Wie sieht unsere Mobilität der Zukunft aus?

Hochschul-Netzwerk INDIGO diskutierte am 23.November über hoch- und teilautomatisiertes Fahren und E-Autos in Zeiten der Digitalisierung

Wie wirkt sich die Digitalisierung auf unsere Mobilität aus? Welche Chancen und Risiken bergen automatisierte Fahrzeuge? Und wie kann Elektromobilität in den Alltag integriert werden? Diesen und weiteren Fragen widmete sich am vergangenen Freitag die Jahreskonferenz des Netzwerks Internet und Digitalisierung Ostbayern (INDIGO), dem die sechs ostbayerischen Hochschulen OTH Amberg-Weiden, OTH Regensburg, TH Deggendorf, Hochschule Landshut, Universität Passau und Universität Regensburg angehören. Gastgeber der Veranstaltung war die TH Deggendorf, die Konferenz wurde erstmals in Kooperation mit dem Zentrum Digitalisierung.Bayern (ZD.B) und dem Projekt TRIO – Hochschulverbund Transfer und Innovation Ostbayern organisiert.

Die mehr als 170 Teilnehmenden aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik hatten im Rahmen der Konferenz die Möglichkeit, Einblicke in neueste Forschungsergebnisse zu erhalten, sich über innovative Mobilitätskonzepte auszutauschen und sich mit Expertinnen und Experten unterschiedlicher Fachdisziplinen im Bereich der Mobilitätsforschung zu vernetzen.


Trend zur geteilten Mobilitätsnutzung

Referenten der Hochschule Landshut waren Prof. Dr. Dieter Nazareth sowie Prof. Dr. Christian Seel, Julian Dörndorfer und Daniel Hilpoltsteiner. Nazareth sprach über den Megatrend der Automobilindustrie „Mobility-as-a-Service (MaaS)“. Bei dieser Idee der geteilten Mobilitätsnutzung steht nicht mehr der Besitz eines Fahrzeuges im Vordergrund, sondern allein der Wunsch, mobil zu sein. Nazareth erläuterte, welchen gewaltigen Einfluss dieser Paradigmenwechsel auf die deutsche Automobilindustrie hat. So müssen sich Erstausrüster und Zulieferbetriebe den Anforderungen der Mobilitätsdienstleister anpassen und neue, optimierte Fahrzeuge zur Verfügung stellen. Andernfalls würden sie von neuen Firmen verdrängt, die diesen Markt besetzen.


Rettungsgassen-App als mobiler Helfer im Straßenverkehr

Seel, Dörndorfer und Hilpoltsteiner stellten die von ihnen entwickelte Rettungsgassen-App für Smartphones vor, die in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Innenministerium und dem ADAC e.V. entstanden ist. Sie erfasst automatisch die Verkehrssituation über die Verkehrsdaten der Polizei und die Benutzerdaten und informiert Autofahrer rechtzeitig über Unfälle und Staubildung. Zusätzlich wird dem Fahrer eine Grafik zur Bildung einer Rettungsgasse angezeigt. Damit reagiert die App auf die Unsicherheit vieler Verkehrsteilnehmer, wann und wie eine Rettungsgasse zu bilden ist – vor allem bei mehr als zwei Spuren. Da es gerade bei schweren Unfällen auf jede Minute ankommt, bis die Rettungskräfte den Unfallort erreichen, kann diese App somit ein echter Lebensretter sein.


Ist automatisiertes Fahren ethisch verantwortbar?

Zu den Höhepunkten der Konferenz zählten zudem die Vorträge von Dr. Tobias Hesse vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. sowie von Prof. Dr. Dirk Heckmann (Universität Passau), Mitglied der Datenethikkommission der Bundesregierung. Hesse sprach über hoch- und teilautomatisiertes Fahren in digitalisierten Verkehrsräumen und erläuterte, wie derzeit ein Paradigmenwechsel weg von der „autogerechten Stadt“ hin zur „menschengerechten Stadt“ stattfindet. Heckmann betrachtete das Thema aus rechtswissenschaftlicher und ethischer Perspektive und gab einen Einblick in die Zwischenerkenntnisse der Ethikkommission bezüglich Daten und Zukunft der Mobilität.
Der nächste Workshop des Netzwerks INDIGO wird am 31. Januar 2019 zum Thema „IT-Sicherheit und Privacy“ an der Universität Passau stattfinden. Eine Transfer-Konferenz ist im September 2019 in Regensburg geplant.