Wissenswerk Landshut: Öffentliche Vernunft – vernünftige Öffentlichkeit. Jürgen Habermas als streitbarer Intellektueller.

25. November 2019
19:00 Uhr
Hochschule Landshut, Raum G0 12/13
Hochschule, Hochschulgemeinde, BMW Group Werk Landshut

Im Jahr des 90. Geburtstags von Jürgen Habermas befasst sich Prof. Dr. Thomas M. Schmidt (Goethe-Universität Frankfurt am Main) mit dem Werk des weltweit meistrezipierten Philosophen und Soziologen und dem Zusammenhang zwischen Vernunft, Öffentlichkeit, Diskurs und Demokratie.

Im politischen Diskurs der Gegenwart dominieren die schrillen und irrationalen Töne. Die Stimme der Vernunft ist dagegen leise geworden, in der Öffentlichkeit kaum mehr zu vernehmen. Je stärker politische Überzeugungen den Charakter von privaten Meinungen annehmen, die sich in den Echokammern der sozialen Medien nur noch selbst bespiegeln, desto wütender und unvermittelter prallen sie in der Öffentlichkeit aufeinander. Wenn die Vernunft ihre öffentliche Wirkung verliert, wird die Öffentlichkeit unvernünftig.

Wie kein zweiter deutschsprachiger Philosoph hat Jürgen Habermas beharrlich an den inneren Zusammenhang zwischen Öffentlichkeit und Vernunft erinnert. Ganz im Sinne der Aufklärung Kants ist er der Auffassung, dass eine Meinung nur dann einen Anspruch auf Achtung und Geltung erheben kann, wenn sie sich vor dem öffentlichen Gerichtshof der Vernunft möglichen Einwänden stellt und diese mit Gründen erwidert. Zugleich kann die politische Öffentlichkeit nur dann demokratisch bleiben, wenn sie den Streit der Meinungen nach vernünftigen Regeln austrägt. Dieser innere Zusammenhang von Vernunft und Öffentlichkeit, zwischen Diskurs und Demokratie, prägt das Werk von Jürgen Habermas. Dieser Zusammenhang spiegelt sich auch in der doppelten Rolle, die Habermas für die politische Kultur der Bundesrepublik eingenommen hat – als kritischer philosophischer Beobachter und als streitbarer Intellektueller, der sich immer wieder einmischt und die Stimme der Vernunft in den öffentlichen Debatten unserer Zeit zu Gehör bringt.

Die Arbeitsbereiche von Prof. Dr. Thomas M. Schmidt sind Religionsphilosophie, Philosophische Theologie, Sozialphilosophie; Deutscher Idealismus, Pragmatismus, Kritische Theorie und Diskurstheorie. Er studierte Philosophie, Katholische Theologie und Soziologie an der Goethe-Universität und an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen, beide in Frankfurt am Main. Promotion und Habilitation erfolgten im Fach Philosophie an der Goethe-Universität, Gutachter war bei beiden u.a. Jürgen Habermas. Seit 2003 hat er die Professur für Religionsphilosophie am Fachbereich Katholische Theologie inne; kooptiert am Institut für Philosophie, Fachbereich Philosophie und Geschichtswissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Prof. Dr. Schmidt ist u.a. Geschäftsführender Direktor des Instituts für Religionsphilosophische Forschung (IRF) der Goethe-Universität Frankfurt am Main sowie Principal Investigator im Exzellenzcluster 243 "Die Herausbildung normativer Ordnungen". Er gehört dem Beirat bzw. dem Advisory Board der Zeitschriften "FUGE. Journal für Religion und Moderne" und "European Journal für Philosophy of Religion" an, zusätzliche fungiert er als wissenschaftlicher Gutachter renommeirter Forschungsstiftungen. 

Die Veranstaltungsreihe Wissenswerk Landshut ist eine Kooperation zwischen Hochschule Landshut, Hochschulgemeinde und BMW Group Werk Landshut. Aus unterschiedlichen Perspektiven werden Themen rund um die Frage nach dem Wissen über das Wissen beleuchtet.

Eine Anmeldung zur kostenfreien Teilnahme an der Veranstaltung ist nicht notwendig. Weitere Informationen unter www.wissenswerk-landshut.de.

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