2. Landshuter Symposium Mikrosystemtechnik - als Branchentreff etabliert

Beim Auftakt zum Symposium: Regierungspräsident Heinz Grunwald, Initiator Prof. Dr. Helmuth Gesch, Hochschulpräsident Prof. Dr. Erwin Blum und Walter Keilbart, Hauptgeschäftsführer IHK Niederbayern.Zwei Tage lang bildete die Hochschule Landshut das Zentrum der Mikrosystemtechnik: über 200 Teilnehmer, 60 Vorträge und 40 Fachaussteller bot das 2. Landshuter Symposiums für Mikrosystemtechnik. Die Veranstaltung unter der Schirmherrschaft von Martin Zeil, Bayerischer Staatsminister für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie, hat sich damit schnell als Branchentreff etabliert. Veranstaltet vom Cluster Mikrosystemtechnik an der Hochschule Landshut, standen dabei technische Entwicklungen im Vordergrund, aber auch die Themen Management und Förderprojekte stießen auf großes Interesse. Einig waren sich Regierungspräsident Heinz Grunwald und IHK-Hauptgeschäftsführer Walter Keilbart mit den anwesenden Fachleuten über das große Zukunftspotenzial der Mikrosysteme.

Regierungspräsident Heinz Grunwald betonte in seinen Grußworten die große Bedeutung der Mikrosystemtechnik für die Wirtschaft. Es seien kaum mehr Innovationen ohne Experten aus diesem Technologie-Feld denkbar. Hierbei würden Netzwerke wie der Cluster Mikrosystemtechnik eine wichtige Rolle spielen, da sie wertvolle Kontakte untereinander, aber auch zur Hochschule schaffen würden. Alle Beteiligten könnten nur gewinnen. Das gemeinsame Ziel laute, die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, wie Walter Keilbart, Hauptgeschäftsführer IHK Niederbayern, erklärte. Das Symposium biete vielfältige Schnittstellen, eine offene Zusammenarbeit von Praxis und Forschung unter Einbindung von Regierung und auch der IHK und damit ein vernetztes Denken. Gerade Unternehmen, die nicht über die nötigen Kapazitäten verfügen, könnten durch dieses Miteinander über Forschungsprojekte mit Hochschulen, Fördermittel zugänglich gemacht werden.

Dr. Reiner Wertheimer (BMW Group Forschung und Technik) bei seinem Vortrag zum Thema Trends bei Mikro- und Assistenzsystemen im automotive-Umfeld.Ein Ziel der Hochschule sei es, Impulsgeber für die Wirtschaft zu sein, erklärte Hochschulpräsident Prof. Dr. Erwin Blum. Dies auch in innovativen Themen wie es die Mikrosystemtechnik sei und speziell in der anwendungsorientierten Forschung und Entwicklung. Man habe dabei früh den Netzwerkgedanken gelebt, aus dem die beiden Cluster an der Hochschule – finanziert durch Mittel der High-Tech-Offensive Bayern - entstanden seien. Der Cluster Mikrosystemtechnik sehe sich vorrangig als regionales Netzwerk, das gerade Klein- und Mittelständische Unternehmen unterstützen will, stellte Initiator Prof. Dr. Helmuth Gesch die Ziele des Clusters vor. Doch würden Innovationen nicht an Grenzen halt machen, umso mehr freue ihn, auch Aussteller aus Österreich und der Schweiz begrüßen zu können.

Komplexere Systeme sind die Zukunft

In einleitenden Keynotes gaben Spezialisten Einblick in neueste Entwicklungen und Trends in der Mikrosystemtechnik, ehe es in jeweils 3 parallelen Sessions zu den Themenblöcken Aufbau- und Verbindungstechnik, Intelligente Sensorsysteme, Embedded Systeme, Mikro-Mechatronik und Technologie- und Innovationsmanagement ins Detail ging. Trends bei Mikro- und Assistenzsystemen im automotive-Umfeld zeigte Dr. Reiner Wertheimer von der BMW Group Forschung und Technik auf. Die passive Sicherheit im Fahrzeugbau habe vor allem durch warnende und eingreifenden Systemen wie der Spurverlassenswarnung stark zugenommen. Der nächste Schritt seien sog. Pre-Crash-Systeme, wie etwa eine Gurtstraffung oder das automatische Schließen des Schiebedachs vor einem Crash.

Fachaussteller aus dem Bereich der Mikrosystemtechnik zeigten ihre neuesten Entwicklungen. Allgemein werde sich ein Übergang von informierenden und warnenden zu regelnden teilautomatischen Systemen vollziehen. So sei ein Fahrzeug z.B. in der Fußgänger- bzw. Fahrradfahrerfrüherkennung mithilfe eines Wärmebildes durch die Verbesserung der Auswertetechnik selbstständig in der Lage, gefährliche von ungefährlichen Situationen zu unterscheiden. Zukünftig würden auch Sensordatenfusionen vermehrt im Mittelpunkt stehen: Daten aus einem Radarsystem für die Abstandsmessung könnten mit den denen einer Bildkamera verbunden werden, über Funk könne z.B. mit dem Handy eines Fußgängers kommunizieret werden, und so dessen Position lokalisiert und eventuell ein Zusammenstoß vermieden werden.

Eine stärkere Vernetzung, intelligente Sensorsysteme anstelle von einzelnen Senosoren, sieht bei den ständig steigenden Anforderungen auch Prof. Dr. Ignaz Eisele vom Fraunhofer Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration (IZM, München) als Trend. Für ihn liegt die Zukunft in Europa nicht mehr in der Massenfertigung der Highend-Technologie, vielmehr sollte man sich auf intelligente Systemlösungen konzentrieren und dessen enormes Potenzial nutzen. Dabei würden die Preise für integrierte Sensorsysteme im Massenbereich wie z.B. im Flugzeugbau sinken. Individuelle Lösungen dagegen, wie sie oftmals in der Medizintechnik notwendig seien, würden sich kaum günstiger produzieren lassen.

