Dominik Heinemann, Dipl.-Ing. (FH), trifft Prof. Dr. rer. pol. Markus Schmitt

Im zweiten Alumni Interview besuchte Prof. Dr. Markus Schmitt aus der Fakultät Elektrotechnik und Wirtschaftsingenieurwesen seinen ehemaligen Studenten Dominik Heinemann an seinem neuen Arbeitsplatz, der Schott AG in Landshut. Heinemann berichtet von seinen Auslandserfahrungen während und nach dem Studium, von den fussballerischen Qualitäten der Professoren und den Vorzügen eines starken Alumni-Netzwerkes.

Prof. Dr. Schmitt: Herr Heinemann, es ist schön, dass wir uns hier in Landshut bei der Schott AG wiedertreffen. Was ist Ihre jetzige Tätigkeit?

Heinemann: Meine jetzige Tätigkeit ist zweigeteilt. Zum einen bin ich seit Anfang des Jahres der Leiter der Dispositions- und Produktionsplanung. Das heißt, ich bin zusammen mit meinem 8-köpfigen Team dafür verantwortlich, die Ressourcen im Unternehmen so zu steuern, dass der Produktionsablauf bei bestehenden Kapazitäten möglichst reibungslos und wirtschaftlich abläuft. Zum anderen arbeitet mein Unternehmen daran, die Lean Management Prinzipien in die einzelnen Unternehmensbereiche zu transferieren – im Bereich Logistik- und Produktionsplanung ist es hier meine Aufgabe, Verbesserungsprojekte durchzuführen und voranzutreiben.

Prof. Dr. Schmitt: Das heißt, Sie haben wirklich zentrale Inhalte des Wirtschaftsingenieurwesens in Ihrer Aufgabe.

Heinemann: Ja. Für meine berufliche Tätigkeit wurde mir genau das richtige Handwerkszeug mitgegeben. Als Produktionsplaner und Projektmanager ist man meistens in Schnittstellenbereichen unterwegs. Ich setze mich sowohl mit dem Bereich Logistik, Fertigungsleitung, Qualität, IT, dem Controlling und dem Vertrieb – der Kunde ist die wichtigste Stimme – auseinander.

Prof. Dr. Schmitt: Sie haben vor Ihrer jetzigen Tätigkeit bereits Berufserfahrung gesammelt. Waren Sie da in einem ähnlichen Aufgabengebiet tätig?

Heinemann: Im Rahmen meiner Diplomarbeit bin ich bereits in die Prozessoptimierung und Materialflussoptimierung eingestiegen und habe schnell gemerkt, dass mir dieses Aufgabengebiet Spaß macht. Ich habe nach meiner Diplomarbeit gezielt ein Unternehmen gesucht und gefunden, welches mich auf diesem Gebiet weiterbildet und dann die Chance genutzt, eine mehrwöchige internationale Ausbildung zum Six Sigma Black Belt zu absolvieren. Dabei erlernt man spezielle Tools der Prozessoptimierung und des Projektmanagements. Zudem wurde ich im Lean Management ausgebildet. Das war in einem multinationalen Konzern mit Hauptsitz in den USA mit über 16 000 Mitarbeitern und 4,5 Milliarden Dollar Umsatz, bei dem man gute Möglichkeiten hat, international Erfahrung zu sammeln. Zum Beispiel war ich für eine Produktverlagerung nach China verantwortlich. Ich glaube, kein Wirtschaftsingenieur wird davor gewahrt sein, international tätig zu sein. Also ich kenne keinen, der kein internationales Arbeitsumfeld hat.

Prof. Dr. Schmitt: Ich glaube, dass Sie auch gezielt während des Studiums versucht haben, sich international zu bewegen. Wo waren Sie da?

