Rechte junger Menschen in der Jugendhilfe

Erster Jugendhilfetag in Landshut fand als ZOOM-Tagung statt

Fachkräfte aus der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe, Studierende und Lehrende bekamen beim digital veranstalteten 1. Jugendhilfetag in Landshut am 10. November 2020 interessante Impulse zum Thema „Beteiligung und Ombudschaft - Rechte junger Menschen in der Jugendhilfe“. Die Auftaktveranstaltung, die künftig jährlich stattfinden wird, wurde vom BA-Studiengang „Soziale Arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe“ an der Fakultät Soziale Arbeit organisiert und vom Verein Unabhängige Ombudsstelle für die Kinder- und Jugendhilfe in Bayern/Bundesnetzwerk Ombudschaft Kinder- und Jugendhilfe als Praxispartner mitveranstaltet. Der Jugendhilfetag will zur Weiterentwicklung einer partizipativen und kinderrechtsbasierten Kinder-, Jugend- und Familienhilfe in der Region beitragen. Aktuelle Themen sollen diskutiert, Impulse zum Nach- und Weiterdenken gegeben und der Dialog zwischen öffentlicher und freier Kinder- und Jugendhilfe soll gefördert werden.

Nach einer Begrüßung zum 1. Jugendhilfetag in Landshut durch den Dekan Prof. Dr. Stefan Borrmann, eröffnete zunächst Eva Feldmann-Wojtachnia vom Centrum für angewandte Politikforschung an der LMU München konkrete Mitsprachemöglichkeiten für Initiativen und Interessensgruppen, um jugendpolitische Anliegen auf der Ebene der Europäischen Kommission anzubringen. Sie machte Mut, sich hier mehr einzumischen.

Dr. Tanja Rusack von der Universität Hildesheim berichtete von der JuCo-Studie, die am dortigen Institut für Sozial- und Organisationspädagogik durchgeführt wurde und bei der mehr als 6.000 junge Menschen ab 15 Jahre teilgenommen haben. Sie zeigte auf, wie gravierend die Kommunikations- und Bewegungseinschränkungen durch die Pandemie auf die Entwicklung junger Menschen Einfluss nimmt und wie wenig die Beteiligungs- und Beschwerderechte junger Menschen, nach Aussagen vieler befragter junger Menschen beachtet werden.

Ulrike Bahr
, Bundestagsabgeordnete (SPD) aus Augsburg, machte sich für die Systemrelevanz des Handlungsfeldes in Zeiten der Pandemie stark. Zudem referierte sie, wie die Beteiligungs- und Be-schwerderechte junger Menschen in der Kinder- und Jugendhilfe (hier vor allem auch in der der Pflegekinderhilfe) durch die derzeit geplante Reform des SGB VIII gestärkt werden sollen. Das geplante Kinder- und Jugendstärkungsgesetz (KJSG) nimmt dabei Ergebnisse des Dialogprozesses "Mitreden - Mitgestalten" und neue Forschungserkenntnisse auf. Bahr lädt regelmäßig Akteur*innen aus dem Handlungsfeld nach Augsburg ein, um Erfahrungen und Forderungen in die Bundespolitik einzubringen. 

Björn Redmann, 1. Vorsitzender des Bundesnetzwerks Ombuschaft und vom Kinder- und Jugend-hilferechtsverein Sachsen nahm in Landshut mit zwei Care Leaverinnen (Jessica und Jasmin) aus dem Care-Leaver-Zentrum „House of Dreams“ Dresden an der ZOOM-Tagung teil. Gemeinsam stellten sie dar, wie sie in ihrer Verselbständigung als junge Menschen in der Kinder- und Jugendhilfe strukturell benachteiligt sind. Ihr jugendhilfepolitischer Einsatz für Jugendhilfeleistungen über das 18. Lebensjahr hinaus, die sie mit anderen Care-Leaver-Initiativen im ganzen Land auf die Beine gestellt haben, ist inzwischen auch im KJSG-Entwurf angekommen. Das Care-Leaver-Zentrum in Dresden unterstützt derzeit junge Menschen mit symbolischen „Care-Paketen“ in Jugendhilfeeinrichtungen. Sie wollen auf die zusätzlichen Beeinträchtigungen durch die Pandemie aufmerksam machen.
 
Thomas Bärthlein, 1. Vorsitzender der Unabhängigen Ombudsstelle für die Kinder- und Jugendhilfe in Bayern e.V., ging auf die Beratungsarbeit des Vereins in Bayern ein und machte auf die notwendige Unabhängigkeit des Vereins aufmerksam. Er stellte auch die Kritik eines Positionspapiers der Bundesnetzwerks Ombudstellen zur Ausschreibung der Bayerischen Staatsregierung zu Modellvorhaben in Bayern vor. Hier sollen öffentliche und freie Träger gemeinsam Modelle eines Ombudschaftswesens etablieren. Kritisiert wird im Positionspapier die bayerische Wortschöpfung „Ombudschaftswesen“ und die Sorge, dass die Unabhängigkeit durch die Konstruktion der Modellvorhaben nicht gewährleistet werden könnte.  
    
Die Initiatorin des Jugendhilfetags in Landshut, Prof. Dr. Mechthild Wolff (Studiengangleiterin des Studiengangs Soziale Arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe), moderierte die Veranstaltung und lud bereits zum 2. Jugendhilfetag in Landshut am 24. Juni 2021 ein, der dann zum Thema „Dranbleiben am Kinderschutz!“ stattfinden wird.

Die Präsentationen der Referierenden zum Nachlesen:

Eva Feldmann-Wojtachnia


Dr. Tanja Rusack

Ulrike Bahr

Björn Redmann

Thomas Bärthlein