Digitalisierung und Nachhaltigkeit als Grundlage für weiteren wirtschaftlichen Erfolg

Landshut Leadership Forum an der Hochschule Landshut stellt mit hochkarätigen Expert*innen das „wie“ der Umsetzung der Kernthemen unserer Zeit in den Fokus

Nach zwei Jahren im Online-Format fand das Leadership-Forum endlich wieder in Präsenz statt. Rund 100 Expert*innen trafen sich an der Hochschule, zahlreiche weitere waren online zugeschaltet, um zu diskutieren, „wie Unternehmen sich für eine digitale und nachhaltige Zukunft wandeln müssen“.

2021 standen Innovationen in einer vernetzten Welt im Vordergrund mit speziellem Augenmerk auf Technologien und Geschäftsmodellen für Unternehmen im neuen Jahrzehnt. Veranstaltungsinitiator Prof. Dr. Hubertus Tuczek betonte in seiner Begrüßung, dass es höchste Zeit zum Handeln sei. „Wir haben kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem,“ ist er überzeugt. Um den Industriestandort verteidigen zu können, müsse Transformation und Digitalisierung in allen Bereichen forciert werden, Inspiration and Empowerment müsse die neue Strategie lauten.

Der Index für digitale Wirtschaft und Gesellschaft zeige aber in eine andere Richtung: „In jüngster Vergangenheit haben wir hier zwei Plätze verloren und sind in Europa von 11 auf 13 gerutscht.“ Mit dem Landshut Leadership Forum schaffe man eine wichtige Plattform, Handlungsfelder dieses komplexen Themas zu erschließen und Verbesserungen anzustoßen, um die deutsche Wettbewerbsfähigkeit erhalten zu können. Damit Digitalisierung gelingt, müssen alle an einem Strang ziehen, ist auch Bayerns Digitalministerin Judith Gerlach, die auch als Schirmherrin fungierte, in ihrem virtuellen Grußwort überzeugt.

Große Fachkompetenz auf dem LLF

Auch bei der siebten Auflage des Leadership Forums konnten die Veranstalter eine große Bandbreite an hochklassigen Speakern präsentieren. Rund 20 Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft erläuterten in vier Themenblöcken ihre Erfahrungen mit sowie Visionen von digitaler Transformation – auch verbunden mit Nachhaltigkeit – und gaben Handlungsempfehlungen. In vier verschiedenen Diskussionsrunden ging es um die Themenblöcke „Staat, Gesellschaft und Artifical Intelligence“, „Green Deal, Familienunternehmen und Mobilitätskonzern“, „Digitale Transformation der Prozesse“ sowie „Digitale Kollaboration und Agiles Lernen“.

Nach kurzen Impulsvorträgen wurden die verschiedenen Gesichtspunkte im Plenum gemeinsam diskutiert. Die Expert*innenrunden und die Teilnehmenden kamen so unter anderem zu dem Ergebnis, dass ein Dialog der Gesellschaft notwendig ist, um eine echte Transformation anzustoßen und neue Technologien vor allem eines erfordern – neue Denkweisen. Die digitale Transformation dürfe dabei aber nie nur Mittel zum Zweck sein. Nicht außer Acht zu lassen ist deshalb der Fokus auf die „digitale Verantwortung“. Insgesamt sei ein Diskurs in der Gesellschaft notwendig, was wir wollen, was wir können und was wir vermeiden wollen.

Ein wichtiges Thema des Leadership Forums war auch die Rolle des Staates, der sich einmal selbst digitalisieren, aber auch den Rahmen für digitale Transformation setzen müsse, dies gerade beim Thema KI-Einsatz oder auch bei der Umsetzung des Green-Deals der EU. Dieses Thema sei sehr komplex, der Ruf nach schneller Umsetzung ist für Dr. Christoph Egle (Bayerisches Forschungsinstitut für Digitale Transformation) Illusion. Dr. Andreas Liebl (UnternehmerTUM, Leiter der appliedAI Initative) plädiert dafür, von einem risikobasierten hin zu einem gestalterischen Ansatz zu wechseln und zu berücksichtigen was erreicht werden soll.

