Die Enthüllung der „Gegenkraft“

Als Auftakt zum 40-jährigen Jubiläum der Hochschule Landshut wurde am Mittwoch der Granitblock „Gegenkraft“ enthüllt – ein Zeichen gegen Hass und Ausgrenzung und für Frieden und Menschlichkeit.

Begleitet von der Musik der „Rockin‘ Engineers“ strömten die Studierenden am Mittwoch zur Mittagszeit aus ihren Hörsälen und versammelten sich vor der noch verhüllten „Gegenkraft“. Schon seit Tagen wurde am Campus und in den sozialen Netzwerken spekuliert, wieso ihr Obelisk – wie die „Gegenkraft“  von den  Studierenden genannt wird – mit einer dunkelgrauen Plane verdeckt wurde. Soll sie zur 40-Jahrfeier der Hochschule endlich begradigt werden? Oder stecken vielleicht religiöse Beweggründe dahinter? „Wir haben mit der Verhüllung und der bevorstehenden Enthüllung eine Gelegenheit geschaffen, diesen Stein neu zu bemerken, über ihn zu sprechen und seine Bedeutung ins Gedächtnis zu rufen“, erklärt der Hochschulseelsorger Alfons Hämmerl.

1992 platzierte der Künstler Peter Weidl den um 10 Grad aus dem Lot geneigten Stein in der Mitte des Campus. Er wollte damit darauf hinweisen, dass es in jeder Zeit viele wichtige Dinge gibt, die auf der Kippe stehen und nur durch geeignete, beherzte Gegenkräfte in der Balance gehalten werden können. „Das Kunstwerk ist ein wichtiges Mahnmal für Weltoffenheit und gegen Fremdenfeindlichkeit. Besonders mit Blick darauf, dass der Granit aus dem Steinbruch des ehemaligen Konzentrationslagers in Flossenbürg bezogen wurde“, betonte der Hochschulpräsident Prof. Dr. Karl Stoffel, während der Wind bereits an der Plane zerrte. Mit dem Aufruf der Studentin Michaela Baur „Wir wollen jetzt unsere ‚Gegenkraft‘ zurückholen“, war der Moment gekommen: Unzählige Hände von Hochschulangehörigen zogen an der Plane, um ihr Wahrzeichen gemeinsam zu enthüllen und unter Applaus wieder neu am Campus zu begrüßen.

Organisiert wurde die Aktion von der Initiative Gegenkraft, die sich aus allen Hochschulvereinen, der Studierendenvertretung und der katholischen Hochschulgemeinde zusammensetzt. Nach den Attentaten in Paris hatten die Studierenden beschlossen, gemeinsam für Friede und Menschlichkeit, für Weltoffenheit und Demokratie einzutreten und sie bezogen sich dabei ausdrücklich auf die symbolische Bedeutung der Stele Gegenkraft. Seither findet einmal im Semester eine gemeinsame Veranstaltung statt, um immer mehr Studierende für dieses Thema zu sensibilisieren. „In den letzten Tagen kamen noch viele weitere Kommilitonen auf mich zu, um über die Bedeutung der Gegenkraft und aktuelle gesellschaftliche Ereignisse zu diskutieren“, freut sich ein engagiertes Mitglied der Initiative Gegenkraft, „Die Aktion trägt wirklich Früchte.“