AUTOHAUS-Herausgeber: positiver Ausblick für Automobilbranche

Der Herausgeber des Fachmagazins „AUTOHAUS“, Prof. Hannes Brachat, hielt an der Hochschule Landshut einen hochaktuellen und detaillierten Vortrag über Szenarien in Automobilvertrieb und Service. Dabei sprach er über die Rahmenbedingungen des Automobilvertriebes, aktuelle Marktentwicklungen, über Aspekte der Elektromobilität und geeignete Geschäftsmodelle im Automobilhandel. Im Anschluss gab es Gelegenheit zur Diskussion.

Kernzielgruppe des Vortrages seien Studenten/innen des Studienganges Automobilwirtschaft und –technik, wie Studiengangsleiter Prof. Dr. Carsten Röh (Fakultät Elektrotechnik & Wirtschaftsingenieurwesen) erläuterte. Insgesamt lauschten mehr als 100 Studenten/innen den spannenden Ausführungen von Prof. Brachat, darunter auch viele Studenten der Fakultäten Maschinenbau und Informatik. Auch ranghohe Vertreter des KFZ-Gewerbes, wie der Obermeister der KFZ Innung Niederbayern, Franz Vögl, und deren Geschäftsführer, Winfried Bayer, nutzten die Gelegenheit, den Ausführungen über die Zukunft der Automobilbranche zu folgen und um Kontakte zur Hochschule zu knüpfen. Prof. Brachat will eine Brücke bauen, zwischen den Innungen und den Beschäftigten in den Kfz-Betrieben. Er betonte die Bedeutung des KFZ-Gewerbes in Bayern, das mit 110.000 Mitarbeitern die Beschäftigtenzahlen von BMW und Audi an deren bayerischen Standorten überflügelt.

Ebenso verwies er auf die weiterhin weltweit hohe Relevanz des Autos und prognostizierte für das Jahr 2030 eine Verdoppelung des weltweiten Fahrzeugbestandes auf 2 Mrd. bei dann jährlichen 130 Mio. Neuzulassungen. Er zeichnete den Studenten/innen interessante berufliche Perspektiven auf, indem er auf die hohe Innovationsdichte im Automobilgeschäft verwies und dabei auf die Tendenzen der Elektromobilität und neue Mobilitätskonzepte einging. „Alternative Antriebe sind unsere Zukunft, lasst uns anfangen, nicht behindern!“ lautete seine Aufforderung an die Zuhörer. Diesen Weg beschreite z.B. ein Unternehmenskonsortium um den Autobauer Daimler mit den Mineralölkonzernen Shell, Total und OMV, die Energieversorger EnBW und Vattenfall sowie dem Industriegase-Hersteller Linde, die eine Absichtserklärung getroffen haben, dass bis zum Jahr 2015 in Deutschland ein flächendeckendes Netz von Wasserstofftankstellen errichtet werden soll.

Großes Wachstumspotenzial für Gebrauchtwagenhandel

Für den Handel zeigte Prof. Brachat wichtige Entwicklungen in allen relevanten Feldern des Handelsmarketings auf. Die selbstzerstörerische „Geiz-ist-geil“-Welle sieht er beispielsweise als gescheitert. Großes Marktwachstum und große Marktanteile liegen laut Prof. Brachat im Gebrauchtwagenhandel und in den Finanzdienstleistungen der Automobilhäuser. In den Metropolregionen treten zunehmend Niederlassungen der Hersteller auf den Plan. Der Anteil von Automobilhandelsgruppen am Handelsgeschäft ist gestiegen. Die Umsatzrendite im Neuwagengeschäft lag  2011 bei etwa 2,1 Prozent. Zudem drängen Internethändler in das Neuwagengeschäft.

Dabei muss beachtet werden, dass Personalkosten weiterhin den größten Kostenblock im Autohaus darstellen. Die Neufassung der Gruppenfreistellungsverordnung (GVO) wird 2013 mit Wirkungen auf das Geschäftsmodell von Mehrmarkenhändlern greifen. So können Automobilhersteller beispielweise fordern, dass 80 Prozent des Händlerumsatzes mit ihrer Marke gemacht werden müssen. Andernfalls können die Händlerverträge gekündigt werden. Dennoch gibt es gute Beispiele für clevere Geschäftsmodelle bei Gebrauchtwagen, Reifen und Zubehör. Die Zukunft von Autohäusern bestehe unter anderem aus „Mobilitätskonzepten“ weit über den gewöhnlichen Automobilverkauf hinaus: zusätzliche Chancen entstünden bei der Finanzierung von Autos, beim Bau von Solartankstellen usw.

Kundenzufriedenheit durch positiven Kontakt zu Menschen

Für die Arbeit am "point of sale" spricht Prof. Brachat eine simple und gleichzeitig einfach anwendbarere Lösung als Erfolgsrezept aus: "Man muss Menschen mögen". Er erläutert dies am Beispiel von Kundenzufriedenheit, die man entgegen komplexer Herstelleransätze sehr konkret umsetzen kann: Ein Mitarbeiter in einem Servicebetrieb fragt eine Kundin, was ihr an der Reparatur am wichtigsten sei. Wenn Sie entgegnet, dass eine pünktliche Fertigstellung für Sie aufgrund ihrer Folgetermine hohe Priorität hat, sei dies dann ein klarer Auftrag für den Service, zur vereinbarten Zeit fertig zu sein - Kundenzufriedenheit wird damit quasi zum Selbstläufer.

Prof. Brachat reicherte seinen Vortrag stets mit Anekdoten und praxisnahen Episoden an und nach knapp 3 Stunden hochinteressanter Ausführungen konnten die Teilnehmer/innen mit ihm in eine Diskussion einsteigen und verbliebene Fragen klären. Abschließend fasste Prof. Dr. Carsten Röh, in Anlehnung an einen von Prof. Hannes Brachat (HB) wöchentlich im Internet veröffentlichten gleichnamigen Kommentar zusammen: "HB ohne Filter - live und ohne Hochdeutsch!".