Nutzer bewerten neue Gebärdensprachen-App in Dachau positiv

Forschungskolloquium der Hochschule Landshut evaluierte den Videoguide der KZ-Gedenkstätte Dachau für gehörlose Menschen

Für gehörlose und hörbehinderte Menschen ist der Besuch von Museen oder Gedenkstätten oft schwierig. Sie sind von Führungen oder Vorträgen ausgeschlossen, begleitende Filme sind meist nicht untertitelt. Um diesen Besucherinnen und Besuchern im Sinne der Inklusion den gleichen Zugang zu Informationen zu ermöglichen wie hörenden Menschen, entwickelte die KZ-Gedenkstätte Dachau in Zusammenarbeit mit dem Landesverband Bayern der Gehörlosen e.V. und dem Zentrum für Kultur und visuelle Kommunikation der Gehörlosen in Berlin & Brandenburg eine App in Gebärdensprache als Videoguide. Studierende des Studiengangs Gebärdensprachdolmetschen an der Hochschule Landshut evaluierten nun im Auftrag der KZ-Gedenkstätte Dachau diese App hinsichtlich ihrer Nutzerfreundlichkeit. Das Ergebnis: Das Feedback der Nutzer fällt insgesamt positiv auf. Bei manchen Punkten besteht jedoch noch Nachbesserungsbedarf.

App wird von Nutzern sehr begrüßt

Seit einigen Monaten bietet die KZ-Gedenkstätte Dachau neben ihrer bereits bestehenden App in Schriftsprache auch eine App in Gebärdensprache an. Diese beinhaltet 85 Videos, die zwischen einer und fünf Minuten lang sind und sowohl über die wichtigsten Themen der Ausstellungen und des Geländerundgangs informiert als auch vertiefendes Hintergrundwissen bereithält. Im Rahmen eines Aktionstages begleiteten die Studierenden der Hochschule Landshut nun 18 gehörlose Personen während ihres Besuchs der Gedenkstätte und ermittelten mithilfe von Fragebögen, einer teilnehmender Beobachtung und einer Feedbackrunde deren Reaktionen auf die neue App. Prof. Dr. Sabine Fries, die gemeinsam mit ihre Kollegin Prof. Dr. Uta Benner das Forschungskolloquium leitet, fasst als Fazit zusammen: „Die Ergebnisse unserer Forschungsarbeit zeigen, dass die App in Gebärdensprache von den Nutzern sehr begrüßt wird. Sie gibt ihnen die Möglichkeit, eigenständig und zeitunabhängig das Gelände und die Ausstellungen zu besuchen, was bei den meisten Teilnehmenden sehr gut ankam. Viele lobten auch die gelungene sprachliche Aufbereitung und die Länge der Videos.“

Verbesserungsvorschläge angeregt

Gleichzeitig regten die Nutzer an, manche Punkte noch zu verbessern, beispielsweise durch zusätzliche Einblendungen oder zusätzliche technische Funktionen. Vor allem hinsichtlich der Orientierung hatten einige Teilnehmende Probleme, weshalb Hinweise auf den aktuellen Standort vorgeschlagen wurde, um die Orientierung zu vereinfachen. Insgesamt lässt sich allerdings sagen, dass alle Teilnehmenden den Rundgang in Gebärdensprache weiterempfehlen würden.