovativen Leichtbau-Werkstoffen wie Carbon verlangt ein hohes technisches Know-how sowie spezielle berufliche Kenntnisse."

Praxiseinblicke in modernste Produktionsprozesse

In einer anschließenden Besichtigung erhielten die Gäste der Hochschule Einblicke in die CFK (kohlenstofffaserverstärkte Kunststoffe)-Fertigung, und damit in die künftige Produktion von ultraleichten Carbon-Komponenten für die BMW i Modelle, die ab 2013 auf den Markt kommen werden. Ferner standen ein Besuch der Produktionsbereiche Cockpit und Ausstattung sowie Leichtmetallgießerei des BMW Werkes auf dem Besichtigungsprogramm. Die beiden Fertigungseinheiten waren im letzten bzw. vorletzten Jahr für ihr effizientes und schlankes Produktionssystem mit dem „Automotive Lean Production Award“ ausgezeichnet worden.

Des Weiteren besichtigten die Gäste die Austauschmotorenfertigung des BMW Werks, die aktuell vor einem Technologiewandel steht und sich auf die Produktion von Elektrifizierungskomponenten für die BMW i Modelle vorbereitet. Im Herbst dieses Jahres wird aufgrund des einzigartigen Motoren-Know-hows am BMW Standort Landshut ein neues Technologiezentrum für Elektroantriebe eröffnet, wie die Vertreter der Hochschule Landshut im Rahmen des Informationsbesuchs erfuhren.


10. April 2012

Der Leichtbau-Cluster auf der Hannover Messe 2012

Der Leichtbau-Cluster und die Deutsche Messe AG bilden auch in diesem Jahr auf der HANNOVER MESSE (23. – 27. April 2012) eine starke Partnerschaft.... Beitrag lesen


29. November 2011

Leichtbauprojekt - Reisemobile vom "Nutzfahrzeug" zum PKW

Das neue Verbund-Forschungsprojekt "LeitHyb" an der Hochschule Landshut hat sich zum Ziel gesetzt, das Gewicht von Reisemobilen des Herstellers Knaus-Tabbert GmbH (Jandelsbrunn) zu reduzieren und gleichzeitig die Sicherheit zu erhöhen. Das Gewicht der Nutzfahrzeuge soll so weit sinken, dass sie als PKW eingestuft werden können. Das Projektvolumen beträgt 286.000 Euro, gefördert wird das Vorhaben durch das Bundesforschungsministerium.

Vertreter der beteiligten vier Unternehmen und zwei wissenschaftliche Einrichtungen trafen sich zum Start des Forschungsprojektes zur Entwicklung einer „Leichtbau-Hybridstruktur für das Chassis von Reisemobilen LeitHyb“ an der Hochschule Landshut.  Gefördert wird das Projekt für drei Jahre vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) durch das Forschungsprogramm „FHprofUnt“, das anwendungsorientierte Forschung an Fachhochschulen mit Unternehmen unterstützt. Technischer Projektleiter ist Herr Dipl.-Ing. (FH) Sergej Diel, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Hochschule Landshut. Neben Knaus Tabbert sind weiterhin beteiligt: ALOIS KOBER GmbH (Kötz), Altendorfer Kunststofftechnik (KMU, Gsenget/Neureichenau), CADFEM GmbH (Grafing) sowie die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Die wissenschatliche Projektleitung übernimmt Herr Prof. Dr.-Ing. Otto Huber, Leiter des Kompetenzzentrums Leichtbau der Hochschule Landshut (LLK).

Gewicht unter 3,5 Tonnen - Fahrerlaubnis mit Klasse B

Ein familientaugliches Reisemobil besitzt 4 bis 6 Sitzplätze. Ein Fahrzeug dieser Kategorie weist bei einer Länge von etwa 7 m unter Berücksichtigung einer angemessenen Zuladungskapazität aktuell eine zulässige Gesamtmasse von mehr als 3,5 t aus. Die ersten Besitzer des EU-Führerscheines der Klasse B sind bereits in einem Alter von Ende 20 bis Anfang 30 und stellen einen wichtigen Kundenkreis dar. Wer aber diese Fahrerlaubnis besitzt, darf nur Fahrzeuge bis maximal 3,5 Tonnen führen, was  den Kundenkreis stark einschränkt. Darüber hinaus werden Fahrzeuge dieser Gewichtsklasse vom Gesetzgeber als LKW eingestuft und unterliegen dadurch einer deutlich höheren Betriebskostenstruktur.

Das Ziel des Verbundvorhabens ist deshalb die Entwicklung und Auslegung einer hybriden Leichtbaustruktur als Chassis für Reisemobile mit deutlich verbessertem Insassenschutz im Fondbereich. Eine signifikante Erhöhung des Leichtbaugrades soll durch den Einsatz von dünnwandigen geschlossenen höherfesten Stahlprofilen (z.B. Hut-Profile) erreicht werden, welche in den steifigkeitsbestimmenden und beulgefährdeten Bereichen (u.a. Knotenbereiche) durch hohle Stützkerne aus zellularem Verbundwerkstoff (syntaktischer Schaum aus Glasschaumgranulaten in Polymermatrix) lokal ausgesteift werden.