Zu langsamer Rhythmus für Innovation

Den „Rhythmus als ein zentrales Element des Verhaltensorientierten Innovationsmanagement (VIM)“ beleuchtete Dr. Marco Eggert von der Phasix Gesellschaft für Innovationen mbH. Eine Synchronisation von operativen Routineprozessen und der Entwicklung bzw. Innovation sei unerlässlich. Er zeigte typische Fehler im Innovationsmanagement auf. Probleme seien z.B. eine hohe Arbeitsbelastung und viele Meetings oder unterschiedlich ausgelastete Ressourcen in der Entwicklung, die für Standardisierung keinen Spielraum ließen. Beides könnte durch die Einführung eines festen Rhythmus´ eingedämmt werden. Eine eingeführte getaktete Entwicklung helfe Innovationen und Tagesgeschäft voneinander zu trennen, neue Freiräume könnten entstehen, eine klare Rollen- und Verantwortungsstruktur in der Organisation eingeführt werden, und eine Effektivitäts- und Effizienzsteigerung erreicht werden.

Aus Sicht eines Gutachters schilderte Patric Salomon (4M2Consulting) seine Erfahrungen mit der EU-Forschungsförderung. Gefördert würden meist Technologiekombinationen, Einzeltechnologien seien die Ausnahme. Dadurch stiegen die Anforderungen an Unternehmen, dass in den Genuss von EU-Fördergeldern kommen wolle. Bei etwa 15 Prozent der an einer Förderung interessierten Unternehmen käme es zu Vertragsverhandlungen. Im Antrag müsse das Konzept knapp beschreiben und kurz erläutert werden, was ein Unternehmen anders, bzw. besser macht als andere. Auch Fragen hinsichtlich alternativer Strategien, wenn der eingeschlagene Weg nicht eingehalten werden kann und bezüglich finanzieller und technischer Ressourcen sollten erläutert werden. Wichtig seien auch die Partnerprofile, die zeigen sollten, warum gerade diese Partner integriert werden. Zumeist würden Anträge an Themenverfehlungen oder am technischen und wissenschaftlichen Anspruch scheitern.

Hohes Wachstum – Förderprogramme oft zu langsam

Bei der Podiumsdiskussion (v.l.n.r): Reinhard Gottinger (IC-Design Reinhard Gottinger GmbH, Passau), Michael Kliebenstein (Regionalmarketing Ndb.), Moderator Jürgen Matthäus (MTS Unternehmensberatung, Raubling), Johann Kraus (Rohde & Schwarz, Teisnach), Dr. Ulrich Steger (Bay. Wirtschaftsministerium) und Vizepräsident Prof. Dr. Helmuth Gesch.Kritische Stimmen gerade in Bezug auf EU-Förderprogramme gab es schließlich auch in einer Podiumsdiskussion, die sich mit der Bedeutung der Mikrosystemtechnik für den Wirtschaftsstandort befasste. Johann Kraus, Werkleiter Rohde & Schwarz GmbH & Co. KG (Teisnach) kritisierte die lange Zeit, die vergehe, ehe man in den Genuss von Fördermitteln komme. Er habe positive Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Hochschulen gemacht, aber auch hier sei viel Zeit erforderlich. Dabei sei für die Industrie der Zeitfaktor entscheidend, gerade um Konkurrenten auf dem Südostasiatischen Markt Voraus sein zu können.

Die lange Dauer der EU-Genehmigungsprozesse bestätigte auch Dr. Ulrich Steger, vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie: Es vergingen rund 550 Tage, bevor eine Entscheidung für eine Förderung fallen würde. Die Mikrosystemtechnik sei aber bereits vor rund 15 Jahren als Schlüsseltechnologie identifiziert worden, es gäbe auf bayerischer und Bundesebene Programme, in denen man schneller zum Zuge komme. Dies sei auch von großer Bedeutung, weil in Bayern 53 Prozent der Industriearbeitplätze in forschungsintensiven Feldern angesiedelt seien.

Die große Bedeutung der Mikrosystemtechnik bestätigte Dr. Reiner Wertheimer: Rund 40 Prozent der Wertschöpfung in der Fahrzeugindustrie kämen über Mikroeletronische und –mechanische Komponenten zustande. Besonders im Bereich der Bio- und Medizintechnik gäbe es höchste Zuwachsraten, erklärte ein Zuhörer. Rein über Massenprodukte am Markt zu bleiben zu wollen sei schwierig. Daher seien Innovationen gefragt, wie das Negativbeispiel der Konsumentenindustrie zeige, die komplett aus Europa abgewandert sei. Wichtig sei hier auch auf Marketing und Image zu setzen, wie es beispielsweise der Premiumhersteller BMW. Prof. Gesch betonte das hohe Wachstumspotenzial der Mikrosystemtechnik, das weltweit auf 12-15 Prozent jährlich geschätzt werde. Er erklärte, dass man an der Hochschule Landshut u.a. über die Cluster, die sich auch um Kooperationsprojekte im Bereich F&E kümmern, schnell Projekte voranzutreiben. Dies auch mit Veranstaltungen wie dem Landshuter Symposium Mikrosystemtechnik, das eine hervorragende Gelegenheit sei, miteinander in Kontakt zu kommen und Projekte für die Zukunft anzustoßen.

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