Erste Fachveranstaltung des Netzwerks Medizintechnik - Vielfältige Potenziale im Wachstumsmarkt Medizintechnik aufgezeigt

Mit einer Podiumsdiskussion zum Thema „Medizintechnik aus Anwenderperspektive“ bot das neu gegründete Netzwerk Medizintechnik der Hochschule seine erste Fachveranstaltung. Rund 30 Vertreter von Unternehmen, die bereits in der Medizinbranche tätig sind oder ihr in anderen Branchen erworbenes Know-how auch in diesem Wachstumsmarkt einsetzen wollen, nutzten die Gelegenheit, um Anregungen für neue Produkte im Bereich der Medizintechnik oder sogar Geschäftsideen zu sammeln und potentielle Partner zu finden.

Nach der Auftaktveranstaltung des Netzwerks im März bot die Podiumsdiskussion erstmals die Gelegenheit, gemeinsam zu arbeiten, Kontakte zu knüpfen und die Weichen für erste gemeinsame Projekte zu stellen, wie Hochschulpräsident Prof. Dr. Karl Stoffel in seiner Begrüßung ausführte. Moderiert vom wissenschaftlichen Leiter, Prof. Dr. Holger Timinger, und Netzwerk-Managerin Caroline Eberl, erhielten die Teilnehmer in der Podiumsdiskussion aus Sicht von Ärzten, einer Krankenhausgeschäftsführung, eines Medizintechnikunternehmens in der Gründerphase sowie eines jungen Dienstleistungsunternehmen im Bereich IT-Entwicklung, wertvolle Inputs über nutzbare Potenziale.

Aus der  Anwender- bzw. Medizinerperspektive zeigten die Chefärzte Prof. Dr. med. Dieter Woischneck und  Dr. med. Norbert Blumstein (beide Klinikum Landshut) Entwicklungs- und Verbesserungspotenziale in Krankenhäusern auf. Über Kooperation mit technisch versierten Partnern gemeinsam Lösungen zu finden, lautet für Prof. Dr. med. Woischneck die Erwartung an das Netzwerk. Dabei sei das grundsätzliche Ziel, mit Medizintechnik die Lebensqualität von Patienten steigern zu können. Dies lässt sich beispielsweise über neue Therapien von Wirbelmetastasen, oder mit Navigationssystemen im Bereich von optimierter nuklearmedizinischer Bildgebung bei Hirntumoren erreichen. In beiden Bereichen werden am Klinikum bereits erste Forschungsvorhaben durchgeführt oder geplant. Für Dr. med. Blumstein herrscht in Krankenhäusern besonders auch im Bereich der Datenvernetzung und -übertragung großer Nachholbedarf, in dem sich IT-Unternehmen etablieren könnten. Auch logistische Abläufe, wie der Patiententransport, könnten deutlich verbessert werden. So könne man lange Wartezeiten vermeiden, indem man über ein zentrales Infosystem Daten abfragen könne, wo sich ein Patient gerade befindet.

Insgesamt betonten mehrere Referenten, die größten Marktchancen lägen für kleine Unternehmen nicht in der Lösung von großen Volkskrankheiten wie z.B. der Diabetes, sondern in kleinen schneller umsetzbaren Lösungen. Dabei betonte Roland Stangl (Geschäftsführer Roland Stangl Innovations) die Bedeutung von lokalen Kooperationspartnern und Netzwerken, bei denen man sich auf die Qualität verlassen könne. Er berichtet über Erfahrungen bei der Gründung eines Unternehmens im Bereich der Medizintechnik. So sei es besonders in diesem Bereich schwierig, neue Methoden in den Markt zu bekommen, da medizinische Studien als Grundlage nötig seien. Durch diese müsse man auch mit einer langen Entwicklungszeit rechnen, bis Produkte tatsächlich in den Markt eingeführt werden könnten. „Und erst dann, wenn man mit  Innovationen Geld verdient, sind sie wirkliche Innovationen,“  wie er ausführt.

Auf Unterstützung kann er hierbei bei den Krankenhäusern rechnen. Ärztlicher Direktor Prof. Dr. med. Johannes Schmidt, Krankenhaus Landshut-Achdorf, bietet den Netzwerkpartnern an, über Verbünde, in denen das Krankenhaus Partner sei, könnten geeignete Neuentwicklungen im Rahmen des Zulassungsprozesses in rund 30 Krankenhäusern getestet werden. Außerdem seien Daten u.a. über die Häufigkeit von verschiedenen OPs oder Behandlungen verfügbar, die wertvolle Hinweise auf das Marktpotenzial von Neuentwicklungen ermögliche. Aus Sicht einer Krankenhausleitung betont er den Kostendruck im Klinikbereich. Koste eine patientenfreundliche Operationsart mehr als die bezahlten Festsätze, müsse häufig darauf verzichtet werden. Die Einführung von neuer innovativer Medizintechnik müsse man Querfinanzieren. Auch er sieht in Logistikabläufen viel Einsparpotenzial, auch in der Digitalisierung von Daten sei man weit hinter dem Industriestandard, den man außerhalb der Medizintechnik kennt, zurück.

Auch die Entwicklungsmethoden in der Medizintechnik bieten Möglichkeiten der Verbesserung, ist Mike Werner (brainchild GmbH, Eggenfelden), Geschäftsführer eines innovativen Dienstleisters überzeugt. Gerade bei automatisierten Entwicklungsmethoden gäbe es Nachholbedarf. Als Chance für den Einstieg in die Medizintechnik sieht er für in anderen Branchen erfahrene Unternehmen, dass Medizintechnikhersteller häufig Teile der Produktion auslagern.

Caroline Eberl gab schließlich einen Einblick in Fördermöglichkeiten, die speziell in Verbundprojekten zwischen Hochschulen und Unternehmen zur Verfügung stehen. So bieten verschiedene Förderprogramme gerade klein und mittelständischen Unternehmen hier die Möglichkeit für Fördergelder.

Mit dem Netzwerk Medizintechnik etabliert die Hochschule neben den Clustern Leichtbau und Mikrosystemtechnik ein weiteres Kompetenznetzwerk in der Region Niederbayern. Im Fokus steht dabei die Zusammenarbeit von Unternehmen, Krankenhäusern, Forschungseinrichtungen und Hochschulen, um zusammen neue innovative Lösungen zu entwickeln. Allen Partnern stehen mehrere Arbeitskreise zur Verfügung, um die Umsetzung von Produkten in bestimmten Bereichen zu forcieren:

  • Kunststoffe, Metalle und Neue Werkstoffe,
  • Implantate und biokompatible Produkte
  • Bildgebende Verfahren und Bildverarbeitung
  • Point-of-Care Diagnostik
  • Krankenhausbetriebs- und Hygienetechnik
  • Fachkräftemangel in der Medizin – Anforderungen an den OP 2020
  • Medizintechnik im Bereich der Kur- und Heilbäder

Weitere Informationen unter www.netzwerk-medizintechnik.de oder Tel. 0871 506-498