Bei der Verwendung von hochfesten Stählen können die Wandstärken so weit abgesenkt werden, dass als erste auftretende Versagensart Beulen auftritt, was durch die lokale Integration von spezifisch leichten zellularen Verbundwerkstoffen unterdrückbar ist. Die dünnwandigen Profile ermöglichen in Kombination mit dem zellularen Verbundwerkstoff ein verbessertes Steifigkeitsverhalten (Erhöhung der Beullasten) und insbesondere im Bereich der Fondspassagiere auch einen verbesserten Insassenschutz bei gleichzeitig geringerem Gewicht. Um eine weitestgehende Funktionsintegration (u.a. Steifigkeit, Festigkeit, Energieabsorption, Wärmeisolation) zu erreichen, wird der Aufbauboden durch eine feste Verbindung mit den Stahlprofilen mit zur Steifigkeit und Festigkeit der Gesamtstruktur herangezogen. So soll eine deutliche Gewichtsreduktion erreicht werden.

Kostengünstige zellulare Verbundwerkstoffe aus Recycling-Glas

Aus Gründen der Wirtschaftlichkeit ist der Einsatz von zellularen Verbundwerkstoffen mit Schaumgranulaten aus Recycling-Glas (Kosten ca. 0,5€/kg, Dichte ? = 0,2-0,3kg/l) vorgesehen. Es wird ein Gleichteilekonzept angestrebt, bei dem unterschiedliche Rahmenstrukturen aus wenigen unterschiedlichen Elementen montiert werden können. Durch diese modulare Bauweise sollen die Flexibilität in der Fertigung gesteigert und die Fertigungskosten gesenkt werden. 

Die im Fahrbetrieb auftretenden zyklischen mechanischen und thermischen Beanspruchungen erfordern einen Betriebsfestigkeitsnachweis und damit die Untersuchung des Schädigungsverhaltens der zellularen Verbundwerkstoffe sowie der Hybridstrukturen. Zur Charakterisierung des zyklischen Ermüdungsverhaltens der zellularen Verbundwerkstoffe soll ein Schädigungsmodell für den High Cycle Fatigue-Bereich (HCF) entwickelt werden, das mit einem deutlich verringerten Versuchsaufwand die Erstellung von Werkstoff- und Bauteilwöhlerlinien ermöglicht. Neben einem rechnerischen Betriebsfestigkeitsnachweis werden im Kompetenzzentrum Leichtbau auch Betriebsfestigkeitsversuche mit Hilfe einer servohydraulischen Versuchseinrichtung durchgeführt.

Produktionsweise auch für andere Fahrzeugtypen vorgesehen

Am Projektende werden Werkzeuge für die Entwicklung und Herstellung von Hybridkonstruktionen mit zellularen Verbundwerkstoffen sowie ein Prototyp eines Leichtbau-Chassis-Segments bereit stehen. Die entwickelte Technologie soll auch auf andere Fahrzeugkonzepte, wie z.B. Kleintransporter und PKW, transferierbar sein. Ein weiterer mittelfristiger Aspekt für die Leichtbauziele ist die Möglichkeit, neuartige  Antriebskonzepte in einem solchen Leichtbaufahrzeug zu integrieren. Dieses können Hybridantriebe sein, die auch rein elektrisch betrieben auf Grund der Gewichtsreduzierung im Gesamtfahrzeug bei moderaten Batteriekapazitäten eine hohe Reichweite aufweisen.

Die Verbundpartner sehen ein großes Marktpotenzial für den Einsatz der zellularen Verbundwerkstoffe als Konstruktionswerkstoff in Tragstrukturen sowie crash-relevanten Strukturbauteilen im Fahrzeug- und Nutzfahrzeugbau. Die im Projekt zu erarbeitende Technologieplattform „LeitHyb“ stellt die Grundlage für die produktspezifische Entwicklungskette dar. Das Forschungsprojekt bietet darüber hinaus die Möglichkeit zur Promotion eines wissenschaftlichen Mitarbeiters in Kooperation mit der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg.


29. November 2011

Leichtbauprojekt - Reisemobile vom "Nutzfahrzeug" zum PKW

Das neue Verbund-Forschungsprojekt "LeitHyb" an der Hochschule Landshut hat sich zum Ziel gesetzt, das Gewicht von Reisemobilen des Herstellers Knaus-Tabbert GmbH (Jandelsbrunn) zu reduzieren und gleichzeitig die Sicherheit zu erhöhen. Das Gewicht der Nutzfahrzeuge soll so weit sinken, dass sie als PKW eingestuft werden können. Das Projektvolumen beträgt 286.000 Euro, gefördert wird das Vorhaben durch das Bundesforschungsministerium.

