Ein Einblick in Energiehandel und Überwachung

Landshuter Energiegespräch zur Leipziger Energiebörse

Am Montagabend stand der Börsenhandel mit Energie im Fokus des Landshuter Energiegesprächs. Als Gast begrüßte die Hochschule dazu Marcel Schiele, Senior Expert der Handelsüberwachungsstelle an der European Energy Exchange (EEX). Die EEX ist der größte kontinentaleuropäische Marktplatz für Energie und energienahe Produkte und Teil der EEX-Gruppe, einer Unternehmensgruppe, die den europäischen Energiehandel maßgeblich prägt. Sie schafft Transparenz mit anerkannten Handelspreisen und durch die Veröffentlichung der Marktdaten (Preise und Volumina). An den Märkten der EEX-Gruppe  werden  Strom, Erdgas  und Emissionszertifikate gehandelt, aber auch weitere Rohstoffe wie Kohle, Dünger oder Agrarprodukte. Banken und  Energiehandelsunternehmen gehören genauso zu den Kunden der EEX wie regionale Stadtwerke, Energieversorger und Industriekunden.

Im Gespräch erläuterte Schiele die Entwicklung der EEX von einer lokalen Strombörse hin zu einem europäischen Handelsplatz für Energie und Commodities mit internationalen Partnerschaften. Ein Wendepunkt für die Energiebranche insgesamt sei die Fukushima-Katastrophe. Der Großhandelspreis am Strom-Terminmarkt sei in den vergangenen Jahren gefallen. „Das zeigt, dass die Folgen von Fukushima und dem Abschalten von Atomkraftwerken nicht, wie anfangs durch Marktteilnehmer befürchtet, in höheren Großhandelspreisen mündeten. Durch die Energiewende und regenerative Energiequellen sehen wir derzeit sogar ein Überangebot an Strom auf dem Markt“, so Schiele. Vor allem erneuerbare Energien, wie Windkraft, wirkten sich preisdämpfend auf die Strompreise aus.

Weiterhin gab Schiele einen Einblick in den Emissionshandel. Mit dem Kyoto-Abkommen haben sich zahlreiche Industrienationen verpflichtet, den CO2-Austoß jährlich um zwei Prozent zu reduzieren. Unternehmen können bei Bedarf an der EEX Emissionszertifikate handeln, die dazu dienen, den Ausstoß von CO2 zu kompensieren. „Auch hier sind die Preise in den letzten Jahren auf Grund des Überangebots in Folge der Finanzkrise zwischen 2011 und 2013 zunächst gefallen, erholen sich durch regulatorische Eingriffe auf europäischer Ebene (Backloading, Marktstabilitätsreserve) jedoch seit Frühjahr 2013 wieder.“

In seinem Vortrag stellte Schiele zudem seine Funktion in der Handelsüberwachungsstelle (HÜSt) vor. Die Handelsüberwachungsstelle ist ein unabhängiges Börsenorgan, das den Börsenhandel überwacht und den Weisungen der Börsenaufsichtsbehörde, im Falle der EEX angesiedelt im Wirtschaftsministerium des Freistaates Sachsen, untersteht. Zusammen mit seinen Kollegen beobachtet Schiele den Markt und das Handelsgeschehen, um sicherzustellen, dass Handel und Abwicklung der Geschäfte im Rahmen des börslichen Regelwerkes ablaufen.