Heinemann: Ich war für ein Auslandssemester in Neuseeland und habe dort Vorlesungen besucht, mit deren Inhalt ich bereits vertraut war. So ist es mir leichter gefallen, den Stoff nachzuvollziehen. Das Studium in Neuseeland war für mich kein Mehrwert an Wissen, sondern es waren vielmehr die Sprache, das Umfeld, die Kultur und die damit verbundene Selbstständigkeit, die mich weitergebracht haben. Was ich vielleicht dazu sagen muss – und das ist schade: Ich habe versucht über die Hochschule Kontakte zu Partnerhochschulen im Ausland zu bekommen, aber das war im Bereich Wirtschaftsingenieurwesen relativ schwierig. Da ist unser Netzwerk – ich sage jetzt bewusst unser Netzwerk – nicht so gut wie an anderen Hochschulen.

Prof. Dr. Schmitt: Das ist ein wichtiger Hinweis für uns, damit wir weiterhin versuchen hier mehr Möglichkeiten aufzubauen. In den 4 Jahren, die seit Ihrem Auslandsaufenthalt vergangen sind, treibt die Hochschule die internationale Öffnung weiter voran, was man nicht zuletzt an der Implementierung eines Vizepräsidenten für Internationalisierung sieht.
Wenn ich mich richtig erinnere, dann haben wir ja eines gemeinsam. Wir haben beide gemeinsam an der Hochschule in Landshut begonnen. Sie im ersten Semester Wirtschaftsingenieurwesen und ich als neuer Professor.

Heinemann: Richtig!

Prof. Dr. Schmitt: Und seitdem sind achteinhalb Jahre vergangen. Wenn Sie an Ihre Studienzeit zurückdenken, was war denn das Ereignis, das Sie am stärksten in Erinnerung behalten haben?

Heinemann: Es waren mehrere und mir fällt eigentlich zu jedem Professor etwas ein. Sie z.B. haben uns oft nach Feedback zu Folien gefragt, die dann ausgebessert wurden. Der enge Kontakt zwischen Professoren und Studenten war sehr schön. Ich fand auch das Fußballturnier zwischen Professoren und Studenten spannend.

Prof. Dr. Schmitt: Das könnte sogar das gewesen sein, bei dem ich auch mitgespielt habe, gegen die Damenmannschaft. (lacht)

Heinemann: Also die Professoren machen am Pult eine deutlich bessere Figur. (lacht)

Prof. Dr. Schmitt: Nachdem wir über Ihre Studienzeit gesprochen haben wäre jetzt noch die Frage: Was ist denn so das aufregendste Erlebnis in Ihrer beruflichen Laufbahn gewesen?

Heinemann: Im November vor einem Jahr habe ich im Rahmen meiner Six Sigma Black Belt Ausbildung ein spannendes Verbesserungsprojekt abgeschlossen. Die Mittel, die ich dafür beantragt habe beliefen sich auf 40.000 Euro und der wirtschaftliche Nutzen betrug über 400.000 Euro. Nach erfolgreichem Abschluss wurde das Projekt im Top-Level Management in den USA präsentiert – das Ganze natürlich auf Englisch. Ich wusste oft gar nicht, dass da ein Vorstandsmitglied oder ein hochrangiger Geschäftsführer vor mir steht. Das war sehr spannend, weil sich unser Team gegen mehr als 20 weltweite Verbesserungsprojekte durchgesetzt hat und als bestes Gesamtprojekt des Jahres im Bereich Prozessoptimierung ausgezeichnet wurde.

Prof. Dr. Schmitt: Das ist aber doch eine schöne Bestätigung der eigenen Arbeit.

Heinemann: Ja, das hätte ich nicht gedacht. Es gab aber auch kritische Momente: Im gleichen Projekt hat mir mein Chef eine Vorgabe für das Projekt gemacht. Ich habe mich nicht daran gehalten und stattdessen einen anderen Weg gewählt. Es hat sich herausgestellt, dass ich Recht hatte. Mein Chef hat mich im Nachhinein für meine Hartnäckigkeit gelobt. Ich möchte dennoch nicht wissen, was gewesen wäre, wenn ich nicht recht gehabt hätte. Aber man muss auch mal seinen eigenen Weg gehen.

