Kopfzerbrechen und Fingerverknoten

Tagungsbericht zur DGS-Lehre-Tagung vom 27./28. Februar 2020

Auch in den Semesterferien blieben die Räume der Hochschule nicht leer – zumindest in den Tagen, als Corona noch nicht um sich gegriffen und den Campus in menschenleere Flure verwandelt hat…

Vom 27. bis zum 28. Februar waren an der Hochschule Vertreter/innen der Gebärdensprach-Lehre aus ganz Deutschland zu Gast. Denn diesmal waren die Dozierenden aus dem Studiengang Gebärdensprachdolmetschen Landshut Gastgeber/innen der "DGS-Lehre-Tagung".

Die Tagung bietet Möglichkeiten zum intensiven Austausch über Lehrmaterialien und Didaktik-Konzepte - dieses Mal mit dem Fokus auf Möglichkeiten zur Anbindung der Lehre an den Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen (GERS).

Genauso wie sich Konzepte für das Erlernen fremder Lautsprachen am GERS orientieren, folgt auch die Lehre der deutschen Gebärdensprache (DGS) dem gemeinsamen europäischen Referenzrahmen. Dieser unterteilt das Sprachenlernen in verschiedene Niveau-Stufen. So umfasst zum Beispiel die Stufe A1 elementare Grundkenntnisse – quasi die ersten Schritte auf dem Weg zur neuen Sprache, während C2 das muttersprachliche Niveau beschreibt, die vollständige Beherrschung der Sprache.

Auch die angehenden Gebärdensprachdolmetscher/innen, die an der Hochschule Landshut von Muttersprachler/innen der deutschen Gebärdensprache unterrichtet werden, erklimmen während des Studiums die verschiedenen Niveaustufen und müssen ihre Kenntnisse in praktischen Sprachprüfungen unter Beweis stellen.

Wie man die Seminare und die Prüfungen entsprechend dem GERS gestalten kann, wurde bei der Tagung nicht nur diskutiert, sondern auch anhand zahlreicher Impulsvorträge und Workshops praktisch ausprobiert. Dabei war den Lehrenden, die hier als muttersprachliche C2-Experten aufeinandertrafen, aber ein großes Anliegen, weiterhin die Perspektive der Studierenden nicht aus dem Blick zu verlieren…

Denn was für eine/n Muttersprachler/in einfach erscheint, bereitet den Studierenden häufig Kopfzerbrechen und Fingerverknoten. Im Austausch mit den Studierenden zu bleiben und ihre Perspektive mit einzubeziehen – das macht gute Lehre aus.

Nach zwei intensiven Tagen machten sich die Teilnehmenden wieder auf den Weg an ihre eigenen Hochschul- und Universitätsstandorte. Mit im Gepäck: jede Menge Inspiration für das neue Semester, die nun in ganz Deutschland mit den DGS-Lehre-Teams geteilt wird. Somit wird die DGS-Lehre-Tagung zum wichtigen Multiplikator, wenn es um frische Ideen in der gebärdensprachlichen Lehre geht.

Alina Reidelstürz