Vortrag „Religionskritik“ von Manuel Kellner

16. April 2019
19:00 Uhr
- 21:00 Uhr

Vortrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe im Sommersemester 2019 von (in)visible borders 

Titel: "Religionskritik"

Referent: Manuel Kellner

Datum: 16.04.2019

Uhrzeit: 19 bis 21 Uhr

Raum: D0 02

Beschreibung: 

In der Tradition der Aufklärung sind verschiedene Argumentationsmuster der Religionskritik entwickelt worden. Die Wahrheit der Dogmen ist bestritten worden. Die einen Aufklärer haben die Priesterschaft des Betrugs zum eigenen Vorteil überführt, die anderen haben die Religion für nützlich zur Disziplinierung des einfachen Volkes erklärt. Wieder andere unterzogen die für heilig erklärten Texte einer eingehenden Kritik.

Mit dem Philosophen und Hegel-Schüler Ludwig Feuerbach kam im 19. Jahrhundert eine Wende in der Religionskritik. Feuerbach ging es nicht mehr um die Wahrheit oder Unwahrheit der Dogmen, sondern er entzifferte sie als Projektionen des menschlichen Wesens und als unbewussten Ausdruck menschlicher Wünsche und Bedürfnisse.

Marx ist von der Kritik der Religion übergegangen zur Kritik der gesellschaftlichen Verhältnisse, insbesondere zur Kritik der kapitalistischen Produktionsweise sowie jeglicher Ausbeutung und Unterdrückung.

Ob die emanzipatorischen Hoffnungen verwirklicht werden oder nicht, in jedem Falle bleibt der „kategorische Imperativ“ von Karl Marx in Kraft, nämlich „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist“.

In der Zwischenzeit nimmt religiöse Befangenheit wieder zu, ungeachtet der Krise der Kirchen. Gerade fundamentalistische und esoterische Formen sind im Aufwind. Das hängt zusammen mit dem Rückgang der Hoffnungen auf Selbstbefreiung im Diesseits.

Bei der kritischen Auseinandersetzung mit der Religion sollte nicht hinter Feuerbach und Marx zurückgefallen werden. Die Denunziation der beruflichen und politischen Nutznießer der verschiedenen Glaubensrichtungen reicht nicht. Gegenüber religiösen Menschen ist einfühlendes Verstehen wichtig: Welche menschlichen Bedürfnisse drücken sich bei ihnen in religiösen Formen aus? Wie können sie für den gemeinsamen Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung gewonnen werden?

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