„Es geht darum, mit Digitalisierung Kundenprobleme zu lösen.“

Sven Rittberger, Doktorand am Technologiezentrum Produktions- und Logistiksysteme (TZ PULS)

Fast wäre Sven Rittberger Pilot geworden. Er hat nach dem Abitur das Auswahlverfahren bei Lufthansa begonnen – um dafür zu lernen, hat er sogar seine Abschlussfahrt ausfallen lassen. Nach Intelligenz- und Belastungstests ist er am Ende aber am Flugsimulator gescheitert. „Jetzt bin ich froh darüber, sonst hätte ich viel verpasst“, sagt der studierte Wirtschaftsingenieur. Statt in tiefblauer Uniform mit goldenen Ärmelstreifen im Cockpit zu sitzen, arbeitet er im Technologiezentrum Produktions- und Logistiksysteme (TZ PULS) in Dingolfing. Dort hat er 2017 seine Promotion begonnen: Gemeinsam mit seinem Forschungspartner, dem Ventilatoren-Hersteller ebm-papst, digitalisiert er die dortige Produktion.

Seine Themen sind Digitalisierungsstrategien, Industrie 4.0 und schlanke „Lean“ Produktion – absolute Trendthemen in Politik, Forschung und Gesellschaft. Aber was steckt da genau dahinter? „Jedem ist klar, dass die Digitalisierung viel verändern wird. Nur heute weiß noch keiner, was genau“, fasst Rittberger zusammen. Das verunsichert besonders den breiten Mittelstand. Rittberger hilft ihnen, zu verstehen, wie sie die Digitalisierung für sich nutzen können – beispielsweise führt er regelmäßig Gruppen durch die Musterfabrik des TZ PULS: Auf rund 900 Quadratmetern ist dort eine komplette interne Wertschöpfungskette aufgebaut, vom Wareneingang bis zum Versand. Für die Experten für Intelligente Produktionslogistik am TZ PULS ist das eine Spielwiese, auf der sie neue Hard- und Software mit einem Mehrwert testen, optimieren und vernetzen können. Und Unternehmen können sich vor Ort selbst ein Bild von neuen Trends und Forschungen machen, die in der Musterfabrik abgebildet sind. „Viele haben keine genaue Vorstellung, was sie hier erwartet. Erst bei der Führung erkennen sie dann: Das funktioniert ja bei uns auch so. Dann ergeben sich dann interessante Gespräche und Projekte“, so Rittberger.

Er berät Unternehmen auch unabhängig von der Hochschule Landshut dabei, ihre Produktion zu optimieren – als Mitarbeiter der PuLL-Beratung. Und egal ob bei PULS oder bei PuLL: „Es geht darum, mit Digitalisierung kundenorientierte Prozesse zu gestalten“, fasst er seine Arbeit zusammen. Und zu tun gibt es immer genug, entweder im Büro, in der Musterfabrik oder beim Kunden. Doch Rittberger bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Das Oktoberfest hat ihn stressresistent gemacht, denn dort hat er sieben Jahre lang als Bedienung gearbeitet. Während er Maßkrüge auf die Biertische verteilt hat, lernte er Menschen aus aller Welt kennen. „Ich glaube, das war auch mit ein Grund, warum ich mal für längere Zeit aus Deutschland weg wollte“, meint Rittberger. Deswegen hat er seinen Master an der Technischen Universität in Barcelona gemacht – anfangs ohne ein Wort Spanisch zu sprechen. Das hat er erst vor Ort nachgeholt. „Das war die beste Zeit bisher. Im Studium habe ich mich recht leicht getan, auch durch die Grundlagen aus dem Bachelor in Landshut. Da blieb dann mehr Zeit für Volleyballspielen am Strand“, grinst er. „Aber nach dem Abschluss war dann doch der Punkt da, an dem ich dachte, jetzt muss ich mal seriös werden.“ Also ist er wieder nach Deutschland zurückgekommen. Doch die Freundschaften, die er in Spanien geknüpft hat, ziehen ihn immer wieder ins Flugzeug: „Ich war letztes Jahr gefühlt nur an zwei Wochenenden zuhause“, meint er. Und dafür musste er nicht einmal Pilot werden.