Wie nutzen Väter Elterngeld?

In einem Teilprojekt des Bayerischen Forschungsverbunds ForGenderCare untersuchen Wissenschaftlerinnen, ob und wie Väter in Bayern Elterngeld beziehen – und welche Gründe dahinterstecken.

Über 40 Prozent der Väter in Bayern entscheiden sich, Elterngeld zu beziehen. Doch obwohl ihnen gesetzlich bis zu zwölf Monate zustehen, belässt es die Mehrheit (85 Prozent) bei zwei Monaten. Im Forschungsprojekt „Care-Praxen von Vätern in Bayern“ erforschen Kathrin Peltz und Luisa Streckenbach unter der Leitung von Prof. Dr. Barbara Thiessen (Hochschule Landshut, qualitativer Forschungsteil) und Dr. Laura Castiglioni (DJI München, quantitativer Forschungsteil), ob und wie Väter Elterngeld beziehen und warum sie sich dafür oder dagegen entscheiden. Ebenso interessieren Vor- und Einstellungen zu Vaterschaft, welche Aufgaben Väter übernehmen und wie sie, in Aushandlung mit ihrer Partnerin, die Zeit mit ihren Kindern gestalten.

Die Auswertung zeigt: Es gibt in Bayern bemerkenswerte regionale Unterschiede in der Häufigkeit der Inanspruchnahme von Elterngeld. So beantragt in Würzburg jeder zweite Vater Elterngeld, in Weiden in der Oberpfalz nur jeder vierte. Insgesamt findet man mehr Väter in den Landkreisen, die Elterngeld beanspruchen als in kreisfreien Städten. Dabei spielt auch die Lage des regionalen Arbeitsmarkts eine Rolle: Eine hohe Arbeitslosenquote von Männern hemmt die Väterbeteiligung am Elterngeld, während eine hohe Erwerbsbeteiligung von Frauen diese fördert.

Die Interviews mit den Vätern und Paaren verdeutlichen, dass beim Elterngeldbe-zug familieninterne Motive und der Zeitpunkt der „Vätermonate“ zusammenhängen. So beanspruchen Väter häufig nach der Geburt Elterngeld, um die Mutter während des Wochenbetts zu entlasten und älteren Kinder zu betreuen, etwa bei der Eingewöhnung in die Kita. In der Mitte der 14 Monate wird Elternzeit ebenfalls eher gemeinsam genutzt, etwa für gemeinsamen Urlaub. Nimmt der Vater das Elterngeld gegen Ende der 14 Monate in Anspruch, dann häufig, um den Wiedereinstieg der Partnerin in die Erwerbsarbeit zu erleichtern. Welche Aufgaben Väter im Elterngeldbezug übernehmen, wird auch davon beeinflusst, ob die Eltern parallel Elterngeld beziehen oder nacheinander. In der Stichprobe Wissenschaftlerinnen übernehmen die Väter nur dann umfassend Kinderversorgung und Hausarbeit, wenn sie das Elterngeld nicht parallel zur Partnerin beanspruchen.

Auffallend ist, dass Elterngeldväter von einer ähnlichen Vereinbarkeitsproblematik berichten, wie sie von Müttern schon lange bekannt ist: Sich von Arbeit und Arbeits-umfeld abzulösen fällt den Vätern leichter, wenn ihre Aufgaben auch von Kollegen und Kolleginnen übernommen werden können und wenn ihre Tätigkeit keinen intensiven Kontakt mit Kundschaft oder Kollegium erfordert. Hier könnten Unternehmen Väter in aktiven Familienzeiten aktiver unterstützen.

In den kommenden anderthalb Jahren des Forschungsprojekts werden weitere Er-gebnisse erwartet. Erneute Interviews mit den Vätern nach rund einem Jahr werden Anhaltspunkte liefern, ob der Elterngeldbezug im Leben der Väter ein singuläres Ereignis bleibt oder ob sich nachhaltige Auswirkungen und Effekte erkennen lassen. Ebenso verspricht die Auswertung des bayernweiten Online-Fragebogens, der aktuell in der Erhebungsphase ist, ab Anfang 2018 detaillierte Ergebnisse zum Leben bayerischer Väter.

Erste Veröffentlichungen

  • Peltz, Kathrin; Luisa Streckenbach; Dagmar Müller; Johanna Possinger; Barbara Thiessen (2017): „Die Zeit kommt nicht wieder“: Elterngeldnutzung erwerbstätiger Väter in Bayern. In: Zeitschrift für Familienforschung, 29. Jg., H. 1, 114-135
  • Thiessen, Barbara (2017): „Entlastet von häuslichen Pflichten“ – ein trügerisches Emanzipa-tionsideal. In: Kursbuch 192 Frauen II, 62-78
  • Thiessen, Barbara (2017): Gender als vielfältige Kategorie in der Inklusionsforschung. In: Jürgen Budde, Andrea Dlugosch, Tanja Sturm (Hg.), (Re-)Konstruktive Inklusionsforschung. Differenzlinien – Handlungsfelder – Empirische Zugänge, Opladen: Budrich, 83-98