Unentdeckte Potenziale bei KI

Auch Wolfgang Müller-Pietralla (Head of future Research, Volkswagen) spricht sich dafür aus, erst Entwicklungen zu schaffen, ehe man sie reglementiert. Gerade das Thema Künstliche Intelligenz eröffnet bisher völlig undenkbare Möglichkeiten. Dies z.B. durch die Verschmelzung von physischem Körper und Technologie, so sei es durch Brain-Interfaces schon möglich, mit Gedanken einen Monitor zu beeinflussen. Auch im Bereich der KI seien wir weit davon entfernt, zur Weltspitze zu gehören, US-Unternehmen investieren fünfundsechzig mal so viel in KI wie deutsche, erklärt Dr. Liebl.

Beim „wie“ der Umsetzung geben die Expert*innen die Empfehlung: Anfangen und machen und nicht unbedingt auf die große Lösung warten. Als erstes müsse ein Verständnis in der Führungsebene vorhanden sein, die digitale Transformation als Chance zu nutzen, das Geschäftsfeld zu verändern, Innovationen schnell umzusetzen, wie Prof. Dr. Tuczek erläuterte. Hierzu sei ein neues Mindset in den Unternehmen und bei den Mitarbeitenden nötig. Weiterbildung in Themen der Digitalisierung spiele hier auch eine bedeutende Rolle.

Gerade für Familienunternehmen, die in Deutschland 95 Prozent der Unternehmen ausmachen, sei es wichtig, von über Generationen erfolgreichen Geschäftsmodellen abzuweichen, wie Dr. Leopold Schlenk-Barnsdorf (FamilienUnternehmerTUM) betonte. Dies könne über die Einführung von Innovationszentren gelingen, in denen Innovationen probiert werden, über die Kooperation in Ökosystemen oder auch über die Einbindung von Start-ups, die Lösungen für vielfältige Probleme anbieten. Michael Detke (Zentur.io), der ein Unternehmen für die datenbasierte Transformation von Fernwärmenetzen gründete, und Dr. Stefan J. Blöchl (IFOX Systems GmbH), dessen Unternehmen einen digitalen Prozess-Fitnesstracker für Industrieunternehmen anbietet, waren zwei Absolventen der Hochschule Landshut als erfolgreich Beispiele von Gründern mit auf dem Podium.

Dass im Bereich der Digitalisierung in der Produktion bereits einiges geschehen ist, zeigt Franz Menzl (Siemens Digital) am Beispiel des Siemens-Komponentenwerks in Amberg. Dieses habe seinen Output im Vergleich zu 1991 durch konsequente Automatisierung und Digitalisierung versechzehnfacht: bei gleicher Produktionsfläche, gleicher Belegschaft und steigendem Portfolio. Allerdings müsse über die Effizienzsteigerung hinaus noch einiges passieren.

Die Referent*innen waren sich einig, dass ein enormes Potenzial und auch Nachholbedarf im Bereich von Digitalisierung und KI besteht. Besonders auch hinsichtlich des zweiten grundlegenden Themas unserer Zeit, der Nachhaltigkeit, sei die Digitalisierung von größter Bedeutung: Ohne Nachhaltigkeit keine Digitalisierung, ohne Digitalisierung keine Nachhaltigkeit, bringt es Wolrad Claudy (m.partners) auf den Punkt. Auch Franz Menzel sieht in der Digitalisierung den Schlüssel für wirtschaftlichen Erfolg und nachhaltige Gestaltung der Zukunft. Von grundlegender Bedeutung für die Umsetzung und das Erreichen unserer Ziele, wird die Einbindung der Mitarbeiter, die Motivation der Menschen sein, diesen Weg einzuschlagen, sind sich die Expert*innen einig.

Auch zum Landshut Leadership Forum erschien wieder ein begleitendes Fachbuch, das wissenschaftlicher Leiter Prof. Dr. Hubertus Tuczek zusammen mit Studierenden und den Expert*innen herausgegeben hat. Weitere Informationen unter www.haw-landshut.de/landshut-leadership.

Fotos: Hochschule Landshut

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