Aktuelles von der Arbeitsgruppe Schutzkonzept

Wie wohl fühlen sich die Studierenden tatsächlich an der Fakultät der Sozialen Arbeit? Wie hoch ist der Anteil derjenigen, die bereits eine Grenzverletzung an der Hochschule erleben mussten?

Mit Spannung erwartete die Arbeitsgruppe Schutzkonzept die Ergebnisse, der Online-Befragung, die sich an alle Studierende, Professor*innen, Lehrkräfte, Lehrbeauftragte, wissenschaftliche Mitarbeiter*innen sowie Verwaltungskräfte der Fakultät Soziale Arbeit richtete und als Basis für eine Potential- und Risikoanalyse genutzt werden soll.

Dazu wurde im Vorfeld lange diskutiert und abgestimmt, welche Aspekte zu grenzverletzendem Verhalten im Hochschulkontext gehören. Vor dem Hintergrund der Sensibilität des Themas im Rahmen, war es für für die Arbeitsgruppe, selbstverständlich vor Befragungsstart eine Ethikvotum einzuholen sowie die Daten in zwei Schritten zu sichern und zu anonymisieren, damit kein*e Teilnehmende*r der Arbeitsgruppe oder des Workshops durch das Arbeiten mit den Ergebnissen auf Einzelne schließen kann.

Hervorzuheben ist, dass es für diese Messung kein akuten bzw. aktuellen Anlass gab, sondern als Prävention zu verstehen ist, um ein Leitbild für die Fakultät zu entwickeln.
Insgesamt nahmen 27% der eingeladenen Befragten teil. Die solide Datenbasis von 240 Interviews ist vor allem weiblich und studentisch geprägt – rund 83% der Teilnehmenden sind Frauen, 84% der Antworten sind von Studierenden – dies entspricht der soziodemografischen Struktur der versandten Einladungen. 94% der Befragten fühlen sich an der Fakultät Soziale Arbeit wohl bzw. sehr wohl und machen dies vor allem an einem vertrauensvollen, zwischenmenschlichen Umgang, dem soziale Umfeld sowie den Rahmenbedingungen für das Studium fest. Knapp drei Prozent der Teilnehmenden fühlen sich unwohl oder sehr unwohl an der Fakultät und machen dies an fehlenden Präsenzveranstaltung sowie an der schwierigen Vereinbarkeit von Care-Verantwortung und Anwesenheitspflichten bei Präsenzveranstaltungen fest. Insgesamt gaben rund 15% an, bereits grenzverletzendes Verhalten an der Hochschule erlebt zu haben. Dabei zeigte sich, dass grenzverletzende Verhalten mehrheitlich (69%) mit Worten und durch Einzelpersonen (91%). Bei 54% der Fälle ging die Grenzverletzung von Lehrenden aus, in 37% von Studierenden. Die benannten Grenzverletzungen fanden zu 65% im direkten Kontakt, bei knapp einem Drittel im digitalen Kontakt statt. Insgesamt gaben 67% der Befragten an, grenzverletzendes Verhalten an der Hochschule bereits erlebt oder beobachtet zu haben, wobei es sich vordergründig um Diskriminierung (46%), übergriffiges Verhalten (21%), Machtmissbrauch (19%) handelte. Jeweils mehr als die Hälfte fühlen sich dahingehend weder gut über Unterstützungsoptionen, noch über die eigenen Rechte an der Hochschule informiert. Die Vorschläge, wie zukünftig präventiv mit solchen Situationen umgangen wird sind seitens der Befragten vielfältig und zielen vor allem auf die Entwicklung einer Kultur der Achtsamkeit, der thematischen Sensibilisierung  sowie der Gestaltung  verschiedener Formate zu Informieren sowie (niederschwellige) Anlaufstelle zu kreieren ab.

Diese Ergebnisse waren die Basis für einen dreistündigen Workshop mit 20 Teilnehmenden, die sich aus allen Personengruppen, die an einer Fakultät arbeiten und wirken, zusammensetzte. Nach einem grundlegenden Austausch und Reflektion der Arbeitsgruppe, die Platzierung der studentischen Initiative #heretoo und der Bedeutung einer Gefährdungsanalyse sowie potentielle Präventionsmaßnahmen an Hochschulen, folgte die Arbeit in Breakoutsessions. In drei Kleingruppen wurde begonnen offenen Nennungen der Befragung zu möglichen Potentialen, Gefährdungen und Hilferessourcen zu clustern, um daraus erste Ansatzpunkte für das Leitbild der Fakultät abzuleiten.

Dabei sind sich alle Workshop-Beteiligte einig, dass Hochschulen von Natur aus Organisationen sind, an denen ungleiche Struktur- und Machtverhältnisse vorherrschen. Davor ist keine Organisation, Verwaltungseinheit bzw. Fakultät gefeit. Obwohl sich Soziale Arbeit aus ihrer Profession präventiv bereits Gedanken zum Umgang mit grenzverletzenden Verhalten macht und dafür sensibilisiert ist, können solche Vorfälle nicht ausgeschlossen werden. Wichtig ist es in diesem Rahmen diese Sachverhalte selbstkritisch zu reflektieren und proaktiv präventive Maßnahmen abzuleiten.

Mit den Ergebnissen der Befragung und Erkenntnissen des Workshops wird die AG ihre Arbeit für ein grundsätzliches Miteinander and der Fakultät Soziale Arbeit fortsetzen.
Bei Interesse an einem detaillierten Ergebnisbericht kann sich an die Kontaktadresse der AG Schutz.SozialeArbeit(at)haw-landshut.de gewendet werden.