Von Menschen, Maschinen und Moral

Dr. Alfons Hämmerl sprach beim vierten Vortrag der Veranstaltungsreihe „Wissen für alle: KI“ in der vhs über das Thema Ethik – „Menschen müssen mit Entscheidungen glücklich werden, Maschinen nicht“

„Brauchen wir heute im Zeitalter von KI eine neue Ethik?“ Mit dieser Frage eröffnete Prof. Dr. Petra Tippmann-Krayer, Vizepräsidentin Lehre und Qualität an der Hochschule Landshut, in ihrer Begrüßung den Vortrag von Dr. Alfons Hämmerl, der am 12. November in der vhs Landshut stattfand. Die Antwort des katholischen Hochschulseelsorgers und Dozenten lautete: „Unsere alte Ethik ist nach wie vor brauchbar, sie muss lediglich überdacht und geschärft werden.“ Denn die großen Probleme, die derzeit auftauchen, wurden auch schon früher gedacht.

Unterschied von Moral und Ethik

Aufgabe der Philosophie sei es, Ordnung zu schaffen und Begriffe zu hinterfragen. So müsse man unterscheiden zwischen Moral (wie man sich verhält), Ethik (das Nachdenken über Moral) und Meta-Ethik (wie kommen wir zu unseren Schlüssen?). „Ethik sucht eine Antwort auf die Frage: In welcher Welt wollen wir gemeinsam leben?“, erklärte Hämmerl, „wir müssen also nicht nur fragen, was das Gute ist, sondern auch, was das Richtige ist, das heißt wie wir es anstellen, damit das Gute Realität wird.“ Es beginne immer mit einer Entscheidung. Diese Entscheidungsfähigkeit hätten wir als Menschen. Aber gilt das auch für Maschinen?

Können Maschinen moralisch handeln?

Eine zentrale Frage dabei sei, ob Maschinen einen moralischen Status haben und demnach auch verantwortlich gemacht werden können. Wie brisant dieser Punkt ist, zeige die Tatsache, dass 2017 das europäische Parlament vorschlug, für Roboter einen neuen rechtlichen Status, das heißt eine Art „elektronische Person“ zu schaffen. Auch die Diskussionen darüber, wie ein autonomes Fahrzeug sich bei einem Unfall verhalten soll, ob ein Staubsaugerroboter Spinnen einsaugen darf und ob Verbraucher in Zukunft dafür ein frei programmierbares Ethik-Modul erhalten sollen, machen die Problematik deutlich.

Unterschied zwischen Intelligenz und Rationalität

In Anlehnung an das humesche Gesetz („aus dem Sein folgt kein Sollen“), erläuterte Hämmerl: „Aus Daten und Fakten folgt nicht, was das Gute ist.“
Das bedeute, dass eine aus Daten gelernte Moral am Ende nur beschreiben könne, was Moral ist. Aber eine ethische Reflexion darüber sei so nicht möglich. Hier helfe auch, sich den Unterschied zwischen Intelligenz und Rationalität zu verdeutlichen. Lernende Systeme könnten zwar rational Muster erkennen, aber wirkliche Intelligenz im Sinne von Verstehen und Erkennen von Gründen sei das nicht. Gesellschaftliche Entscheidungen basieren aber auf Gründen, so Hämmerl: „Menschen müssen mit Entscheidungen glücklich werden, Maschinen nicht.“

Abwägung Leben gegen Leben

Anstelle von künstlicher Intelligenz solle man daher besser von künstlicher Rationalität sprechen. Um einen Algorithmus zu schreiben, müssten schließlich Werthierarchien hinterlegt werden, welche die Maschine dann rational abarbeitet. Die Abwägung Leben gegen Leben sei jedoch mit unserem Grundgesetz nicht vereinbar, überlegte Hämmerl. Das zeige die Debatte, die nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 bezüglich der Flugzeugentführungen geführt wurde. Hämmerl betonte daher, dass Entscheidungen in extremen Situationen – wie sie auch beim autonomen Fahren entstehen können – von Menschen getroffen und verantwortet werden müssen und nicht algorithmisch entschieden werden können.

Mensch muss im Mittelpunkt bleiben

Als Fazit schloss Hämmerl: „Maschinen können nützliche Helfer sein, aber sie sind nicht in der Lage, das große Ganze zu sehen. Eine KI kann uns nicht das Denken abnehmen. Und wir dürfen es uns auch nicht abnehmen lassen.“  Humanität könne nur von Menschen erzeugt werden. Die Technik sei als Werkzeug durchaus sinnvoll, aber wir müssten für die Menschlichkeit sorgen. Denn es gebe zwar die Illusion, man könne manche soziale Probleme technisch lösen. „Aber das ist nicht so“, betonte Hämmerl.

Der nächste Vortrag der KI-Wissensreihe zum Thema „Künstliche Intelligenz im Marketing: Manipulation oder …?“ findet am Dienstag, 03. Dezember, um 18.00 Uhr an der Hochschule Landshut im Raum G0 12 statt.

Foto: Hochschule Landshut

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