Virtuelle Projekträume für eine neue Form der Zusammenarbeit

Neues Forschungsprojekt an der Hochschule Landshut will mithilfe einer interaktiven Kollaborationsplattform die Zusammenarbeit in der Automobilindustrie erleichtern

Bis ein Auto vom Band läuft, ist es ein weiter Weg. Denn dazu bedarf es einer komplexen, unternehmensübergreifenden Zusammenarbeit zwischen den Herstellerfirmen, den Automobilzulieferern und deren Komponenten-Lieferanten. Im Zuge individueller Kundenanforderungen spielen daher Projektmanagement-Werkzeuge wie digitale Netzwerke schon seit langem eine wichtige Rolle. Offen ist bisher jedoch, welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, um eine solche Kollaboration über längere Sicht erfolgreich und mit neuen Formen der Zusammenarbeit effizienter und zielgerichteter zu gestalten. Hier setzt das neue Forschungsprojekt HyValue - Hybridisierung in der Value Chain: Vom Systemlieferanten zum Kollaborationsexperten an. Ziel des Projekts ist, am Beispiel des Entwicklungsprozesses eines Autos ein Konzept für „kollaborative Dienstleistungsarbeit“ zu erarbeiten, das die Entwicklungs- und Produktionsprozesse zwischen den verschiedenen Akteuren koordiniert und die Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen schneller, effizienter und transparenter gestaltet. Dazu entwickelt und erprobt die Hochschule Landshut zusammen mit dem Münchener Institut für sozialwissenschaftliche Forschung, den Automobilzulieferern Dräxlmaier und Honasco, dem IT-Unternehmen collaboration Factory und Automobilherstellern eine interaktive adaptierbare Kollaborationsplattform. Das Projekt läuft noch bis 2022 und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Programms Zukunft der Arbeit mit über zwei Millionen Euro gefördert.

Zusammenarbeit in Echtzeit

„Im Grunde entwickeln wir einen gemeinsamen virtuellen Schreibtisch, für alle Beteiligten des Wertschöpfungsprozesses“, erklärt Prof. Dr. Holger Timinger, der die Projektleitung für die Hochschule Landshut übernimmt, „unsere Ausgangsfrage ist dabei: Wie kann die unternehmensübergreifende Zusammenarbeit unter Nutzung moderner Medien besser gestaltet werden?“ Bisher herrsche oft Ellbogenmentalität zwischen den Unternehmen, was äußerst kontraproduktiv sei. Mithilfe der gemeinsamen Plattform könnten die beteiligten Akteure ihre Zusammenarbeit verbessern und damit auch ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken. Für die Umsetzung bedeutet das: Um die Beschäftigten zu Kollaboration auf allen beteiligten Ebenen zu befähigen, integrieren die Forschenden die Erfahrungen und Anforderungen der Nutzer in diese Plattform, erarbeiten Spielregeln für die Zusammenarbeit und bringen die unterschiedlichen Arbeitsweisen zusammen. Zur Nutzung virtueller Projekträume wird zudem eine cloudbasierte Software entwickelt. So können neue Arbeitsformen, bis hin zur Zusammenarbeit in Echtzeit, entstehen, die den Beteiligten die Kollaboration erheblich erleichtern. „Es geht darum, Fehler in der Produktentstehung frühzeitig und partnerschaftlich zu erkennen und zu vermeiden, anstatt diese erst spät im Prozess über Nachforderungen und mittels vertraglicher Regelungen teuer zu korrigieren“, beschreibt Timinger einen der Vorteile des Konzepts.

Nutzen für Wirtschaft, Lehre und Wissenschaft
Neben der Automobilindustrie könnten nach Projektende auch weitere Branchen mit ähnlich komplexen Wertschöpfungssystemen von den Ergebnissen profitieren, z.B. der Maschinenbau, die Elektronikbranche oder die Medizintechnik. Darüber hinaus sollen die erworbenen Erkenntnisse unmittelbar in die Lehre und Weiterbildungsangebote der Hochschule sowie in das wissenschaftliche Netzwerk INDIGO (Internet und Digitalisierung Ostbayern) einfließen.

Über das Projekt
Das Projekt HyValue (Hybridisierung  in der Value Chain: Vom Systemlieferanten zum Kollaborationsexperten) läuft noch bis März 2022 und wird in Landshut am Institut für Projektmanagement und Informationsmodellierung (IPIM) durchgeführt. Der Projektleiter an der Hochschule Landshut ist Prof. Dr. Holger Timinger; die Gesamtprojektleitung liegt beim Münchener Institut für sozialwissenschaftliche Forschung. Weitere Projektpartner sind die Unternehmen Dräxlmaier, Honasco und collaboration Factory; assoziierende Partner sind BMW und Porsche. Die Finanzierung des Projekts übernimmt das Bundesministerium für Bildung und Forschung, mit Kofinanzierung durch den Europäischen Sozialfond. Die Gesamtsumme liegt bei über zwei Millionen Euro.


Projektpartner:

Institut für sozialwissenschaftliche Forschung e.V

Institut für Projektmanagement und Informationsmodellierung der Hochschule Landshut

Lisa Dräxlmaier GmbH

Honasco Kunststofftechnik GmbH & Co.KG

collaboration Factory AG

Assoziierende Partner:

OEM der Automobilindustrie

Gesamtprojektleitung:

Dr. Eckhard Heidling, Institut für sozialwissenschaftliche Forschung e.V (ISF)

Projektleitung Hochschule Landshut:

Prof. Dr. Holger Timinger

Fördersumme Hochschule Landshut:

286.374 Euro

Programm:

Zukunft der Arbeit

Gesamtprojektsumme:

Über 2 Millionen Euro

Finanzierung:

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Kofinanzierung durch Europäischer Sozialfond (ESF)




Foto: Hochschule Landshut
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