3. Landshuter Symposium Mikrosystemtechnik - neueste Entwicklung aus Wirtschaft und Wissenschaft

Bei der Eröffnung des Symposiums: Hochschulpräsident Prof. Dr. Karl Stoffel, Dr. Jürgen Weber (Bereichsleiter Wirtschaft, Landesentwicklung und Verkehr der Regierung von Niederbayern), Landshuts Oberbürgermeister Hans Rampf sowie Vizepräsident Prof. Dr. Helmuth Gesch und Jürgen Niedermaier (beide Cluster Mikrosystemtechnik).Einen Fachtreff für Unternehmen und Forschungseinrichtungen bot das 3. Landshuter Symposium für Mikrosystemtechnik an der Hochschule. Organisiert vom Cluster Mikrosystemtechnik der Hochschule und unter Schirmherrschaft von Wirtschaftsminister Martin Zeil, wurden den knapp 120 Teilnehmern in rund 40 Fachvorträgen und einer begleitenden Fachausstellung neueste Entwicklungen aus dem Wachstumsmarkt der kleinen Systeme vorgestellt. Die Bedeutung dieser Mikrosysteme für die E-Mobility wurde in einer Podiumsdiskussion beleuchtet.

In seiner Begrüßung betonte Hochschulpräsident Prof. Dr. Stoffel die Bedeutung von Kompetenznetzwerken, die es Forschungseinrichtungen und Unternehmen ermöglichen, gemeinsam innovative Entwicklungen bis zur Marktreife zu bringen. Regionale Netzwerke wie der Cluster Mikrosystemtechnik seien besonders für die mittelständische Wirtschaft und damit für die Innovationskraft der Region von hoher Bedeutung, hob Dr. Jürgen Weber, Bereichsleiter „Wirtschaft, Landesentwicklung und Verkehr“ der Regierung von Niederbayern, hervor. Hier habe die Hochschule Landshut frühzeitig mit den Clustern Leichtbau und Mikrosystemtechnik Initiative gezeigt, für die er sich bedanke, ein Netzwerk für Medizintechnik sei zusätzlich im Aufbau.

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten

Technische Innovationen zeigte die begleitende Fachausstellung.Mikrosysteme finden in den verschiedensten Branchen Anwendung. Sie integrieren verschiedene Komponenten, bilden daraus intelligente Module und schaffen dadurch einen Mehrwert, wie Prof. Dr. Helmuth Gesch, Vizepräsident der Hochschule und wissenschaftlicher Leiter des Clusters Mikrosystemtechnik erläuterte. Für Landshuts Oberbürgermeister Hans Rampf sind sie wie Heinzelmännchen: klein, hilfreich, fleißig, in vielfältigen Bereichen einsetzbar, werden aber kaum bemerkt. In seiner Keynote zeigte Prof. Dr. Martin Sellen, Micro-Epsilon Messtechnik GmbH & Co. KG, die vielfältigen zu integrierenden Technologien im Bereich der Mikro-Elektronik auf, die von der Mikro-Optik und -Elektronik bis zur Mikro Fluidtechnik und der Mechanik reichen. Für ein "simultaneous engineering" müssten viele Tools und Programme in Einklang gebracht werden, ein systemübergreifender Ansatz sei nötig. Eine weitere Miniaturisierung erfordere die Integration mechanischer und elektronischer Komponenten, die Komplexität müsse durch Multifunktionseinheiten reduziert werden, insgesamt sei dabei eine enge Zusammenarbeit von gut ausgebildeten Spezialisten nötig. 

Die Veranstaltung bot einen breiten Überblick über neue Entwicklungen im Bereich der „hilfreichen“ Mikrosysteme. In der Aufbau- und Verbindungstechnik reichten die Themen von MID-Baugruppen in der Fertigung bis zum Laserbohren in der Industrie. Die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten von Intelligenten Sensorsystemen (ISS) wurden von der Überwachung von Hochspannungsleitungen über die Fehlerfrüherkennungssysteme für Flugzeugpropeller bis zu hochempfindlichen Strahlungsdetektoren für medizinische Anwendungen verdeutlicht. Effizientes embedded System-Design mit modularem Systemaufbau wurde ebenso gezeigt wie Fehlereinspeisung und dreidimensionale Hinderniserkennung zur echtzeitfähigen Kollisionseinschätzung im Bereich der Fahrerassistenzsysteme.