Vertreter der beteiligten vier Unternehmen und zwei wissenschaftliche Einrichtungen trafen sich zum Start des Forschungsprojektes zur Entwicklung einer „Leichtbau-Hybridstruktur für das Chassis von Reisemobilen LeitHyb“ an der Hochschule Landshut.  Gefördert wird das Projekt für drei Jahre vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) durch das Forschungsprogramm „FHprofUnt“, das anwendungsorientierte Forschung an Fachhochschulen mit Unternehmen unterstützt. Technischer Projektleiter ist Herr Dipl.-Ing. (FH) Sergej Diel, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Hochschule Landshut. Neben Knaus Tabbert sind weiterhin beteiligt: ALOIS KOBER GmbH (Kötz), Altendorfer Kunststofftechnik (KMU, Gsenget/Neureichenau), CADFEM GmbH (Grafing) sowie die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Die wissenschatliche Projektleitung übernimmt Herr Prof. Dr.-Ing. Otto Huber, Leiter des Kompetenzzentrums Leichtbau der Hochschule Landshut (LLK).

Gewicht unter 3,5 Tonnen - Fahrerlaubnis mit Klasse B

Ein familientaugliches Reisemobil besitzt 4 bis 6 Sitzplätze. Ein Fahrzeug dieser Kategorie weist bei einer Länge von etwa 7 m unter Berücksichtigung einer angemessenen Zuladungskapazität aktuell eine zulässige Gesamtmasse von mehr als 3,5 t aus. Die ersten Besitzer des EU-Führerscheines der Klasse B sind bereits in einem Alter von Ende 20 bis Anfang 30 und stellen einen wichtigen Kundenkreis dar. Wer aber diese Fahrerlaubnis besitzt, darf nur Fahrzeuge bis maximal 3,5 Tonnen führen, was  den Kundenkreis stark einschränkt. Darüber hinaus werden Fahrzeuge dieser Gewichtsklasse vom Gesetzgeber als LKW eingestuft und unterliegen dadurch einer deutlich höheren Betriebskostenstruktur.

Das Ziel des Verbundvorhabens ist deshalb die Entwicklung und Auslegung einer hybriden Leichtbaustruktur als Chassis für Reisemobile mit deutlich verbessertem Insassenschutz im Fondbereich. Eine signifikante Erhöhung des Leichtbaugrades soll durch den Einsatz von dünnwandigen geschlossenen höherfesten Stahlprofilen (z.B. Hut-Profile) erreicht werden, welche in den steifigkeitsbestimmenden und beulgefährdeten Bereichen (u.a. Knotenbereiche) durch hohle Stützkerne aus zellularem Verbundwerkstoff (syntaktischer Schaum aus Glasschaumgranulaten in Polymermatrix) lokal ausgesteift werden.

Bei der Verwendung von hochfesten Stählen können die Wandstärken so weit abgesenkt werden, dass als erste auftretende Versagensart Beulen auftritt, was durch die lokale Integration von spezifisch leichten zellularen Verbundwerkstoffen unterdrückbar ist. Die dünnwandigen Profile ermöglichen in Kombination mit dem zellularen Verbundwerkstoff ein verbessertes Steifigkeitsverhalten (Erhöhung der Beullasten) und insbesondere im Bereich der Fondspassagiere auch einen verbesserten Insassenschutz bei gleichzeitig geringerem Gewicht. Um eine weitestgehende Funktionsintegration (u.a. Steifigkeit, Festigkeit, Energieabsorption, Wärmeisolation) zu erreichen, wird der Aufbauboden durch eine feste Verbindung mit den Stahlprofilen mit zur Steifigkeit und Festigkeit der Gesamtstruktur herangezogen. So soll eine deutliche Gewichtsreduktion erreicht werden.

Kostengünstige zellulare Verbundwerkstoffe aus Recycling-Glas

Aus Gründen der Wirtschaftlichkeit ist der Einsatz von zellularen Verbundwerkstoffen mit Schaumgranulaten aus Recycling-Glas (Kosten ca. 0,5€/kg, Dichte ? = 0,2-0,3kg/l) vorgesehen. Es wird ein Gleichteilekonzept angestrebt, bei dem unterschiedliche Rahmenstrukturen aus wenigen unterschiedlichen Elementen montiert werden können. Durch diese modulare Bauweise sollen die Flexibilität in der Fertigung gesteigert und die Fertigungskosten gesenkt werden. 

Die im Fahrbetrieb auftretenden zyklischen mechanischen und thermischen Beanspruchungen erfordern einen Betriebsfestigkeitsnachweis und damit die Untersuchung des Schädigungsverhaltens der zellularen Verbundwerkstoffe sowie der Hybridstrukturen. Zur Charakterisierung des zyklischen Ermüdungsverhaltens der zellularen Verbundwerkstoffe soll ein Schädigungsmodell für den High Cycle Fatigue-Bereich (HCF) entwickelt werden, das mit einem deutlich verringerten Versuchsaufwand die Erstellung von Werkstoff- und Bauteilwöhlerlinien ermöglicht. Neben einem rechnerischen Betriebsfestigkeitsnachweis werden im Kompetenzzentrum Leichtbau auch Betriebsfestigkeitsversuche mit Hilfe einer servohydraulischen Versuchseinrichtung durchgeführt.

