„Haushalten sollte man nicht nur mit Geld, sondern mit allem im Leben.“

Rupert Aigner, Alumnus und Stadtkämmerer von Landshut

Man muss schon ein Faible für Zahlen haben, um den Etat einer ganzen Stadt zu verwalten: Rupert Aigner ist seit 16 Jahren Stadtkämmerer und weiß genau, wieviel in der Haushaltskasse von Landshut steckt. Er hat im Blick, wieviel Geld aus Steuern oder Förderungen hineinfließt – und plant dann, welche Bau- oder andere Projekte daraus finanziert werden.

Das entscheidet er nicht allein, sondern er setzt sich mit vielen Menschen und Meinungen auseinander. Dabei berücksichtigt er beispielsweise auch Anträge der Stadträte. „In solchen Sitzungen kommen auch mal Zwischenrufe wie: Oh je, der Kämmerer schaut gar nicht glücklich aus“, sagt Aigner, rückt die Brille zurecht und lächelt. Er wacht streng über die Rücklagen. „Ich plane vorsichtig und habe lieber am Jahresende mehr übrig als erwartet. Landshut ist ja auch verschuldet, da kann man nicht auf zu großem Fuß leben.“

Haushalten, findet er, sollte man nicht nur mit Geld, sondern eigentlich mit allem im Leben – mit der eigenen Gesundheit, der Zeit und auch der Natur. Da geht es ausnahmsweise nicht um Zahlen. Das weiß er von seinen Eltern, die früher einen landwirtschaftlichen Betrieb geführt haben. „Mein Vater hat immer gesagt: Ich kann nur das ernten, was ich vorher aufs Feld gebracht habe“, so Aigner.

Den Hof hat später sein Bruder – einer seiner neun Geschwister – übernommen. Doch die Nähe zur Natur ist Rupert Aigner geblieben. Vor einigen Jahren hat er bei der Regierung unter anderem Umweltschutzinvestitionen geplant. „Ökologisches, nachhaltiges Wirtschaften war damals ein neuer Begriff, heute ist das fast selbstverständlich. Das ist schon gut so“, meint er.

Vor dieser Zeit hat er Betriebswirtschaft an der Hochschule Landshut studiert – als sie noch zur Fachhochschule Weihenstephan gehörte. „Es war viel kleiner als heute und sehr familiär“, erinnert sich Aigner. Seinen Abschluss hat er 1979 gemacht – kurz bevor die Außenstelle der Hochschule Weihenstephan zur damaligen Fachhochschule Landshut geworden ist. Und er ist mit seiner Alma Mater noch immer eng verbunden: „Ich habe nie mit der Hochschule abgeschlossen.“ Aigner engagiert sich beispielsweise im Freundeskreis und hat das Gründerzentrum LINK mit auf den Weg gebracht.

Dort greift er auch immer wieder auf Methoden zurück, die er im Wahlfach Psychologie vor über 40 Jahren gelernt hat: „Wenn man Menschen von etwas überzeugen will, braucht man ein bisschen Fingerspitzengefühl. Das geht selten mit dem Holzhammer.“

Sein Schreibtisch im Büro und der große Aktenschrank dahinter verraten, dass Aigner in einer Behörde arbeitet. Dort stehen kleine blaue Türme aus gestapelten Briefablagen, beschriftet mit „Europa“ oder „Flughafen“, in die er seine Projekte einordnet. Trotzdem ist ihm wichtig, dass das Menschliche zwischen Akten und Paragraphen erhalten bleibt. „Ich habe ein tolles Team hier. Und ich versuche, persönliche Stärken zu fördern“, sagt Aigner. Dazu schiebt er gelegentlich einen Paragraphen zur Seite: „Wenn man eine Lösung für ein Problem finden will, muss man auch mal ein bisschen flexibel sein.“