„Wir brauchen eine gesunde Selbstverunsicherung.“

Prof. Dr. Christoph Fedke, Professor an der Fakultät Soziale Arbeit

Nachdenken, reflektieren und diskutieren – Prof. Dr. Christoph Fedke ist es wichtig, scheinbare Gewissheiten infrage zu stellen. Das will er auch seinen Studentinnen und Studenten vermitteln. „Wir brauchen eine gesunde Selbstverunsicherung“, so der Professor, „manchmal gibt es Momente in Vorlesungen, da merke ich, dass die Studierenden genauso nachdenklich geworden sind wie ich. Dann weiß ich: Das war eine gute Vorlesung.“

Was zählt ist, immer auf der Suche zu bleiben und sich selbst zu hinterfragen. Dieses Prinzip wandte er auch an, als er 1998 als Professor an die Hochschule Landshut ging und anschließend Dekan des Fachbereichs Soziale Arbeit wurde. Damals fand er die Fakultät in einem – seiner Ansicht nach – qualitativ schlechten Zustand vor. „Ich habe dann den damaligen Wissenschaftsminister gebeten, die Fakultät aufzulösen“, erzählt Fedke. Dazu kam es nicht. Was folgte war jedoch ein gewaltiger Umbruch – und eine einzige Erfolgsgeschichte. Neue, junge, engagierte Leute kamen an die Fakultät – und damit auch mehr Teamgeist und eine hohe wissenschaftliche Reputation. „Heute zählen wir in deutschlandweiten Rankings regelmäßig zu den Top 10“, berichtet Fedke voller Stolz.

Mittlerweile gilt die Soziale Arbeit als anerkannte wissenschaftliche Disziplin. „Unsere Studierenden absolvieren bei uns keine Ausbildung, sondern genießen die Freiheit der Wissenschaft“, betont Fedke. „Mir ist es egal, ob sie in meinen Seminaren sitzen oder sich das Wissen selbständig in der Bibliothek aneignen. Daraus entwickle ich kein Ego.“ Am Ende des Semesters müssen sie einfach die Prüfungen bestehen. „Uns Dozierenden geht es darum, die Studentinnen und Studenten dabei zu unterstützen, sich dafür zu qualifizieren.“

Die Liebe zur Diskussion und Kontroverse spiegelt sich auch in seinem ausgeprägten Interesse für Politik wieder. Nach dem Studium der Sozialen Arbeit hängte Fedke deshalb noch ein Studium der Politikwissenschaft dran. Und so sind es auch die großen sozialpolitischen Fragen, die ihn umtreiben: In welcher Solidargesellschaft wollen wir leben? Wie schaffen wir mehr Toleranz? Was ist vernünftig und was richtig? Politiker werden will Fedke zwar nicht, „aber mitgestalten“. Deshalb ist er auch im Senat der Hochschule Landshut aktiv, um dort seine Ideen einzubringen.

Sucht Fedke nach Antworten auf all die vielen Fragen, landet er oft bei den Klassikern der Antike, die zu Hause im Bücherregal stehen. „Platon ist bis heute spannend“, erzählt er begeistert, „und ich verbringe lieber meine Zeit mit Büchern, als mich mit dem Laptop zu ärgern.“ Auch in seinem Büro umgibt sich Fedke mit unzähligen wissenschaftlichen Werken, aus denen viele kleine Einmerkzettel ragen. „Ich bin halt ein konservatives Auslaufmodell, das lieber analog unterwegs ist“, meint er und lacht. Könnte er sich einen perfekten Tag gestalten, würde daher auf Fall dazuzählen: „Ein gutes Buch lesen, am Walchensee bei Sonnenuntergang darüber nachdenken und dann in die Nacht rein mit guten Freunden darüber diskutieren.“

Am Walchensee ist Fedke oft anzutreffen. Denn hier führt er einen Segelclub und fährt auch selbst gerne hart am Wind. Hier erlebte er auch einen der prägendsten Einschnitte in seinem Leben, als während einer Regatta das Segel herumwirbelte und der Baum den Kopf des Professors traf. Bewusstlos wurde er über Bord geschleudert und wachte im Wasser wieder auf, als seine Schwimmweste aufging. „Diese Weste hat mir das Leben gerettet“, erzählt Fedke. Zum Aufhören brachte ihn dieser Unfall nicht – aber zum Nachdenken: „So ein Erlebnis lehrt einen mehr Demut gegenüber Natur und Naturgewalten und macht die eigene Existenz ein bisschen relativ.“