Symposium zeigt neuste Trends im Karosserie-Leichtbau

Das 6. Landshut-Ingolstädter Leichtbausymposium fand am 17. Oktober 2012 im BMW Werk in Dingolfing statt. Die Veranstalter, die Hochschulen Landshut und Ingolstadt sowie der Leichtbau-Cluster, konnten im Besucherpavillon des Automobilherstellers über 100 Teilnehmer begrüßen. Das eintägige Tagungsprogramm beleuchtete neue Leichtbautrends in der Karosserietechnik, dies in Fachvorträgen sowie einer Besichtigung der Automobilproduktion.

Der stellvertretende Werksleiter des BMW Standortes Dingolfing, Xaver Franz, sowie der Präsident der Hochschule Landshut, Professor Dr. Karl Stoffel, begrüßten die Teilnehmer und stellten die in den vergangenen Jahren wachsende Bedeutung des Leichtbaus insbesondere in der Automobilindustrie dar. Der Leichtbau in der Karosserietechnik nehme auch für die BMW Group einen immensen Stellenwert ein, so Franz. Der Ruf nach neuen und nachhaltigen Konzepten für Karosserien, effizientem Materialeinsatz und energieeffizienten Fertigungsverfahren werde immer lauter. Hochschulpräsident Prof. Dr. Karl Stoffel betonte den Stellenwert der Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft. Eine wertvolle Hilfestellung biete hier das der Leichtbau-Cluster der Hochschule Landshut, der unter anderem Kooperationen und Qualifizierungsmaßnahmen unterstütze, um gemeinsame Projekte und Maßnahmen sowie die fachliche Weiterbildung von Unternehmensmitarbeitern/innen zu ermöglichen, so Professor Dr. Stoffel.

Leichtbau wichtig für Fahrzeugproduktion - Batterie nur Überganslösung

In sechs Fachvorträgen beleuchteten renommierte Referenten Leichtbautrends bei der Automobilproduktion, moderiert durch die Initiatoren der Veranstaltung, Professor Dr. Otto Huber (Hochschule Landshut) sowie Professor Dr. Jörg Wellnitz (Hochschule Ingolstadt). Zukünftige Herausforderungen und Handlungsfelder im Automobilbau beleuchtete Dr. Peter Urban, Forschungsgesellschaft Kraftfahrwesen mbH Aachen. Die Elektrifizierung von Automobilen bedeute auch zusätzliches Gewicht durch schwere „Batteriepakete“. Dies hätte auch Konsequenzen auf die Auslegung der Karosseriestruktur: sowohl das veränderte Crashverhalten als auch Auswirkungen auf die Betriebsfestigkeit erfordern Karosserieverstärkungen. Diese könne durch Faserverbundwerkstoffe erfolgen, die Mehrkosten könnten durch Metallbauteile mit geringerer Blechdicke ausgeglichen werden. Durch den Einsatz neuer Werkstoffe wie FVK könne das Gewicht von Fahrzeugen gesenkte und die Reichweite von Automobilen mit elektrifizierten Antrieben erhöht werden.

Mit vielen Beispielen und Anregungen für die Zuhörer fesselte Professor Dr. Wellnitz das Plenum in seinem Vortrag „Automobile Wege ins 21. Jahrhundert - Fahrzeuge bewohnen unseren Planeten“. Er betont dabei, dass das Wachstum von produzierten Automobilen um ein Vielfaches höher ist, als das Wachstum der Menschheit. Dabei könne das Auto nicht nur Fortbewegungsmittel, sondern auch Wohnraum sein, geliebt werden und in der Familie einen immens hohen Stellenwert einnehmen. Das Verkehrsnetz vergleicht Professor Dr. Wellnitz mit den „Adern“ des Menschen. Auch ein „Infarkt, Stau, mit der Folge nichts geht mehr“, sei ähnlich wie beim Menschen möglich. Nach seiner Einschätzung wird es bei den Antrieben noch eine lange Zeit dauern, bis sich ein ähnliches bewährtes Konzept wie der Ottomotor durchsetzen wird. „Elektroantriebe mit Batteriespeicher wie heute sind nur ein kleiner Zwischenschritt dazu“, ist er überzeugt.

Trotz höherer Ansprüche Gewichtsreduktion möglich

Wie trotz verbessertem Insassenschutz, besserer Ausstattung und einem längeren Radstand Verbrauchs- und auch Gewichtsreduktion in der Karosserie erreichbar ist, zeigte Philipp Kellner (Porsche AG) in seinem Vortrag „Karosseriekonzepte der Zukunft – Porsche Intelligent Material Concept“. Dies habe man im aktuellen Porsche 911 durch Mischbauweise geschafft, einem Mix unterschiedlicher Materialien in der Karosseriestruktur. Aluminiumbleche und -profile, gegossene Aluminiumbauteile, kalt- und warmumgeformte Stähle sowie gegossene Karosserieanbauteile aus Aluminium aber auch Magnesium finden Verwendung. Am Beispiel des neuen 6er Gran Coupés der BMW Group zeigte Holger Stauch den spezifischen Einsatz von Leichtbau-Werkstoffen unter Berücksichtigung der Berechnung und Verfahren in der anschließenden Fertigung. Die Steifigkeit und die passive Sicherheit müssen dabei natürlich gewährt werden, um den Kundenanforderungen nicht nur zu entsprechen, sondern diese idealer weise auch zu übertreffen.

Das Thema der Fertigungstechnologien für den Leichtbau nahm Professor Dr. Griesbach von der Hochschule Ingolstadt auf. Ressourcenverknappung und -verteuerung, ein gestiegenes Umweltbewusstsein aber auch gesetzliche Vorgaben erhöhen die Innovationsgeschwindigkeit, die Entwicklung von neuen Produkttechnologien, -konzepten sowie Fertigungstechnologien. Ein Leichtbautrend sei im Automobilbau die Verwendung von Modulbaukästen in der Produktion. Hierdurch könnten Standardisierungs- und Skalierungseffekte genutzt werden, Voraussetzung sei eine Architek-turgleichheit.

Mit einem Rundgang durch die laufende BMW-Produktion im Werk Dingol-fing wurde das 6. Landshut-Ingolstädter Leichtbausymposium abgeschlos-sen. Den Teilnehmern wurde bei der zweieinhalbstündigen Besichtigungstour der Einblick in das Presswerk, den Karosseriebau und in die Montage gewährt. Hier konnten Fachspezialisten aus dem Hause BMW den hochinteressierten Teilnehmern den komplexen und ineinandergreifenden Ablauf, die zur Herstellung des Fahrfertigen Automobils nötig sind, näher bringen, wie Marc Bicker, Manager Leichtbau-Cluster, zusammenfasst.