„Studenten müssen ihr Mitspracherecht nutzen.“

Margaretha Erber, Studentin an der Fakultät Informatik

Informatik und Pferde – das klingt nach Leidenschaften, die nicht wirklich zusammenpassen. Margaretha Erbers Herz schlägt für beides. Gerade Technik und Naturwissenschaft haben sie schon früh interessiert. Als es dann darum ging, sich für ein Studium zu entscheiden, schwankte sie zwischen Chemie und Informatik. „Ich habe ein Probestudium für beide Fächer gemacht. Nachdem ich eine kleine Explosion in Chemie verursacht habe, entschied ich mich für Informatik“, erzählt sie und streicht sich grinsend die langen dunklen Haare aus dem Gesicht.

Die Informatikstudentin ist eine von nur wenigen jungen Frauen in ihrem Masterjahrgang. Doch die Überzahl an Männern beeindruckt sie nicht. Sie engagiert sich in der Fachschaft Informatik und der Studierendenvertretung der Hochschule, kurz StuV. „Mir ist wichtig, dass die Studierenden ein Mitspracherecht haben und das auch nutzen“, sagt Erber. Vorher hat sie beim Campus Landshut e. V. Partys, Maifeste oder Probefahrten mit dem Segway organisiert: „Das Ziel des Vereins ist, dass die Leute sich mit dem Campus und der Hochschule verbunden fühlen“, fasst Erber zusammen. Sie selbst hat einige Lieblingsplätze. „Ich liebe es, auf den roten Enzos in der Sonne zu liegen“, sagt sie. Und an der Steinsäule mit Namen „Gegenkraft“, die viele schlicht Obelisk nennen, sitzt sie gern.

Die Couchen im StuV-Büro haben es ihr ebenso angetan – aber nicht, um sich auszuruhen. Oft diskutiert sie mit Kolleginnen und Kollegen und sammelt mit ihnen neue Ideen, die sie bald umsetzen will: „Hier kann ich wirklich was erreichen“, sagt Erber. Zum Beispiel hat sie es gemeinsam mit der Fachschaft geschafft, dass deutlich mehr Studierende zu den Probevorlesungen für neue Professorinnen und Professoren kommen. Ein anderer Erfolg: Die Informatik-Studierenden fanden, dass der Stundenplan im Masterstudium zu starr war. Die Fachschaft sorgte dafür, dass ein zusätzliches Wahlmodul eingeführt wurde. Solche Aktionen kosten aber Kraft: „Manchmal muss man auch etwas lauter schreien als man vielleicht will, um etwas durchzusetzen“, so Erber.

Sie hinterfragt Systeme, Menschen und Autoritäten und scheut sich auch nicht, zu kritisieren. Das war schon immer so. Deswegen wurde sie bereits in der Schule Oberstufensprecherin: „Das wollte ich gar nicht. Ich wurde einfach gewählt, weil ich diejenige war, die gemeckert hat, wenn etwas nicht gepasst hat.“ Doch es gibt einen Ort, wo für sie alles passt und wo sie völlig entspannen kann. Und der liegt nur ein paar Minuten vom Campus entfernt: Dort im Stall eines Gestüts wartet ihr Pferd Lenny auf sie, das sie nach langen Studientagen besucht. „Da draußen ist die Welt in Ordnung. Da tanke ich Kraft“, sagt sie lächelnd und schaut zu Boden. Eigentlich wollte sie gar nicht, dass man ihr die Pferdeliebhaberin so stark anmerkt, gibt sie zu. Aber die Leidenschaft für Pferde hat Margaretha Erber seit der Grundschule nicht mehr losgelassen. Und zum 18. Geburtstag, wenn andere das erste Auto bekommen, haben ihre Eltern ihr Lenny geschenkt.

Die reitende Informatikerin sieht ihre Zukunft nicht im klassischen Programmieren. Derzeit arbeitet sie als Werkstudentin beim Fahrzeug- und Maschinenbauer MAN. Dort würde sie gerne nach ihrem Abschluss als Scrum Master einsteigen: Das ist eine Art Moderator, der zwischen allen Menschen, die an der Entwicklung neuer Software beteiligt sind, vermittelt und sicherstellt, dass Scrum verstanden und gelebt wird. „Man schaut, dass die Zusammenarbeit gut läuft“, fasst Erber zusammen. Dass sie das kann, hat sie bereits als Studentin gezeigt.