Produktionsweise auch für andere Fahrzeugtypen vorgesehen

Am Projektende werden Werkzeuge für die Entwicklung und Herstellung von Hybridkonstruktionen mit zellularen Verbundwerkstoffen sowie ein Prototyp eines Leichtbau-Chassis-Segments bereit stehen. Die entwickelte Technologie soll auch auf andere Fahrzeugkonzepte, wie z.B. Kleintransporter und PKW, transferierbar sein. Ein weiterer mittelfristiger Aspekt für die Leichtbauziele ist die Möglichkeit, neuartige  Antriebskonzepte in einem solchen Leichtbaufahrzeug zu integrieren. Dieses können Hybridantriebe sein, die auch rein elektrisch betrieben auf Grund der Gewichtsreduzierung im Gesamtfahrzeug bei moderaten Batteriekapazitäten eine hohe Reichweite aufweisen.

Die Verbundpartner sehen ein großes Marktpotenzial für den Einsatz der zellularen Verbundwerkstoffe als Konstruktionswerkstoff in Tragstrukturen sowie crash-relevanten Strukturbauteilen im Fahrzeug- und Nutzfahrzeugbau. Die im Projekt zu erarbeitende Technologieplattform „LeitHyb“ stellt die Grundlage für die produktspezifische Entwicklungskette dar. Das Forschungsprojekt bietet darüber hinaus die Möglichkeit zur Promotion eines wissenschaftlichen Mitarbeiters in Kooperation mit der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg.


14. November 2011

Erste "Klebpraktiker" an der Hochschule Landshut zertifiziert

Das Kleben spielt als Fügetechnik in vielfältigen Anwendungsgebieten eine große Rolle, es wird in Unternehmen im Bereich Mikroelektronik ebenso eingesetzt wie beispielsweise im Fahrzeugbau oder der Luft- und Raumfahrttechnik. Die Hochschule Landshut bietet in diesem innovativen Bereich eine neue zertifizierte Weiterbildung, die seinesgleichen sucht: Soeben wurden die ersten Klebpraktiker zertifiziert nach DVS®/EWF ausgebildet.

Das Labor Klebtechnik und Verbundwerkstoffe an der Hochschule Landshut fungiert dabei als Außenstelle des Fraunhofer Instituts für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM in Bremen, Deutschlands größter klebtechnischen Forschungsanstalt. „Damit sind wir seit März 2011 Teil eines weltweiten Verbundes, durch diese Kooperation werden die bewährten Qualitätsstandards des IFAM gewährleistet und anerkannt,“ erklärt Laborleiter Prof. Dr. Karl-Friedrich Reiling. „Die Hochschule Landshut bietet mit dieser neuen Weiterbildung ein innovatives Angebot, das gerade für die Qualifizierung der Mitarbeiter/innen von Klein- und Mittelständischen Unternehmen großen Wert hat,“ freut sich Hochschulpräsident Prof. Dr. Stoffel über den soeben gestarteten Kurs. „Wir als Freundeskreis wollen dazu beitragen, dass die Unternehmen von diesem höchst interessanten Weiterbildungsangebot auch erfahren", erklärt Freundeskreisvorsitzender Ludwig Zellner.

Die berufliche Weiterbildung Klebpraktiker richtet sich an Mitarbeiter/innen in Unternehmen, die in der beruflichen Praxis nach Arbeitsanweisung selbstständig kleben. „Beim Kleben der Frontscheiben von Displays bei Industrie-Computern wollen wir eine optimale Qualität erreichen,“ erklärt Kursteilnehmer Stefan Gattinger, der in der Display-Produktion bei der DSM Computer GmbH (München) beschäftigt ist, seine Motivation für die Teilnahme am Kurs. Auch soll der Prozess und der Klebevorgang selbst optimiert werden. Hierzu biete die neue Weiterbildung wertvolles praxisorientiertes Wissen.Im Lehrgang werden Grundlagen und Besonderheiten des klebtechnischen Prozesses vermittelt und in die Praxis umgesetzt. Arbeitsanweisungen werden so in ihren jeweiligen Zusammenhängen und  Auswirkungen transparent. Klebungen können damit selbständig und  fachgerecht ausgeführt werden.  „Durch die Teilnahme am Kurs werden nicht nur Kenntnisse über das Kleben erlernt und in die Praxis umgesetzt, er bildet auch eine wertvolle Grundlage für Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit,“ wie Prof. Dr. Reiling erklärt. Dies spiele besonders bei sicherheitsrelevanten Klebeprozessen eine wichtige Rolle, die zertifizierte Fortbildung sei gerade auch für betriebliche Versicherungsträger wichtig.Neben dem einwöchigen Vollzeitkurs (nächster Termin 5. – 9. März 2012) wird ab nächstem Frühjahr die Fortbildung auch berufsbegleitend stattfinden. Zusätzlich wird eine dreiwöchige weiterführende Ausbildung zum zertifizierten Klebtechniker angeboten werden. Bei Bedarf können auch weitere Termine vereinbart und spezielle Anforderungen von Unternehmen berücksichtigt werden.Das "Qualifizierungszentrum Klebtechnnik" an der Hochschule Landshut ist ein vom Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördertes Fortbildungsprogramm. Diese Ausbildungen sind durch den Deutschen Verband für Schweißen und verwandte Verfahren e.V. (DVS) und  der European Federation for Welding, Joining and Cutting (EWF) europaweit zertifiziert und anerkannt.