Prof. Dr. Jörg Elsenbach (Dräxlmaier Group) bei seinem Vortrag Auch das Technologie- und Innovationsmanagement zählt zu den im Symposium aufgegriffenen Themen. Wie aus Ideen Innovationen werden können, zeigte Prof. Dr. Jörg Elsenbach (Dräxlmaier Group) in seinem Vortrag „Erfolgreich innovieren“. Unternehmen müssten Nachhaltigkeit vorleben, Möglichkeiten für kreative Entwicklungen schaffen. Dies erfordere finanzielle Ressourcen, die erst einmal nicht in kapitalmarktorientierten Faktoren gemessen werden könnten. Innovationen seien immer mit Unsicherheiten verbunden, schlussendlich müssten sie sich aber in den Finanzen niederschlagen. Er spricht sich für ein übergeordnetes Managementsystem aus, in dem die Kundenperspektive ebenso wie die Produktperspektive und die Innovationsperspektive abgebildet werden. Hierzu müssten neue Kennzahlen identifiziert werden. Entscheidend sei auch der Faktor „time to profit“. Ein Prozessmanagement stelle den Bezugsrahmen für Technologie- und Innovationsmanagement dar, Organisationsstrukturen und geeignete Werkzeuge seien für einen erfolgreichen Innovationsprozess unerlässlich.

E-Mobility - weitreichende Herausforderungen

Dass die geplante E-Mobility nicht schnell und einfach umsetzbar sein wird, zeigte eine Podiumsdiskussion, moderiert von Karina Amann (Ostbayerisches Technologie-Transfer-Institut e.V. OTTI e.V., Regensburg), an der u.a. auch Dr. Andreas Scheuer, Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung teilnahm. Wie vielfältig die Anforderungen für die Mikrosystemtechnik sind zeigte Dr. Martin Gall (Qestronic GmbH und Qest GmbH, Dräxlmaier Group). Von der Fahrdynamik, dem Antrieb, der Energieüberwachung und –steuerung, über die Überwachung und Selbstdiagnose sowie Kühlsysteme von Energiespeichern bis hin zur Sicherheit reichen die Herausforderungen.

Bei der Podiumsdiskussion (v.l.n.r): Reinhard Gottinger (IC-Design Reinhard Gottinger GmbH, Passau), Michael Kliebenstein (Regionalmarketing Ndb.), Moderator Jürgen Matthäus (MTS Unternehmensberatung, Raubling), Johann Kraus (Rohde & Schwarz, Teisnach), Dr. Ulrich Steger (Bay. Wirtschaftsministerium) und Vizepräsident Prof. Dr. Helmuth Gesch.Dabei wiesen die Teilnehmer und auch Dr. Andreas Scheuer darauf hin, dass bei allen Entwicklungen in diesem Bereich die Akzeptanz der Nutzer bzw. Käufer eine große Rolle spielt. Das Verkehrsministerium investiere in die E-Mobility mit hohem Kostenaufwand, beispielsweise würden in Zukunft auch 3-5 E-Mobility-Schaufensterregionen mit 180 Mio. Euro gefördert. Gerade für Nutzer von E-Fahrzeugen sei die Sicherheit von hoher Bedeutung. Trotz Vorteilen in der Entwicklung von Batteriezellen in China spiele Qualität und Sicherheit hier für Anwender eine große Rolle. Die hohen Standards bei uns seien eine Chance, wie Dr. Gall überzeugt ist.

Neben der Batterietechnik bildet auch die Logistik einen Problembereich. So seien Wechselbatterien eine grundsätzlich gute Möglichkeit, die ausreichende Versorgung gerade in Urlaubszeiten aber beispielsweise in Frankreich ein großes Problem, wie Dr. Karl-Heinz Pettinger, (Professor für Elektrische Energiespeicher, Hochschule Landshut) anführt. Auch die unterschiedliche Qualität und Leistungsfähigkeit der ausgetauschten Batterien, für die der Nutzer viel Geld ausgeben müsse, sei problematisch. Dr. Ralph Pütz (Professor für Nutzfahrzeugtechnik an der Hochschule Landshut) plädiert dafür, E-Mobility im Bereich des Öffentlichen Nahverkehrs verstärkt einzusetzen, hier gäbe es eine beschränkte Zahl an Unternehmen, die viele Busse mit einem gleichbleibenden Radius einsetzen. Auf die bisher vernachlässigte Netzqualität, die durch regenerative Energien und den zusätzlichen Bedarf durch E-Mobility verschlechtert werde, weist Dr. Roland Weiss (Siemens Cooperate Research) hin. Hier sollte mit Leistungselektronik und diagnostischen Systemen die Qualität erhöht werden. Wie Prof. Dr. Gesch zusammenfasst, müssten für erfolgreiche Entwicklungen im Bereich der E-Mobility die verschiedensten Disziplinen mit einbezogen werden, die Technik ebenso wie die Betriebswirtschaft und auch die Soziale Arbeit, um die Akzeptanz von neuen Technologien sicherzustellen.

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