„Bildung ist etwas zutiefst Menschliches.“

Prof. Dr. Markus Schmitt, Professor an der Fakultät Elektrotechnik und Wirtschaftsingenieurwesen

Sein Element ist das Wasser: Markus Schmitt verbringt 20 Stunden in der Woche beim Schwimmen oder als Trainer einer Wettkampfgruppe. Wie bleibt da noch Zeit, als Professor für Wirtschaftswissenschaften der Fakultät Elektrotechnik und Wirtschaftsingenieurwesen vier Studiengänge zu leiten, Ansprechpartner für mehr als 1.000 Studierende zu sein? „Ich arbeite wirklich viel“, sagt Schmitt. Hinter dieser einfachen Antwort verbergen sich eine strukturierte Lebensphilosophie, ein fachliches Konzept und die Fähigkeit, sich auf das Wesentliche zu fokussieren.

Wirtschaftsingenieurwesen heißt einer der Studiengänge, die Schmitt leitet. Das CHE-Ranking des Zeit Magazins, das „Who’s Who“ der Studiengänge, listete 2014/2015 den Landshuter Studiengang an erster Stelle. Das Berufsbild des Wirtschaftsingenieurs, der die Brücke zwischen Wirtschaft und Technik schlägt, existiert schon seit den 1920ern. Doch reicht das Konzept auch für die nächsten Jahre aus? „Ein paar Dinge sind neu zu denken“, resümiert Schmitt. „Die Digitalisierung, neue Formen der Zusammenarbeit und die größte Herausforderung – der Umgang mit knappen Ressourcen – werden den Studiengang verändern.“  

Der Studiengang WI, wie er salopp an der Fakultät genannt wird, bildet Menschen aus, die über akademische Fachgrenzen hinaus denken und kommunizieren können: interdisziplinär also. Verbinden, fusionieren, integrieren – das sind Schlagworte, die auch Schmitts Lebenslauf bestimmen. Das reicht zurück bis in seine Studienzeit: Damals verband er sein eigentliches Fachgebiet, die Mathematik, mit der Betriebswirtschaftslehre. Als Integrationsmanager trieb er später in der Industrie die Fusion großer Firmen voran. Aber Schmitt wäre nicht so erfolgreich ohne die dritte Komponente: sein ausgewiesenes Interesse für Innovationen. Zahlreiche Veröffentlichungen machen ihn zum Experten für das Thema Innovationsmanagement. Dabei verfolgt er einen völlig neuen Ansatz: Sogenannte Flow-Teams können einen wesentlichen Beitrag leisten, Innovationen voranzutreiben. Flow, ein Begriff aus der Psychologie, bezeichnet einen Zustand des Glücksgefühls, in den Menschen geraten, wenn sie gänzlich in einer Beschäftigung aufgehen.

Die Studierenden wissen seine Lehre zu schätzen und loben sein großes Verständnis für individuell verschiedenes Lernverhalten und seine Geduld. Schmitt sieht sich als Gleicher unter Gleichen. Seine Bereitschaft, Studierende zu unterstützen, geht weit über die eigentlichen Lehrveranstaltungen hinaus, zum Beispiel beim Einzel-Coaching vor Drittversuchen bei Prüfungen oder bei der Berufsplanung. So wurde er 2014 als erster mit dem Preis der Lehre der Hochschule Landshut ausgezeichnet. Aber eine Lehrveranstaltung bei Schmitt heißt für die Studierenden auch, ihre Komfortzone zu verlassen. „Es ist mir wichtig, dass die Absolventen einer Hochschule nicht kritiklos vorgegebene Lösungen übernehmen“, bekräftigt er. Durch spezielle didaktische Methoden lässt er die Studierenden Wissen entdecken und ihre Beteiligung an der Lehre spüren. „Dadurch bekommen sie die Impulse, die sie weiterbringen.“ Der einzelne Mensch ist ihm ebenso wichtig wie das Wissen, das er vermittelt. „Bildung ist etwas zutiefst Menschliches“, so lautet einer der Grundsätze seines Lehrkonzepts. „Aufmerksamkeit ist das Wertvollste, was man einem Menschen geben kann“, davon ist er überzeugt.

Den Kopf bekommt er beim Schwimmen frei. Und die Parallelen zwischen dem Menschen Markus Schmitt und seiner liebsten Sportart sind groß: Wer schwimmt, fokussiert sein Ziel und lässt es nicht mehr aus den Augen. Selbstmotivation, Disziplin und Erfolgswille gehören dazu. Und regelmäßige Wettkämpfe setzen wichtige Impulse, um auch persönliche Herausforderungen zu meistern. Was für Schmitt zu einem erfolgreichen Management gehört, entsteht auch im Wasser: der Flow, die Hingabe, die seine Kreativität aktiviert und ihn immer wieder zu neuen Ideen und Lösungen inspiriert.