29. Oktober 2011

Multi Material Design: übergreifende Lösungen im Leichtbau schaffen

Beim dritten Forum „Multi Material Design für Leichtbauanwendungen“ versammelten sich rund 70 Experten/innen aus Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Hochschulen aus dem ganzen Bundesgebiet an der Hochschule Landshut. Neueste Forschungsergebnisse, Trends und Entwicklungen in diesem innovativen Technikbereich wurden in Fachvorträgen und einer begleitenden Fachausstellung gezeigt.

Das Forum wurde in Kooperation zwischen dem an der Hochschule ansässigen Leichtbau-Cluster, dem Carbon Composites e.V. und dem Cluster Neue Werkstoffe veranstaltet. Die Bandbreite reichte von den Branchen Automobil und Nutzfahrzeuge bis hin zur Textil und Sportartikelindustrie. Dieses breite Spektrum  zeigt, wo die Chancen im Multi Material Design liegen, nämlich in der branchen- und prozesskettenübergreifenden Kooperation.

Nicht zuletzt durch die anhaltenden Diskussionen zur begrenzten Rohstoffverfügbarkeit und zur Nachhaltigkeit in der Mobilität getrieben, gewinnt das Konzept des Multi Material Design zunehmend an Bedeutung. „Mit Hilfe von Verbundwerkstoffen, Werkstoffverbunden und Mischbauweisen wird hierbei erreicht, dass im Bauteil das richtige Material in der richtigen Menge am richtigen Ort sitzt“, charakterisierte Prof. Dr. Otto Huber, wissenschaftlicher Leiter des Landshuter Leichtbau-Clusters diesen Ansatz zum systematischen Leichtbau. Die Zusammenarbeit zu fördern und zusätzliche Synergien für die gemeinsamen Themen Leichtbau, Carbonfasercomposite und Neue Werkstoffe zu schaffen, hat sich die netzwerkübergreifende Kooperation zum Ziel gesetzt. Den wichtigen Beitrag, den die Netzwerke  - im regionalen Umfeld aber auch weit darüber hinaus - für die Wirtschaftsförderung leisten, betonte Prof. Dr. Helmuth Gesch, Vizepräsident der Hochschule Landshut, in seiner Begrüßung.

Bauteile mit Funktionskomponenten durch neue Fertigungstechniken

In den drei Bereichen des Multi Material Design, der werkstofflichen, der konstruktiven und der fertigungstechnischen Kombinationsmethodik, griffen die Fachvorträge des Forums aktuelle Themen und Trends auf. Marc Fuchs von der Wagner AG (Waldstatt, Schweiz) zeigte, wie sich mit Hilfe von Druckguss-Spritzguss-Kombinationen Bauteile mit Funktionskomponenten aus Metall und Kunststoff intelligent fertigen und dadurch Gewichtseinsparungen realisieren lassen.  Dass sich der Spritzguss mit seinen Sonderverfahren perfekt als MMD-Fertigungstechnologie eignet, zeigte Martin Schneebauer von der KraussMaffei Technologies GmbH. Zielstellung aktueller Verfahrensentwicklungen ist es dabei, eine zunehmende Anzahl von Strukturbauteilen im Automobil durch Prozesse wie das Hochdruck RTM Verfahren zu fertigen.

Gerade bei den Verfahrensentwicklungen spielt die anwendungsbezogene Forschung eine bedeutende Rolle, wie Alexander Roch, Fraunhofer Institut für chemische Technologien (ICT), am Beispiel unterschiedlicher Verfahren, wie dem Fiber Forge oder dem Direct Foaming aufzeigte. Speziell in der Verwendung von schäumbaren Matrixmaterialien erwartet Roch sich hierbei noch großes Leichtbaupotential.

Zerstörungsfreie Prüfung durch prozessintegrierte Prüftechnik

Derartige, komplexe Werkstoffkombinationen müssen jedoch auch prüfbar sein, wie Jens Fery vom Fraunhofer Institutes für zerstörungsfreie Prüfung (IZFP), in seinem Vortrag erläuterte und am Beispiel einer Prüfmethodik für prozesshärtende Stähle zeigte. „Je verbreiteter Werkstoffe zum Einsatz kommen, deren Eigenschaften erst im Fertigungsprozess festgelegt werden, desto wichtiger wird die entsprechende prozessintegrierte Prüftechnik“, so Fery. Für Faserverbundwerkstoffe, auf die diese Aussage natürlich in besonderem Maße zutrifft, setzt das IZFP beispielsweise so genannte „sampling phased array“ Ultraschallmethoden ein, um Fehlstellen zu detektieren.

