„Es gibt noch zu viele Barrieren in den Köpfen der Menschen."

Die Studentin Eva Mittermeier setzt sich für Familien mit behinderten Kindern ein. Dafür erhielt sie bereits das Bundesverdienstkreuz.

 Eva Mittermeier bietet Familien mit schweren Schicksalen einen Ort, an dem sie verstanden werden und sich austauschen können. Vor 20 Jahren hat die Studentin in Ergoldsbach die Kontaktgruppe „Sorgenkinder“ gegründet. Dort tauschen Eltern von Kindern mit einer geistigen oder körperlichen Behinderung Erfahrungen und Problemen aus. Mittermeier wurde für ihr Engagement für die gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung bereits das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.

Die ehrenamtliche Arbeit belastet sie auch: „Es beschäftigt einen, wenn man Menschen in schlimmen Situationen nicht wirklich helfen kann.“ Was sie dann tun kann, ist zuzuhören und den Eltern Mut zu machen. Manchmal sammelt die Gruppe auch Spenden – zum Beispiel um eine bestimmte Ausstattung oder einen Rechtsanwalt zu finanzieren oder zumindest zu bezuschussen.

Bundesverdienstkreuz für gesellschaftliches Engagement

In der Gruppe treffen sich nicht nur die Eltern. Sie unternehmen auch viel gemeinsam mit den Kindern, beispielsweise Ausflüge an den Chiemsee oder auf einen Bauernhof. Auch Märchenerzähler oder Zauberer wurden schon eingeladen. „Wir versuchen auch immer wieder, Kontakt mit Kindern ohne Behinderung herzustellen“, erzählt Mittermeier. Beispielsweise durch gemeinsame Veranstaltungen oder Besuche in Kindergärten. Diese Unternehmungen finanzieren sich komplett durch Spenden. Um diese Gelder überhaupt annehmen zu können, hat sich die Kontaktgruppe „Sorgenkinder“ den „Hand in Hand Selbsthilfegruppen“ in Landshut angeschlossen.

Eva Mittermeier war immer schon im Ehrenamt tätig: Sie engagierte sich in ihrer Pfarrgemeinde und war Vorsitzende des örtlichen Frauenbunds. „Der Gedanke, dass es doch auch professionelle Antworten auf die Probleme unserer Zeit geben muss, brachte mich schließlich dazu, soziale Arbeit zu studieren“, erzählt Mittermeier. Wenn sie ihr Studium beendet hat, möchte sie ihre Gruppe weiter führen. Zudem könnte sie sich vorstellen, im ambulanten Bereich mit psychisch kranken Menschen zu arbeiten.

Die ehrenamtliche Arbeit belastet auch oft

Auch wenn die Arbeit oft schwer ist – für Eva Mittermeier überwiegen die positiven Erlebnisse. „Ich habe durch die Arbeit gelernt, aufmerksamer zu sein und die kleinen Dinge, die einem das Leben schenkt, zu schätzen“, erzählt sie. Ihr liegt es am Herzen, dass Menschen mit Behinderung viel mehr in unsere Gesellschaft integriert werden. Der Umgang mit ihnen ist immer noch ein Problem. „Im Moment gibt es noch zu viele Barrieren in den Köpfen der Menschen, die es zu überwinden gilt. Viele neigen schnell dazu, sie wegen ihren Behinderungen anders zu behandeln oder zu bemitleiden.“ Genau das wollen diese Menschen aber nicht. „Man muss den Menschen auf Augenhöhe wahrnehmen und seine Fähigkeiten sehen und nicht seine Einschränkungen. Da gibt es noch viel zu tun“, ist Mittermeier überzeugt.