Mehr Unterstützung für Wohnungslose schaffen

Studie der Hochschule Landshut und des Katholischen Männerfürsorgevereins ermittelt Bedarfe in Landshut und Freising

Wie ist die Versorgung von Wohnungslosen in den Regionen Landshut und Freising? Mit dieser Frage befasste sich die Studie „bewoHLa“, die die Hochschule Landshut und der Katholischen Männerfürsorgeverein München e. V. (KMFV) im Rahmen eines Kooperationsprojekts durchführten. Unter der Projektleitung von Prof. Dr. Katrin Liel setzten sich 16 Studierende der Bachelorstudiengänge „Soziale Arbeit” und „Kinder- und Jugendhilfe” im 6. Semester in einer Forschungswerkstatt mit dem Thema Wohnungslosenhilfe auseinander. Das Ziel war eine Bedarfsanalyse über die Angebote in Stadt und Landkreis Landshut sowie im Landkreis Freising.

„Die Unterbringung von wohnungslosen bzw. von Wohnungslosigkeit bedrohten Menschen ist ordnungsrechtlich eine Aufgabe von Gemeinden“, betont Liel. Bayernweit würden in verschiedenen Landkreisen und kreisfreien Städten aber sowohl präventive Angebote zur Verhinderung von Wohnungslosigkeit als auch Betreuungsmöglichkeiten in gemeinschaftlichen Notunterkünften fehlen. Zur Deckung dieses Bedarfs beabsichtigt der KMFV über eine Projektförderung des Sozialministeriums ein Angebot zur fachlichen Beratung und Unterstützung der Betroffenen zu schaffen. Die Studie „bewoHLa“ unterstützt dieses Projekt durch eine detaillierte Bedarfsanalyse in allen Gemeinden der Landkreise Freising und Landshut sowie in der Stadt Landshut.

Im Rahmen der Forschungswerkstatt entwickelten und programmierten die Studierenden einen Online-Fragebogen, den sie im Mai per E-Mail verschickten. Die 35 darin enthaltenen Fragen waren in unterschiedliche Rubriken gegliedert. Der Fragebogen ging an 42 Ansprechpersonen aus den Gemeinden, Verwaltungsgemeinschaften, Märkten und Städten Landshut, Moosburg, Rottenburg a. d. Laaber und Vilsbiburg. Nach einem zweiwöchigen Bearbeitungszeitraum werteten die Studierenden die Ergebnisse aus. Die Beteiligungsrate von 69 Prozent lag dabei über den Erwartungen.

„Aus den Befragungsergebnissen konnten wir in den Feldern Kooperation, Erreichbarkeit, Unterkünfte und Inhaltliche Hilfe vier Kernaussagen erarbeiten“, so Liel. „Unsere daraus abgeleiteten Fragen sollen eine Anregung sein, wie Wohnungslosen in den untersuchten Gebieten adäquat geholfen werden kann.“

Kernaussagen der Studie

  1. Kooperation: „Die Mehrheit der Studienteilnehmer*innen sagt, dass keine Kooperation mit den Hilfesystemen stattfindet – hier zeigt sich ein Ausbaupotential an Vernetzung. Besonders gilt das für den Landkreis Landshut. Warum finden keine Kooperationen mit Hilfesystemen und/oder anderen Gemeinden statt, obwohl viele sagen, es liege ein Bedarf vor?
  2. Erreichbarkeit: „Die Kontaktaufnahme ist bei der überwiegenden Mehrheit der Studienteilnehmer*innen nur zu Öffnungszeiten möglich. Gleichzeitig liegt die Auslastung der Unterkünfte im Mittel nur bei 50 Prozent. Die meisten Personen haben als Selbstmelder vermutlich nicht zu den Öffnungszeiten einen Hilfebedarf. Wie kann deshalb die Erreichbarkeit für hilfebedürftige Personen verändert werden? Möglicherweise werden digitale Zugangswege außerhalb der Öffnungszeiten noch nicht ausreichend berücksichtigt?“
  3. Unterkünfte: „37 Prozent der Gemeinden aus dem Landkreis Landshut und 20 Prozent der Gemeinden aus dem Landkreis Freising können in ihrer Gemeinde keine Unterkünfte für obdachlose Menschen zur Verfügung stellen, obwohl sie es eigentlich müssten. Wenn Unterkünfte zur Verfügung gestellt werden können, dann ist die Ausstattung zwar insgesamt ausreichend, aber dennoch ausbaufähig. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass der Bedarf als ansteigend eingeschätzt wird. Wie kann eine gemeindenahe Versorgung mit Wohnraum für Hilfebedürftige also aktuell und zukünftig gewährleistet werden?“
  4. Inhaltliche Hilfe: „Es zeigt sich, dass die hilfesuchenden Personen eher jünger und damit im arbeitsfähigen Alter sind und eher länger (durchschnittlich sechs Monate) in den Unterkünften der Gemeinde bleiben. Welche inhaltliche Unterstützung könnte hier sinnvollerweise ausgebaut werden (z.B. bei der Arbeitssuche) und welche Netzwerkarbeit könnte unterstützend wirken? Warum wird gleichzeitig so wenig inhaltliche Unterstützung bei der Arbeitssuche und bei der Netzwerkarbeit geleistet?“

Foto: KMFV

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