Die lokal einstellbaren Werkstoffeigenschaften von faserverstärkten Materialien stellte auch Professor Dr. Thomas Tröster, Lehrstuhl für Leichtbau im Automobil der Universität Paderborn, in den Fokus seiner Ausführungen. „Eine Hybridstruktur aus Stahl und CFK kann bei Einsatz in einer B-Säule bis zu 40% Gewichtsreduktion bringen“, so Tröster. Dass es hierbei auch darauf ankommt, Prozesse zu verwenden, deren Einsatz in der Automobilindustrie gängig ist, zeigte Professor Tröster am Beispiel lokal eingepresster CFK-Verstärkungen, die im KTL-Prozess ausgehärtet werden sollen. „Für derartige Systeme bleiben jedoch noch einige Aufgaben für die Auslegung und Simulation, bevor über einen Serieneinsatz nachgedacht werden kann“, beschrieb Tröster zukünftige Aufgaben.

Neue Leichtbau-Möglichkeiten durch zellulare Werkstoffe

Im abschließenden Beitrag zum Leichtbau mit hybriden Strukturen ergänzte Professor Dr. Otto Huber, in Funktion als Leiter des Kompetenzzentrums Leichtbau der Hochschule Landshut, die lokalen Verstärkungskonzepte um eine methodische Betrachtung der Möglichkeiten von zellularen Werkstoffen. Entgegen der Faustregel, dass bei Schäumen eine fünfzigprozentige Gewichtsreduktion mit einem fünfundsiebzigprozentigen Eigenschaftsverlust einhergeht zeigte Professor Dr. Huber auf, wie Glasschaumkugeln in Epoxidmatrizes als lokale Verstärkung, beispielsweise von automobilen Crashboxen wirken können. Diese Konzepte und die zugehörige Prüftechnik, konnten die Teilnehmer auch bei der Laborführung durch das Kompetenzzentrum Leichtbau live erleben, bevor bei abschließenden Get-Together noch Raum für neue Ideen und Kooperationen gegeben wurde. Die drei Netzwerke Leichtbau-Cluster, Carbon Composites e.V. und Cluster Neue Werkstoffe planen auch für 2012 eine Fortsetzung dieser gelungenen Zusammenarbeit.


24. Mai 2011

Leichtbau Cluster mit Cross-Border-Award ausgezeichnet

Der von den Wirtschaftskammern in Niederbayern, Oberösterreich und Südböhmen verliehene Preis "Cross-Border Award" ist eine Würdigung für die grenzüberschreitenden Aktivitäten von Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Als niederbayerischen Preisträger wurde jetzt in Passau der Leichtbau-Cluster ausgezeichnet.

Durch die Lage im Dreiländereck ist Niederbayern ganz besonders auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit über die Landesgrenzen hinweg angewiesen. Als wichtiges Dach für gemeinsame Projekte im Technologiebereich hat sich dabei die Technologieplattform Oberösterreich-Niederbayern-Südböhmen etabliert, die einmal im Jahr einen grenzüberschreitenden Innovationstag in der Region veranstaltet. Auf Einladung der dre  Wirtschaftskammern kamen in Passau erneut rund hundert Gäste aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung zusammen, um über Fachthemen zu diskutieren und vorbildliche Projekte in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zu prämieren.

Know-how-Transfer über Grenzen hinaus besonders wichtig

Als wichtiges strategisches Ziel zur Förderung des gemeinsamen Wirtschaftsraumes nannte IHK-Vizepräsident Thomas Leebmann in seiner Eröffnungsrede die Verbesserung des Know-how-Transfers innerhalb der Region: Die vielfältige Hochschullandschaft in den drei Partnerregionen, die hier beheimateten Zukunftsbranchen und vor allem die zahlreichen innovativen und international aktiven Unternehmen stellten ein wesentliches Potenzial dar, das es gemeinsam zu erschließen gelte. „Die Technologieplattform soll gerade die kleinen und mittleren Betriebe beiderseits der Grenzen in ihren Forschungs- und Entwicklungsvorhaben unterstützen und ihnen einen breiten Erfahrungsaustausch ermöglichen“, betonte Leebmann.

Leichtbau Cluster - ein Leuchtturmprojekt

Auch dieses Jahr wurden wieder besondere Leuchtturmprojekte im Bereich der grenzüberschreitenden Aktivitäten von Unternehmen und Forschungseinrichtungen mit dem Cross-Border-Award der Wirtschaftskammer Oberösterreich, der IHK Niederbayern und der Südböhmischen Kammer ausgezeichnet.
Der niederbayerische Cross Border Award 2011 in der Kategorie „Hochschulen und Forschungseinrichtungen“ ging an den Leichtbau-Cluster der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Landshut. Prof. Dr. Otto Huber und Marc Bicker erhielten den Preis für die enge Kooperation und Zusammenarbeit mit Partnern in Oberösterreich. Der Leichtbau-Cluster Landshut habe es geschafft, sich als wissenschaftliches Kompetenzzentrum weit über die Grenzen Niederbayerns hinaus zu positionieren und zu behaupten, betonte Leebmann bei der Preisübergabe.

