„Ich versuche, ein Mittler zwischen den Welten zu sein.“

Robert Hahn, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Technologiezentrum Energie

„Der Anteil erneuerbarer Energien liegt bei 100 Prozent und ich fahre nur noch mit dem Zug oder dem E-Auto.“ Das ist die Vision von Robert Hahn, wenn er an Deutschland in 40 Jahren denkt. Damit die Vision Wirklichkeit wird, arbeitet der Ingenieur als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Technologiezentrum Energie in Ruhstorf an der Rott, einer Außenstelle der Hochschule Landshut. Dort entwickelt er gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen technische Lösungen für die Zukunft der Energie. Im Projekt „CompStor – Competence Center for Energy Storage“ befassen sie sich mit Energiespeichern und Batteriesystemen. Da Energie aus regenerativen Quellen nicht kontinuierlich erzeugt werden kann, sondern immer nur dann, wenn die Sonne scheint oder der Wind weht, muss das Energienetz diese Unregelmäßigkeiten puffern. Im TZ Energie arbeiten sie daher daran, wie die erzeugte Energie gespeichert, transportiert oder umgewandelt werden kann.

Voller Energie steckt auch Hahns bisheriges Berufsleben: So absolvierte er eine Ausbildung als Elektrotechniker, studierte Umwelttechnik und arbeitete anschließend in der Photovoltaikbranche. „Das Thema Umwelt ist mir sehr wichtig“, erklärt Hahn. Daher hat er sich vor ein paar Jahren zum Klima- und Energiecoach ausbilden lassen. Am TZ Energie unterstützt Hahn einerseits die Labormannschaft, andererseits ist er dafür zuständig, Projektanträge zu schreiben, Kalkulationen zu erstellen und Gelder zu beschaffen. Daneben überwacht er den Bau des neuen Laborgebäudes in Ruhstorf und spricht sich mit Handwerkern vor Ort ab. Hahn pendelt also ständig hin und her: zwischen Schreibtisch und Werkstatt, Technik und Verwaltung, Ruhstorf und Landshut. „Ich versuche, ein Mittler zwischen den Welten zu sein“, so Hahn, „anscheinend habe ich ein Talent für Querschnittaufgaben.“

Diese Abwechslung ist es auch, die Hahn an seiner Tätigkeit so schätzt: „Wenn ich mal genug von der Schreibtischarbeit habe, gehe ich einfach 20 Meter rüber in die mechanische Werkstatt und versuche zum Beispiel, einen Adapter zu bauen, der gerade gebraucht wird.“ Auch zu Hause ist Hahn ein echter Tüftler. „Ich habe zwei Kinder, da gibt es immer etwas zu reparieren“, erzählt er, „bevor ich etwas wegwerfe, schaue ich erst einmal, ob ich es selbst wieder hinbekomme.“ Wichtig sei, es zumindest auszuprobieren – und bei Bedarf zu improvisieren. Das hat Hahn schon in seiner Kindheit gelernt: „Ich bin in einer Landwirtschaft großgeworden. Wenn ich als Kind ein Schwert wollte, hieß es einfach: Geh rüber in die Werkstatt und bau dir eines.“

Was Robert Hahn beginnt, zieht er auch durch - sei es die Komplettrenovierung des Eigenheims, den Bau seines Gartenhauses aus Recyclingmaterialien oder die dreimonatige Thailandreise mit seiner Frau vor elf Jahren. Ihre Rucksacktour drohte damals zu scheitern, als Hahn in Thailand eine Blinddarmentzündung bekam. Doch er ließ sich nicht von seinem Vorhaben abbringen: Nach einer Operation vor Ort und einem viertägigen Krankenhausaufenthalt im 12-Bett-Zimmer ging die Reise für die beiden weiter. „Für die Beziehung ist eine solche Tour durchaus ein Härtetest. Man ist vollkommen aufeinander angewiesen, und das weit weg von daheim“, resümiert Hahn und fügt lachend hinzu: „Aber wir haben den Test bestanden.“ Will er heute seine Batterien wieder aufladen, packt er das große Zelt ein und fährt im Sommer mit seiner Familie nach Italien. Am Wochenende geht er mit den Kindern in die Kletterhalle, zum Schlittschuhlaufen oder an den nächsten Badesee. Hahn hat sich nämlich ein SUP-Board zum Stand-Up-Paddeln gekauft –natürlich gebraucht – und sich vorgenommen, das demnächst zu lernen. Und wie bei allen anderen Vorhaben, wird er auch diese Fertigkeit mit Sicherheit bald beherrschen.