Wachsende Komplexität von Projekten erfordert hybrides Vorgehensmodell

Zwei Praxisbeispiele verdeutlichten beim Netzwerkforum Projektmanagement die vielfältigen Herausforderungen sowie Lösungsstrategien beim Umsetzen von komplexen Projekten.

Am 23. November 2023 befasst sich die mittlerweile 10. Veranstaltung der Reihe an der Hochschule Landshut mit der wachsenden Komplexität von Projekten. Das Thema lautete: „Modernes Projektmanagement für die Herausforderungen von morgen“. Dabei berichteten Markus Jung vom Automobilzulieferer LEONI und Robert Huber (Schaltbau GmbH) über ihre Erfahrungen bei der Umsetzung komplexer Projekte mit hohen Anforderungen und betonten, dass dabei sowohl strategisches Vorgehen als auch Agilität bzw. Flexibilität gefordert sind. 

Ein kleines Jubiläum konnte das Netzwerkforum Projektmanagement der Hochschule Landshut feiern: Initiator Prof. Dr. Holger Timinger (Leiter Institute for Data and Process Science IDP der Hochschule Landshut) freute sich, unter den mehr als 40 Teilnehmer*innen viele bekannte Gesichter begrüßen zu können. Ein Beleg, dass der Ansatz der Reihe, neben aktuellen Entwicklungen aus dem Bereich Projektmanagement auch das Netzwerk in den Fokus zu stellen, aufgegangen sei. Die Veranstaltung fand erneut in Kooperation mit der VDI-Bezirksgruppe Landshut statt. 

Gestiegene Komplexität von Projekten gerade im Elektronikbereich

Markus Jung berichtete in seinem Vortrag über gestiegene Anforderungen, Requirements und die daraus resultierenden hohen Herausforderungen für das Projekt- und Change-Management. Die Veränderungsgeschwindigkeit nehme gerade durch das autonome Fahren und zusätzliche Elektronik enorm zu. Für einen Kabelsatzhersteller bedeute dies, auch für funktionale Sicherheit im System sorgen zu müssen, dies auch in Feldern in denen sogar der Kunde Neuland betrete. Technische Anforderungen müssten in Design und Technik übersetzt werden, die Häufigkeit der Änderungen sei ebenfalls gestiegen.  Dabei erwarte der Kunde zu jedem der bis zu 12.000 Requirements pro Produkt bzw. Projekt eine Rückmeldung, bis zu 1.500 technische Änderungen pro Projekt und Jahr seien zu bewältigen. 

Um dies umsetzen zu können, seien standardisierte Prozesse im Unternehmen und die richtigen Toolanwendungen für Projekte unerlässlich, bei Leoni arbeite man mit einem Product-Life-Cycle Management. Allerdings sei man in manchen Bereichen noch auf der Suche nach der richtigen Lösung. Insgesamt habe das Requirement- und auch das Change Management sowie passende Prozesse und Tools einen signifikanten Einfluss auf den Erfolg von Projekten.  Zusätzlich zum klassischen Projektmanagement habe man für beide Bereiche jeweils einen Manager eingestellt, um den Kundenwünschen gerecht werden zu können. Auch die Aufwände für die Veränderungen müssten spezifiziert werden, um sie beim Kunden monetarisieren zu können.  

Hybrides Vorgehen für die Fabrik von morgen

Eine andere Art von komplexen Herausforderungen hatten die Projektmanager der Schaltbau GmbH, Velden, zu bewältigen, über die Robert Huber berichtete: Den kompletten Neubau der „NExT Factory“, einer CO2-freien Fabrik, die auf Lean-Management und Gleichstrom-Technologie setzt, um Umwandlungsverluste zu vermeiden. Daneben wurden auch neue und transparente Arbeitswelten im Sinne eines „New Work“ verwirklicht. Während der Planungsphase habe man auf klassisches Projektmanagement, ein sequenzielles Wasserfallmodell gesetzt. Doch bei der Umsetzung hatte man mit vielen Herausforderungen zu kämpfen, von der Corona-Krise bis zu Materialknappheit und Lieferengpässen, die viel Umplanung und Flexibilität erforderten. So setzte man in der Projektsteuerung auf agile Methoden, mit täglichen Shop-FloorMeetings und vierwöchigen Sprints. Auch die Dienstleister der verschiedenen Gewerke, die man alle selbst koordinierte, gewöhnten sich an die regelmäßigen Treffen und Absprachen. 

Man machte die Erfahrung, dass das Projekt rein über Home-Office schwer zu steuern war, und setzte auf ein persönliches Treffen einmal pro Woche. Auch habe man im Projektteam überlegt, wie man die Arbeit in Präsenz attraktiv gestalten kann, da viele Tätigkeiten vor Ort besser erledigt werden können. Man habe auf Activity Based Working gesetzt, überlegt, wo Schnittstellen, Kommunikation oder Teamabsprachen notwendig sind. Produktionsnahe Büros, aber auch Rückzugsflächen oder Besprechungsboxen wurden etabliert und Desk Sharing eingeführt. 

Insgesamt sei beim Projektmanagement eine hybride Herangehensweise erfolgreich gewesen: Neben agilen Methoden sei ein klassisches Projektmanagement „als Tapete im Hintergrund“ wichtig, wie Huber erklärte. Dabei habe man anfangs auf MS Project bei der Projektsteuerung gesetzt, man prüfe andere Software-Lösungen, die durchgehende Anforderungen besser abbilden könnten.

Das Netzwerkforum Projektmanagement

Mit der Veranstaltungsreihe „Netzwerkforum Projektmanagement“ sollen regelmäßig aktuelle Entwicklungen der Disziplin aufgezeigt und das Netzwerk von am Thema Interessierten gestärkt werden. Sowohl Entscheider*innen und Mitarbeiter*innen von Unternehmen, Dienstleistern und Forschungseinrichtungen, die sich mit modernen Methoden des Projektmanagements befassen, als auch Studierende und Absolventen/-innen u.a. des Studiengangs MBA Systems and Project Management, sind herzlich zum Informationsaustausch und zum Networken eingeladen.

Aktuelle Informationen zum Netzwerkforum Projektmanagement immer unter www.haw-landshut.de/netzwerkforum-pm.


Fotos: Hochschule Landshut
(frei zur Verwendung bei Angabe der Quelle)