„Bereits im Gründungsjahr begann man die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit Partnern aus der Region Oberösterreich, die sich bis heute besonders über die Handlungsfelder Kooperation, Qualifizierung und Marketing erstreckt“, erläutert Marc Bicker, kaufmännischer und organisatorischer Leiter des Leichtbau-Cluster. Als Beispiele nennt er:

  • Gemeinsame Durchführung mit dem oberösterreichischen Automobil-Cluster der erfolgreichen Veranstaltung „Leichtbau in der Automobilindustrie“ mit namhaften Unternehmen in Passau
  • Lead-Partnerschaft vom Leichtbau-Cluster bei einem grenzüberschreitenden Wissens- und Bildungsnetzwerk zu produktionsorientierten, innovativen Themenschwerpunkten beim Technologie- und Innovationscenter am Standort in Steyr in den Jahren 2003 bis 2006.
  • Aufnahme von derzeit sieben ständigen Mitgliedern aus Österreich in dem Cluster.

Insbesondere weist Marc Bicker auch auf das im Herbst geplante Kooperationsforum in Linz zusammen mit der IHK Niederbayern und der Wirtschaftskammer Oberösterreich zum Thema Leichtbau hin. „Impulsreferate sowie organisierte Kooperationsgespräche, so genannte one to one meetings, zu den Themen der Leichtbautechnologien sind geplant“, so Bicker.

Weitere Preisträger

In der Kategorie „Unternehmen“ erhielt die Firma Karl Bachl aus Deching bei Röhrnbach den niederbayerischen Cross-Border-Award 2011 für ihr langfristiges Engagement in Tschechien und insbesondere für den Aufbau eines Produktionsstandortes in Bohumilice in Südböhmen. Ausgezeichnet wurden außerdem auf oberösterreichischer Seite die Engel Austria GmbH sowie die Fachhochschule Oberösterreich-Campus Wels. Preisträger auf tschechischer Seite waren die Firma Tesla Blatna sowie die Technische und ökonomische Fachhochschule in ?eské Bud?jovice.


19. April 2011

Bayerische Leichtbaukompetenzen auf der Hannover Messe 2011

Unter dem Motto „Leichtbau live“ wurden im Bereich der Solutions Area der diesjährigen Hannover Messe (04. - 08. April 2011) Leichtbau-Exponate und spannende Live-Demonstrationen für unterschiedliche Zielbranchen vorgestellt. Organisiert vom Leichtbau-Cluster an der Hochschule Landshut stellten dabei Partner Entwicklungen, Systeme und Produktlösungen vor und zeigten anschaulich ihre Leichtbaukompetenzen rund um dieses Trendthema auf einer Fläche von mehr als 550 m².

Leichtbaulösungen haben den Vorteil, dass sie durch Gewichtsreduktion und Optimierung von Konstruktion sowie Eigenschaften Rohstoffe und Energie einsparen und in positiver Konsequenz die Gesamtkosten senken. Marc Bicker, Projektleiter des Leichtbau-Clusters in Landshut, sagt: „Leichtbau live, erlebbar und greifbar machen, war das Ziel unserer gemeinschaftlichen Partnerpräsentation auf der Hannover Messe. Den verschiedenen Anspruchsgruppen der Hannover Messe wurden dadurch die Leichtbautechnologien näher gebracht, verständlich und eindrucksvoll.“

Dabei wurden die verschiedenen Technologiebereiche des Leichtbaus auf dem Stand gezeigt: Verbundwerkstoffe, Leichtbauweisen, Multi-Material-Design, leichtbaubezogene Fertigungstechnologien aber auch ebenso in die höherfesten Stähle und Leichtmetalle. Zu allen Bereichen konnten praxisorientiert entsprechende Lösungsansätze vorgestellt werden.

Beispielsweise zeigte die Firma MT-Propeller aus Straubing, ein Kooperationsunternehmen des Netzwerks, einen Lärm reduzierenden High-Performance 2-Blatt bis 6-Blatt Verstellpropeller aus Leichtbauverbundwerkstoff. Die Kombination aus verschiedenen Leichtbaumaterialien wie plastifiziertes Holz, Glasfaser, Kohlefaser, Aluminium und modernste Herstellungsmethoden ermöglichen eine erhebliche Gewichtseinsparung. Beim gleichen Gewicht wie bei herkömmlichen Metall-Propellern kann die Blattzahl erhöht und somit der Durchmesser verringert werden. Geringere Geräuschbelastung und erhöhte Steig- und Flugleistungen sind die Folge, zusätzlich verlängern die schwingungsdämpfenden Eigenschaften von Holz die Lebensdauer.

Ein gewichts- und leistungsoptimiertes Elektroboot zeigte die Firma Avantgarde Technology (Gilching). Es besteht zu hundert Prozent aus Kohlefaser besteht, das Gesamtgewicht liegt bei ca. 650 kg, ein vergleichbares Boot in traditioneller Bauweise bei 1,1 Tonnen.  Ein leichte Möglichkeit, sich fortzubewegen bietet der ausgestellte faltbare Elektro-Chopper aus CFK mit dem Namen „Moveo“ der Firma Meshining Engineering (Gaimersheim). Das leichte und faltbare Moped kann in dem Zug oder im Auto mitgenommen werden und bietet so neue Möglichkeiten in der Mobilität auf zwei Rädern.

