"Flauserei" aus München – oder: Wie man durch Zufall Unternehmer wird

Praxiswissen aus erster Hand erhielten die Studierenden des Bachelorstudiengangs Wirtschaftsingenieurwesen bei einem Vortrag eines Start-up-Entrepreneurs aus München.

Praxiswissen aus erster Hand erhielten die Studierenden des Bachelorstudiengangs Wirtschaftsingenieurwesen bei einem Vortrag eines Start-up-Entrepreneurs aus München. Der Lehrbeauftragte, Diplom-Kaufmann Oliver Brockmann, hatte Jörg Wizigmann, den „Erschaffer“ des Münchner Kultgetränkes „Flause“, eingeladen. Vor über 120 Studenten/innen erläuterte der Referent viele interessante Aspekte und Hintergründe zur Gründung und Weiterentwicklung eines Unternehmens und wie er durch Zufall auf seine Geschäftsidee stieß.  

Auf einer Afrikareise lernte Wizigmann, selbstständiger Landschaftsarchitekt und Gärtner, die  Limonade „Bissap“ kennen, ein Getränk aus Hibiskus und Ingwer. „Das Getränk wird auf der ganzen Welt getrunken, nur nicht in Europa“, so der Jungunternehmer. Wieder zurück in Deutschland wollte Wizigmann jedoch kein Getränkeproduzent werden, sondern das Getränk einfach nur zuhause genießen. „Bei uns gibt es dieses Getränk jedoch nicht“, so Wizigmann.  Nach einiger Recherche war das Grundrezept entwickelt und die ersten Flaschen wurden bei einem befreundeten Kneipier in der Küche hergestellt. „Wir haben die ersten Flaschen nur für uns und unsere Freunde gebraut. Als es dann immer besser ankam, sind wir da so reingerutscht“, so Wizigmann. Die Freunde halfen auch beim Brainstorming, um dem „Kinde einen Namen zu geben“. Nach vielen interessanten Vorschlägen setzte sich dann „Inge“ als Name durch. Nachdem die ersten Flaschen mit dem neuen Namen bedruckt waren, stellte sich jedoch heraus, dass kurz zuvor ein anderer Hersteller sich ebenfalls diesen Namen hatte schützen lassen.

„Wir haben dann einen neuen Namen gesucht, wobei diesmal das Brainstorming ohne wirkliches Ergebnis verlief“, so der Referent. Ein Kumpel hat dann spontan gemeint, das Getränk sei eine „Offenbarung und Erkenntnis“. In den Thesaurus eingetippt, stand der neue Name fest: „Flause“.

Doch dann ging die Arbeit des Jungunternehmers erst so richtig los. „Versuchen sie so viel wie möglich fremd zu vergeben, es gibt für alle Tätigkeiten Unternehmen, die das besser und günstiger können als Sie selbst“, gibt Wizigmann, der das Unternehmen zusammen mit seiner Freundin führt, den Studenten mit auf den Weg für eine spätere eigene unternehmerische Selbstständigkeit. Viele Formalien müssen erledigt werden: Eintragung im Markenregister, Domainanmeldung, Design von Etiketten, Launching der Facebook-Seite, Beantragung der Bio-Zertifizierung. Was jedoch überraschend war: „Wenn Sie Lebensmittel herstellen wollen, brauchen Sie keine besondere Genehmigung, so lange Sie keinen Alkohol verarbeiten“.

„Wenn man für den Markt in größeren Stückzahlen produzieren möchte, muss man als  Unternehmer professioneller vorgehen“. Hatte man bisher den Ingwer noch selbst geschält und die Grundstoffe  zusammengemischt, fand man jetzt Partner für die Herstellung der Essenz, die Abfüllung und die Etikettierung. Wir sind peu à peu immer „professioneller“ geworden, ohne das wir es geplant hatten.

Momentan wird „Flause“ in 50 „Lokalen“ und in zwei Geschäften in der Landeshauptstadt München vertrieben. „Wir arbeiten daran, diesen Kreis ständig auszubauen“, sagt Wizigmann. Für die Zukunft soll die Anzahl der Verkaufsstellen weiter vergrößert werden, gerne auch hier in Landshut. Am Ende des Vortrags konnten sich die Studenten bei einer Kostprobe selbst von der „Flause“ überzeugen.

Autor: Oliver Brockmann