Hochschule untersucht Emissionsverbesserungen durch Designerkraftstoff GtL

Die Shell AG hat einen synthetischen Dieselkraftstoff auf der Basis von Erdgas auf den Markt gebracht, der nach ersten Ergebnissen in quasistationären Motorprüfzyklen das Potenzial besitzen soll, die lokalen Schadstoffemissionen von bestehenden Dieselfahrzeugen signifikant zu senken. Ob sich diese Ergebnisse auch in durch Stop-and-Go geprägten Fahrzyklen von Linienbussen nachweisen lassen, wird aktuell von Prof. Dr. Ralph Pütz vom Fachgebiet Nutzfahrzeuge in der Fakultät Maschinenbau der Hochschule Landshut in Zusammenarbeit mit der Shell AG und den Verkehrsbetrieben ESWE der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden untersucht.

GtL (Gas-to-Liquids) ist ein schwefel- und aromatenfreier Designerkraftstoff mit hoher Cetanzahl, der mit Hilfe des Fischer-Tropsch-Verfahrens durch Verflüssigung von Erdgas hergestellt wird.

Die Messungen in Wiesbaden werden von Daniel Babischta und Markus Brandl an modernen 12-m-Standard-Linienbussen der Grenzwertstufe EEV (Enhanced Environmentally-friendly Vehicle; strengere Norm als EURO V) durchgeführt, wobei ein Fahrzeug mit GtL und das Referenzfahrzeug mit handelsüblichem, schwefelfreiem Dieselkraftstoff betrieben werden. Bereits der Aufbau der On-Board-Messtechnik im Fahrzeug verlief reibungslos, optimal vorbereitet durch Laboringenieur Florian Federmann und Labormeister Franz Breuher von der Fakultät Maschinenbau. Letzterer entwickelte mit der Unterstützung von Erwin Köglmeier zwei fahrzeugspezifische Adapter – einen für MAN-, den anderen für EvoBus-Fahrzeuge. Die Adapter dienen der Aufnahme der Geräte für die Abgasprobeentnahme (Flow-Meter) und den Benzingenerator, der die Messtechnik mit Energie versorgt. Nach der Auswertung der ersten Messfahrten mit GtL zeigte sich Prof. Dr. Pütz mit der Reproduzierbarkeit der Messergebnisse sehr zufrieden.

Im Anschluss an die GtL-Messungen sollen in Wiesbaden dann noch Vergleichsmessungen zwischen einem EEV-Gelenkbus und dem ersten EURO-VI-Gelenkbus Europas durchgeführt werden, um Verbesserungen durch die Stufe EURO VI im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu untersuchen – eine Premiere. Die Stufe EURO VI ist erst ab dem 1.1.2014 verpflichtend einzuhalten. Die Wiesbadener Verkehrsbetriebe ESWE sind das erste Verkehrsunternehmen, das bereits zwei EURO-VI-Fahrzeuge erprobt und im täglichen Linienverkehr einsetzt.

Prof. Dr. Pütz und sein Team sind gerüstet für weitere F&E-Projekte. So werden nach der Auswertung der Wiesbadener Messungen aller Voraussicht nach weitere Messungen mit GtL bei den Verkehrsbetrieben Padersprinter in Paderborn durchgeführt, dann jedoch anders als in Wiesbaden nicht an Dieselmotoren mit konventionellen, auf Betrieb mit Diesel ausgelegten Motorkennfeldern, sondern mit speziell für den GtL-Betrieb optimierten Kennfeldern.