Dabei stellt die Serienfertigung von Kohlefaserbauteilen oder -produkten eine Herausforderung dar, da die Fertigung zeitaufwendig ist und noch viel Handarbeit erfordert. Die Firma Jacob Composite stellte neue Möglichkeiten in der Serienfertigung von Faserverbundbauteilen vor. Das sog. RTM-Verfahren, eine Möglichkeit der Verarbeitung von faserverstärkten Kunststoffen, stellte die EURO-RTM-Group vor. Life-Vorführungen gaben den Besuchern die Möglichkeit, den Fachleuten im Fertigungsprozess auf die Finger zu schauen.

Intelligente Leichtbaulösungen heißt ganz banal, den richten Werkstoff an der richtigen Stelle einzusetzen, dies abhängig von den jeweiligen Anforderungen wie Tragfähigkeit oder Steifigkeit an ein Bauteil. Häufig wird Multi-Material-Design eingesetzt, wie in einer ausgestellten Crashbox aus dem Automobilbereich gezeigt wurde. Sie besteht aus einem dünnen Stahlblech sowie einem Stützkern aus Glasschaumgranulaten und Polyamid. Bei einer Gewichtsreduzierung von 28 Prozent bietet sie ein höheres gewichtsspezifisches Energieabsorptionspotenzial als die bisherige Serienlösung. Die Crash-Box stammt aus einem Forschungsprojekt mit insgesamt 12 Netzwerkpartnern unter Federführung der Hochschule Landshut.


04. April 2011

Master ACM: berufsbegleitend zum CAE-Experten

Ende März 2011 war es wieder soweit: Der vierte Jahrgang des berufsbegleitenden Masterstudiengangs „Applied Computational Mechanics“ wurde feierlich verabschiedet. Die Zeugnisübergabe an die Absolventen/innen erfolgte durch die Studiengangleiter Prof. Dr. Rudolf Dallner von der Hochschule Ingolstadt und Prof. Dr. Otto Huber von der Hochschule Landshut.

Jetzt können die Absolventen/innen mit Freude und Stolz auf die beiden letzten anstrengenden Jahren zurückblicken. In dieser Zeit standen für sie neben den beruflichen Aufgaben und der Familie die Hochschulbesuche und viele mühsame Stunden Selbststudium auf der Tagesordnung. Diese nicht immer eine einfache Zeit liegt jedoch hinter ihnen: Ab sofort dürfen alle den etablierten Titel „Master of Engineering“ tragen. Dieser Titel eröffnet ihnen durch das verliehene Qualitätssiegel der Akkreditierungsagentur ASIIN auch den Zugang zu einer Promotion.

Ob diese Möglichkeit für den einen oder anderen Absolventen eine anzustrebende Perspektive darstellt, werden die nächsten Jahre zeigen. Eines ist jedoch sicher: der Wissenszuwachs im CAE-Bereich (Computer Aided Engineering) durch das Masterstudium bildet für alle Teilnehmer/innen ein wichtige zusätzliche Grundlage für ihr zukünftiges Berufsleben. Aber auch schon in den vergangenen Monaten – während des berufsbegleitenden Studiums – konnten die Studierenden das neu erworbene Wissen gewinnbringend in ihren jeweiligen Unternehmen einsetzen. Die weiteren Berufsaussichten der Masterabsolventen schätzt Dr. Günter Müller, Geschäftsführer der CADFEM International GmbH, als vielversprechend ein, denn er sieht für Simulationsanwendungen noch ein großes Wachstumspotenzial.

Der viersemestrige berufsbegleitende Master-Studiengang "Applied Computational Mechanics", ausgerichtet an den Hochschulen Ingolstadt und Landshut, richtet sich an Berechnungsingenieure. Er befähigt seine Teilnehmer/innen, Entwicklungs- und Fertigungsprozesse in einem zunehmend komplexen Umfeld zu verstehen und zu gestalten und fokussiert auf die rechnergestützte Simulation. Absolventen/innen erhalten das nötige Wissen, um innovative Produkte und Technologien mit modernen Methoden und Instrumenten schneller und kostengünstiger zu entwickeln. Unterrichtssprache ist Englisch.

Dabei bietet dieser Master mit seinem berufsbegleitenden und anwendungsorientierten Ansatz ein innovatives und bisher einmaliges Weiterbildungsangebot im Bereich des Computer Aided Engineering (CAE). Als Public Private Partnership zwischen den Hochschulen Landshut und Ingolstadt und der das Studium organisierenden CADFEM GmbH (Grafing b. München) setzt er zudem Maßstäbe für die oft geforderte engere Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Wirtschaft. Dieses Konzept findet nicht nur bei deutschen Unternehmen sondern weltweit Anklang. Die Absolventen/in des diesjährigen Absolventen/innen-Jahrgangs kommen neben Deutschland u.a. aus Norwegen, Italien und Indien.

Informationen zum Studiengang sind auf der esocaet-Website zu finden. esocaet (European School of Computer Aided Engineering Technology) ist ein Geschäftsbereich der CADFEM GmbH, hier erläutert auch ein neu erstellter Kurzfilm das grundlegende Konzept des berufsbegleitenden Masterstudiengangs mit seinen komprimierten Präsensblöcken, dem direkten Kontakt zu Mitstudierenden und Dozenten sowie der praxisorientierten Ausrichtung des Studiums.