Prof. Dr. Schmitt: Sie haben Ihr Studium mit ca. 80 Mitstudenten im ersten Semester begonnen. Haben Sie noch Kontakt zu einigen Ihrer Kommilitonen?

Heinemann: Ja, natürlich. Es gibt so drei Wege: Erstens habe ich zwei Kommilitonen, mit denen ich noch sehr eng befreundet bin. Darüber hinaus habe ich andere ehemalige Kommilitonen, mit denen treffe ich mich regelmäßig einmal im Jahr zum Skifahren. Wir blocken alle schon früh unseren Urlaub extra dafür. Zum dritten halte ich Kontakt durch Online-Netzwerke.

Prof. Dr. Schmitt: Sie haben ja mitbekommen, wir bauen ein Alumni Netzwerk auf. Gibt es konkrete Anforderungen, die Sie an ein Alumni Netzwerk stellen?

Heinemann: Natürlich wäre ich gerne Bestandteil des Alumni Netzwerkes, es ist nur die Frage: Was ist ein Alumni Netzwerk? Für mich bedeutet ein Netzwerk, dass man in regelmäßigen Abständen gemeinsam etwas unternimmt und die Möglichkeit hat, über den kurzen Weg miteinander in Kontakt zu treten. Was braucht man dafür? Es muss organisiert werden, sei es durch die Hochschule, sei es durch die Alumni. Es ist extrem wichtig so ein Netzwerk überhaupt zu haben, denn in einem Alumni Netzwerk sind immer Leute, mit denen man sich vergleichen kann. Man kann sehen, wer sich in eine bestimmte Richtung entwickelt hat und wie er das geschafft hat? Wenn ich meine ehemaligen Kommilitonen treffe, geht es oft um die Arbeit. Mit wem sonst kann man sich über so etwas völlig unvoreingenommen unterhalten? Also: Es ist eine schöne Basis und man hat ja eine Gemeinsamkeit, 4 Jahre Studium, das ist nicht gerade wenig.

Prof. Dr. Schmitt: Das erinnert mich an die drei typischen Arten von Netzwerken: Das private, in dem man viel Zeit verbringt, das strategische, z.B. Leute, mit denen ich immer mal wieder Kontakt habe und kritische Punkte diskutiere und das operative im Betrieb, z.B. „Wen frage ich, um die Betriebsführung hinzukriegen?“. Das Alumni-Netzwerk ähnelt dem strategischen Netzwerk, in dem man schnell die richtigen Leute findet, um für sich etwas Berufliches zu klären.

Heinemann: Ja, das trifft es am allerbesten. Gerade wenn man sich beruflich neu orientieren möchte gibt es immer jemanden, der dazu etwas weiß. Ich habe Ende des Jahres auch alle meine Quellen angezapft.

Prof. Dr. Schmitt: Haben Sie schon Vorstellungen, wie es beruflich weitergehen könnte?

Heinemann: Da muss ich differenzieren. Ich habe jetzt mit der Diplomarbeit und den letzten 4 Jahren Berufserfahrung eine Richtung eingeschlagen, in der ich mich weiter spezialisieren will. Das erste Ziel ist also, sich fachlich zu vertiefen. Dass zweite Ziel besteht darin, mich in der Mitarbeiterführung weiterzuentwickeln, denn ich habe seit kurzem Personalverantwortung. Über die langfristigen Ziele kann ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht viel sagen. Ich bin da eher so der Typ, der nicht versucht etwas zu erzwingen. Es gibt immer sehr viele Chancen und Wege im Berufsleben – wenn sich etwas Gutes ergibt, bin ich auf alle Fälle da.

Prof. Dr. Schmitt: Herr Heinemann, vielen Dank für die ausführlichen Antworten.

Heinemann: Vielen Dank für Ihr Kommen! Es hat mich sehr gefreut.