Europäische Forschung zur Umsetzung von Kinderrechten in stationären Einrichtungen gefordert

Netzwerk-Konferenz an der Hochschule Landshut bringt Aktionsplan auf den Weg

Forscher*innen aus sechs europäischen Ländern fordern bei der „European Network Conference“ die Europäische Union dazu auf, in der „Europäischen Garantie für Kinder“ (European Child Guarantee) auch die Rechte von jungen Menschen in stationären Einrichtungen aufzunehmen und deren Umsetzung sicherzustellen. Diese Forderung wurde von Wissenschaftler*innen aus den Niederlanden, aus Kroatien, Italien, Österreich, der Schweiz und Deutschland bei der Online-Konferenz erhoben, die von der Hochschule Landshut durchgeführt wurde. Unterstützt wurden die Planungen von Wissenschaftler*innen der Universität Innsbruck, der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften sowie der Universität Hildesheim.

Anlass für die Netzwerk-Konferenz ist die fehlende Würdigung der jungen Menschen in stationären Einrichtungen. Seit Jahren gebe es keine Forschungsprogramme auf europäischer Ebene, die eine Umsetzung von Konzepten zur Sicherstellung der Rechte von jungen Menschen in Heimen, Wohngruppen, Pflegefamilien und Internaten fördern könnten. Das müsse sich dringend ändern, so die einhellige Meinung der Wissenschaftler*innen. Ein verabschiedetes Papier („Call for Action“) soll nunmehr an alle Verantwortlichen in der Europäischen Union und dem Europarat übermittelt werden. 
            
Hintergrund für die Tagung sind die Kinderschutz- und Kinderrechtsdebatten, die in allen beteiligten Ländern geführt werden. Seit mindestens einem Jahrzehnt wurden diese europaweit intensiviert aufgrund von Fällen der physischen, psychischen, sexualisierten und ökonomischen Gewalt an jungen Menschen in sämtlichen pädagogi-schen Einrichtungsformen.

„Junge Menschen, die oft vortraumatisiert in Heimen, Wohngruppen oder Pflegefamilien leben, brauchen einen besonderen Schutz vor Retraumatisierung“, zu diesem Ergebnis kam auch der zugeschaltete ehemalige Vorsitzende des „Lanzarote Committees“, George Nikolaidis, aus Griechenland. In seiner Verantwortung entstand das Übereinkommen des Europarates zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch mit. Neben dem Schutz vor sexualisierter Gewalt brauchen junge Menschen in stationären Settings auch Garantien, dass ihre Schutz-, Beteiligungs-, Beschwerde- und Entwicklungsrechte eingelöst werden. Bislang gibt es dazu nur Lippenbekenntnisse auf europäischer Ebene. Die beteiligten Wissenschaftler*innen an der Konferenz wollen mehr Verbindlichkeit bei der Umsetzung der Kinderrechte in stationären Settings und sie wollen vor allem erforschen, welche Rahmenbedingungen notwendig sind, sodass dies besser gelingen kann.

„Wir machen in Landshut seit zehn Jahren Forschung und Entwicklung zur Umsetzung von Schutzkonzepten in Organisationen und wir brauchen nun Partner*innen in Europa, um in transnationalen Vergleichen zu untersuchen, wie die Umsetzung von Kinderrechten in stationären Settings gut gelingen kann“, so Prof. Dr. Mechthild Wolff von der Fakultät Soziale Arbeit. Wolff hat die Online-Konferenz mit Sonja Riedl organisiert.